Aktualisiert 08.10.2018 08:51

Ex-Interpol-Chef

Meng soll Schmiergelder angenommen haben

Im Fall um den zurückgetretenen Interpol-Chef werden neue Details bekannt. Er wird der Korruption verdächtigt.

China ermittelt gegen den Interpol-Präsidenten. (Video: Tamedia/AP/AFP)(Video: Tamedia/AP/AFP)

China hat den verschwundenen ehemaligen Interpol-Chef Meng Hongwei der Korruption bezichtigt. Der Chinese Meng habe «Bestechungsgelder angenommen» und werde verdächtigt, «gegen das Gesetz verstossen» zu haben, erklärte das Sicherheitsministerium in Peking am Montag.

Die internationale Polizeibehörde Interpol hatte am Sonntag den sofortigen Rücktritt ihres seit gut zwei Wochen nach einem Besuch in China verschollenen Präsidenten verkündet.Die Behörden werde nun kommissarisch von dem Südkoreaner Kim Jong Yang geleitet. Im November solle auf der Interpol-Generalversammlung in Dubai ein neuer Chef gewählt werden.

Die chinesische Justiz hatte zuvor bekannt gegeben, dass sie gegen Meng Ermittlungen eingeleitet habe. Kurz darauf ging am Interpol-Sitz in Lyon eine Erklärung ein, in der Meng «mit sofortiger Wirkung» seinen Rücktritt erklärte.

Messer-Emoji gesandt

Am Samstag hatte Interpol von China eine Erklärung für das Verschwinden ihres Chefs gefordert. Meng war am 25. September nach China gereist. Seine Frau gab an, seitdem nichts mehr von ihm gehört zu haben.

Sie gehe davon aus, dass ihr Mann in seiner Heimat in Gefahr sei, sagte sie auf einer Pressekonferenz in Lyon, wo Interpol seinen Sitz hat. Er habe ihr am Tag seiner Ankunft in China eine Mitteilung über ein soziales Netzwerk geschickt, in der er schrieb: «Warte auf meinen Anruf.» Eine zweite Mitteilung habe lediglich aus einem Messer-Emoji bestanden, der für eine Gefahrensituation steht, berichtete Grace Meng.

Die Ehefrau verlas ihre Erklärung in Lyon mit zitternder Stimme. Aus Angst um ihre Sicherheit drehte sie sich mit dem Rücken zu den Kameras und wollte nicht fotografiert werden. Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock hatte am Samstag erklärt, die Polizeiorganisation habe die Behörden in Peking über «offizielle Kanäle» um Aufklärung über Mengs Verbleib gebeten.

Erster chinesischer Regierungsvertreter

Laut einem Bericht der Hongkonger Zeitung «South China Morning Post» von vergangener Woche wurde der 64-Jährige bei seiner Ankunft in Peking von Vertretern der nationalen Disziplinarkommission abgeführt.

Meng war im November 2016 als erster chinesischer Regierungsvertreter an die Spitze von Interpol gewählt worden. Zuvor war der studierte Jurist in China stellvertretender Minister für Öffentliche Sicherheit.

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Erklärung mit «sofortiger Wirkung»: Interpol hat den Rücktritt seines Präsidenten Meng Hongwei bekanntgegeben. (7. Oktober 2018)

Erklärung mit «sofortiger Wirkung»: Interpol hat den Rücktritt seines Präsidenten Meng Hongwei bekanntgegeben. (7. Oktober 2018)

AFP/Roslan Rahman
Zuvor hatte China bekannt gegeben, gegen Meng zu ermitteln. Er wird seit einer Reise nach China Ende September vermisst.

Zuvor hatte China bekannt gegeben, gegen Meng zu ermitteln. Er wird seit einer Reise nach China Ende September vermisst.

epa/Interpol / Handout
Am Samstag hatte Interpol von China eine Erklärung für das Verschwinden ihres Chefs gefordert. Der Chinese Meng war am 25. September zu einem Besuch in seinem Heimatland China eingetroffen.

Am Samstag hatte Interpol von China eine Erklärung für das Verschwinden ihres Chefs gefordert. Der Chinese Meng war am 25. September zu einem Besuch in seinem Heimatland China eingetroffen.

Wallace Woon

Mehrere hochrangige Beamte

Unter Präsident Xi Jinping sind in China bereits mehrere hochrangige Beamte verschwunden. Oft tauchten sie nach einigen Monaten als Angeklagte vor Gericht auf. Die Regierung in Peking geht seit einiger Zeit hart gegen Korruption vor.

Sehr ungewöhnlich ist, dass die chinesischen Behörden auf diese Art offenbar mit einem Beamten wie Meng umgehen, den die Volksrepublik für ein Spitzenamt in einer internationalen Organisation benannt hat.

Über Interpol arbeiten 192 Mitgliedstaaten zusammen gegen das internationale Verbrechen. Die Organisation unterstützt massgeblich den Kampf gegen den Terrorismus, gegen Cyber-Attacken und gegen das organisierte Verbrechen. (sda/afp)

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