Aktualisiert 27.01.2011 22:26

ArchäologieMensch eroberte die Welt früher als erwartet

Neue Erkenntnisse über die ersten Menschen: Sie verliessen Afrika nicht wie angenommen vor 60 000 Jahren sondern vor über 120 000 Jahren. Auch die Route war eine andere als bislang angenommen.

Die Menschen haben Afrika laut einer Studie früher und auf einer anderen Route verlassen als bisher gedacht. Schon vor 125 000 Jahren erreichten die ersten modernen Menschen die arabische Halbinsel, wie ein internationales Forscherteam im Fachmagazin «Science» berichtet.

Bislang waren Experten mehrheitlich davon ausgegangen, dass der moderne Mensch erst vor rund 60 000 Jahren die arabische Halbinsel und von dort aus Asien und Australien besiedelt hat. Als wahrscheinlichste Route aus Afrika galt der Weg dem Mittelmeer entlang via heutiges Israel.

Aus Israel gibt es archäologische Funde des Homo sapiens, die rund 100 000 Jahre alt sein dürften. Doch die Wüsten der Arabischen Halbinsel waren für die frühen Menschen noch für zehntausende von Jahren ein unüberwindbares Hindernis - vermuteten die meisten Wissenschaftler bisher.

Primitive Steinwerkzeuge

Nun hat ein Forscherteam um den Archäologen Hans-Peter Uerpmann von der deutschen Universität Tübingen auf dem Gebiet der heutigen Vereinigten Arabischen Emirate, in Jebel Faya, nicht weit vom Persischen Golf, primitive Werkzeuge gefunden, die vor rund 125'000 Jahren hergestellt wurden.

Es handelt sich um verschiedene Schaber und Locher und ein relativ primitives Beil. Die Werkzeuge ähneln laut den Forschern jenen der frühen Menschen in Ostafrika. Dies deute darauf hin, dass nicht unbedingt technische Neuerungen notwendig gewesen seien, damit Frühmenschen auf die arabische Halbinsel hätten wandern können.

Der anatomisch moderne Mensch habe sich vor etwa 200'000 Jahren in Afrika entwickelt und sich von dort ausgebreitet, sagte Simon Armitage von der Royal Holloway Universität in London. «Durch unsere Funde muss jetzt völlig neu darüber nachgedacht werden, wie die modernen Menschen eine globale Spezies geworden sind».

Direkter Weg nach Arabien

Denn der Weg, den die frühen Menschen nach Jebel Faya nahmen, führte wohl nicht entlang des Mittelmeers über Israel und von dort durch die arabische Wüste. Uerpmann und seine Kollegen analysierten nämlich auch Daten zum Klima und zur Höhe des Meeresspiegels in der Region in der Zeit vor etwa 130'000 Jahren.

Sie kommen zum Schluss, dass die Meerenge Bab al-Mandab, welche die arabische Halbinsel vom Horn von Afrika trennt, wegen des niedrigen Meeresspiegels damals enger war. Das könnte es den Menschen erlaubt haben, die Meerenge - entweder zu Fuss oder mit primitiven Flössen oder Booten - zu durchqueren, sagte Uerpmann an einer Telefonpressekonferenz.

Andere Forscher zweifeln

Zudem war die Arabische Halbinsel damals laut der Studie viel feuchter als heute. Es wuchsen mehr Pflanzen und die Landschaft war von Seen und Flüssen durchzogen. Solche Voraussetzungen hätten es den Frühmenschen ermöglicht, nach Arabien zu gelangen und von dort über Mesopotamien nach Indien, schreiben die Forscher.

Nicht alle Forscher sind von den Schlüssen des Teams überzeugt. Es gebe nicht die Spur eines Beweises, dass die entdeckten Werkzeuge tatsächlich vom Homo sapiens stammten, wird der Archäologe Paul Mellars von der Universität Cambridge (GB) in einem Begleitartikel in «Science» zitiert. Die Artefakte könnten auch von Neandertalern oder von Homo erectus stammen. (sda)

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