Meiwes steht auf plastinierte Leichen
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Meiwes steht auf plastinierte Leichen

Der «Kannibale von Rotenburg» hat seine Fantasien vom Essen menschlicher Körperteile oft vor seiner Videokamera inszeniert. Zudem sammelte er Videos über den Leichen-Plastinator Gunther von Hagens.

Der überwiegende Teil der 304 in seinem Haus in Rotenburg sichergestellten VHS-Kassetten und anderer Speichermedien habe mit Kannibalismus zu tun, sagte eine Beamtin des hessischen Landeskriminalamts heute Donnerstag im Mordprozess vor dem Frankfurter Landgericht. Ausserdem hatte der Angeklagte Armin Meiwes 35 Pornofilme mit homosexuellen Darstellungen gesammelt.

Nach ihren Angaben nahm Meiwes zahlreiche sadomasochistische Rollenspiele auf Video auf - sowohl mit einem Partner oder einer Puppe als auch allein. Zusätzlich zu den selbst aufgenommenen Videos speicherte Meiwes Fernsehberichte über Leichenöffnungen, über den amerikanischen Mörder Jeffrey Dahmer, der 17 junge Männer tötete und Teile ihrer Körper im Kühlschrank aufbewahrte, oder auch über den Leichen-Plastinator Gunther von Hagens.

Die Durchsuchung des alten Gutshofs in Rotenburg-Wüstefeld, den Meiwes nach dem Tod seiner Mutter im September 1999 allein bewohnte, fand am 10. Dezember 2002 statt. Ein Österreicher hatte die Polizei auf die Web-Seiten von Meiwes aufmerksam gemacht, auf denen Andeutungen über das reale Verbrechen zu lesen waren. Meiwes hatte den 43-jährigen Berliner Ingenieur Bernd B. bereits am 10. März 2001 getötet.

Die Verteidiger beantragten am Donnerstag, die Hauptverhandlung auszusetzen, weil ihnen nicht alle Ermittlungsakten zugänglich gemacht worden seien. Eine Unterbrechung des Prozesses wäre nicht ausreichend, sagte der Rechtsanwalt Joachim Bremer. Die 21. Grosse Strafkammer wollte am Nachmittag ihre Entscheidung über den Antrag verkünden.

Vorgesehen war bisher, dass der Berliner Sexualwissenschaftler Klaus Beier und der Göttinger Psychiater Georg Stolpmann ihre Gutachten erstatten. Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft war für den 7. März geplant. (dapd)

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