Melissa - keine Klosterfrau
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Melissa - keine Klosterfrau

Interview: Melissa Auf der Maur spielte Bass bei Hole und den Pumpkins — und lässt auf ihrer
Debüt-CD ihre Schweizer Grossmutter jodeln.

Melissa Auf der Maur, die Mitmusiker auf deinem Erstling «Auf Der Maur» kommen von den Smashing Pumpkins und den Queens of the Stone Age. Durfte nur mitspielen, wer Rang und Namen hat?

Nein, für mich sind das keine Stars, sondern alte Freunde (lacht). Den meisten habe ich schon vor Jahren angedroht, sie müssten mal für mich spielen.

War «Auf Der Maur» schon länger geplant?

Oh ja. Nach den fünf Jahren bei Hole war ich vom dauernden Touren ausgebrannt und wollte endlich meine eigenen Songs spielen. Doch dann kam das Angebot der Smashing Pumpkins, sie für ein Jahr zu begleiten – das konnte ich unmöglich ablehnen.

Ist es schwierig, für Rock-Diven wie Billy Corgan oder Courtney Love zu spielen?

Bei den Pumpkins war ja bereits alles geschrieben, da brauchte ich einfach nur meine Lieblingssongs nachzuspielen. Bei Hole habe ich jedoch eigene Basslinien geschrieben. Courtney sagte dann schon, ob es ihr passte oder nicht. Aber die Band war ja nicht mein Baby, also fiel es mir leicht nachzugeben.

Haben dich die zwei in deiner neuen Rolle als Bandleaderin beeinflusst?

Ich habe viel von ihnen gelernt, doch ich ziehe das auf meine Art durch. Klar, ich hatte die Songs schon lange im Kopf und wusste, wie sie klingen sollten – dennoch hatten wir viel Spass bei den Aufnahmen.

Ist der Jodel-Jauchzer auf dem Hidden Track von einer solchen Session?

(Lacht) Nein, das ist meine Grossmutter an ihrem hundertsten Geburtstag. Schöner kann man Glück nicht ausdrücken, und deshalb passte es perfekt als Abschluss meiner ersten Platte.

Woher kommt dein schweizerischer Name?

Meine Grosseltern wanderten nach Kanada aus. Das erhoffte Gold fanden sie zwar nicht, doch mein Grossvater wurde bekannt als Politiker, der lautstark gewagte Ansichten vertrat. Auch mein Vater ist ein Querdenker. Andern meine Gedanken zu vermitteln, steckt mir im Blut.

Familie und Tradition scheinen dir wichtig zu sein, das Familienwappen ziert sogar das Booklet von «Auf Der Maur».

Ich forschte über die Auf der Maurs nach und stiess so auch auf das Wappen. Der Name ist in Kanada sehr exklusiv, und es gefiel mir schon immer, anders zu sein. In der Schule stellte ich mich selbstverständlich als Schweizerin vor, obwohl ich nie dort war und kein Deutsch spreche.

Wie hast du dir das Land denn vorgestellt?

Für mich waren die Schweizer ein lautes und verrücktes Volk – bis mir mein Vater erklärte, das sei wohl eher eine Eigenheit unserer Familie.

Interview -- Olivier Joliat

«Auf Der Maur» (EMI) erscheint am 2. Februar.

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