Aktualisiert 04.08.2004 21:33

Meisterfotograf Henri Cartier- Bresson gestorben

Henri Cartier-Bresson, einer der besten Fotografen des 20. Jahrhunderts ist im Alter von 95 Jahren in Céreste im Südosten Frankreichs gestorben.

Wie Freunde des Künstlers am Mittwoch mitteilten, wurde der Künstler, der schon zu Lebzeiten eine Legende war, am Mittwoch im engsten Kreis beigesetzt. Er starb wenige Wochen vor seinem 96. Geburtstag zu Hause. Cartier-Bresson habe seit einigen Tagen keine Nahrung mehr zu sich genommen und sei zunehmend schwächer geworden.

Als Reporter und Bildpublizist, als Porträtist der Grossen dieser Welt, aber auch der Namenlosen ebenso wie als Landschaftsfotograf erwarb sich «der Mann mit der Leica» Ruhm und förderte die Entwicklung der Fotografie als eigenständige Kunstform. Ausstellungen und Sammelbände wurden ihm gewidmet.

Entscheidende Momente der Geschichte

Cartier-Bresson hat mehr als ein halbes Jahrhundert entscheidender Momente mit seinen Bildern festgehalten und dokumentiert: den Spanischen Bürgerkrieg, den «langen Marsch» von Maos Armee, die Invasion der Alliierten, die Entkolonialisierung Indonesiens, den Tod Gandhis oder Berlin nach dem Mauerbau.

«HCB», wie er später ehrfürchtig genannt wurde, studierte Malerei, ehe er 1931 die Fotografie entdeckte. 1947 gründete er mit Robert Capa und George Roger die bis heute grösste unabhängige Fotoagentur «Magnum» in Paris und setzte seine Weltreisen mit der Fotokamera fort.

Ein Preisregen ging über Cartier-Bresson nieder. Er erhielt unter anderem die US-Kamera für ein Foto-Essay über den Tod Ghandis sowie Auszeichnungen für Reportagen über China, Russland und Kuba.

«HCB» wurde ein leuchtendes Vorbild für eine ganze Generation von jungen Fotografen - und blieb dennoch sehr zurückhaltend und bescheiden: «Es ist sehr angenehm berühmt zu sein, aber nur unter der Bedingung, dass man unerkannt bleibt.»

Ausstellung in Berlin

Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt derzeit eine Retrospektive mit Werken Cartier-Bressons. Angesichts des Todes erwägt das Museum, die Schau zu verlängern, wie ein Sprecherin am Mittwochabend der Nachrichtenagentur AFP sagte. Die Entscheidung hänge unter anderem von den Leihgebern der Exponate ab.

Die Ausstellung sollte bisher nach drei Monaten am 15. August ihre Pforten schliessen. Seit Mitte Mai haben rund 70 000 Menschen die Ausstellung besucht, in der mehr als 350 Werke Cartier-Bressons gezeigt werden.

Im vergangenen Jahr hatte die Henri-Cartier-Bresson-Stiftung im Pariser Viertel Montparnasse ihre Pforten geöffnet. Dort werden mehr als tausend Originalfotos sowie Kontaktabzüge, Filme, Manuskripte und Briefe gezeigt.

(sda)

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