National League A: Meister Bern ist zu langsam
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National League AMeister Bern ist zu langsam

Die Berner «Mutzen» haben sich beim EHC Biel für die 1:7-Pleite revanchiert und vor eigenem Publikum einen 6:3-Sieg gefeiert. Ein Manko bleibt: das Tempo.

von
Klaus Zaugg
Die «Mutzen» sind schwerfällig geworden.

Die «Mutzen» sind schwerfällig geworden.

Am Sonntag gewinnt der EHC Biel gegen den SC Bern 7:1. Der höchste Sieg über den Erzrivalen seit Einführung der Playoffs. Die Welt hält den Atem an. Der Hinweis, dass der SCB ja nur mit Ersatzgoalie Olivier Gigon spielte, interessiert höchstens die SCB-Fans. Es ist Schläpfers grösster Triumph als Cheftrainer.

Am Dienstag sieht die Welt dann aber wieder anders aus: Biel ist gegen den SCB in Bern chancenlos und verliert 3:6. Diesmal steht beim SCB wieder Bührer im Kasten.

Biel wie einst Kanada

Sind solche Zirkus-Resultate nur in einer Operettenliga möglich? Nein. Ganz im Gegenteil. Sie sind das Merkmal von…Weltklasse. Diese gewiss etwas abenteuerliche Behauptung lässt sich mit einem berühmten Beispiel aus der Hockeygeschichte untermauern.

Am 9. September 1981 gewinnt Kanada, gecoacht von Scotty Bowman, im Rahmen des Kanada Cups in Montreal gegen die Sowjets 7:3. Die Welt hält den Atem an. Es ist der höchste Sieg der Kanadier gegen diesen Gegner. Der Hinweis, dass die Russen ja nur mit Ersatzgoalie Wladimir Myschkin spielten, interessiert niemanden. Vier Tage später im Finale die Revanche. Die Kanadier verlieren in Montreal 1:8. Diesmal steht bei den Russen wieder Wjatscheslaw Tretjak im Tor.

Die Wahrheit wird zum Irrtum

Was lernen wir daraus? Dass sich Biels Trainer Kevin Schläpfer nicht hintersinnen muss. Selbst auf allerhöchster Ebene wird die Wahrheit von heute schon ein paar Tage später zum Irrtum. Die Hockeygötter hatten den Bielern in Bern eine winzige Chance gegeben, um das Unheil abzuwenden. In der 13. Minute kann Ahren Spylo beim Stande von 1:0 für Biel auf Torhüter Marco Bührer losstürmen. Er verliert unterwegs die Scheibe. Wenn hier das 2:0 gefallen wäre - es hätte alles anders kommen können.

Aber eben: Wenn Ausseneiter solche Geschenke der Hockeygötter verschmähen, werden sie bestraft. Ivo Rüthemann trifft zum 1:1 (zuvor hatte er 14 Partien lang kein Tor mehr erzielt) und dieser Ausgleich ist für die tapferen Bieler gleichbedeutend mit Lichterlöschen. Mit jedem Tor löst sich die Handbremse beim Meister ein bisschen mehr und schon ab dem 3:1 ist es nur noch ein Schaulaufen. Und doch bleibt das Resultat im Rahmen. Einmal mehr vermag der Meister seinen Fans kein Spektakel zu bieten.

Langweiliger Meister zu langsam

Warum gibt es in Bern keine «Hockeyfestspiele» mehr? Warum sind die Partien des SC Bern so langweilig geworden? Ganz einfach: Der Meister ist zu langsam. Die Leichtigkeit des Seins ist verloren gegangen. Gerade beim 6:3 gegen Biel ist dieses Problem immer und immer wieder zu sehen. Die Verteidiger, die den ersten Pass spielen sollten, bremsen ab, bevor sie die Scheibe spielen und trotzdem sind die Zuspiele unpräzis. Im modernen Hockey ist die präzise Scheibenabgabe im vollen Lauf ein zentrales Element. Nur so gelingt es, Angriffe schnell auszulösen und noch solange sich der Gegner in der Vorwärtsbewegung befindet. Tempo ist wichtiger als Kraft und Wasserverdrängung - keine andere Mannschaft in der Liga demonstriert das immer wieder so spektakulär wie der HC Davos.

Die Berner müssen für jede Torchance viel zu viel arbeiten. Sie gewinnen kaum einen Zweikampf leichtfüssig durch Tempo. Und damit fehlen dem Spiel zu oft die Dynamik und die Eleganz und die Emotionen und der Unterhaltungswert und letztlich auch die Dramatik.

Weil das Spiel des Meisters recht gut strukturiert, die taktische Disziplin recht hoch und die Berufseinstellung gut ist, weil die Mannschaft zudem gut gecoacht wird, hält sich der Schaden in Grenzen. Der SCB erfüllt die Pflicht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Aber dabei geht viel vom Unterhaltungswert verloren. Auch in Bern lebt das Publikum nicht vom Resultat alleine. Etwas mehr Spektakel sollte der grössten Zuschauerkulisse Europas schon geboten werden.

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