#April24 - Menschen auf Tiktok wehren sich gegen «Tag der Vergewaltigung»
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#April24Menschen auf Tiktok wehren sich gegen «Tag der Vergewaltigung»

Übler Scherz oder echte Gefahr? Auf Tiktok sprechen sich Userinnen und User gegen ein erschreckendes Video aus, das zur Vergewaltigung aufruft.

von
Dominique Zeier

Darum gehts

  • Auf Tiktok berichten Userinnen und User von einem Video, in welchem Männer andere Männer dazu aufrufen, Frauen zu vergewaltigen.

  • Dies soll am 24. April geschehen.

  • Unzählige Tiktokerinnen und Tiktoker haben sich nun öffentlich dagegen ausgesprochen.

  • Ob es sich beim ursprünglichen Video um einen schlechten Scherz handelt, ist unbekannt.

  • In der Schweiz muss man sich laut der Kantonspolizei Zürich keine grossen Sorgen um diesen Tag machen.

  • Dennoch bergen solche Videos – ob übler Scherz oder nicht – Gefahren.

Tiktok ist für seine viralen Videos und Challenges bekannt, die sich wie ein Lauffeuer im Internet verbreiten. Während die meisten dieser Trends zum Spass gedacht und harmlos sind, findet sich von Zeit zu Zeit immer wieder mal ein Trend auf der Kurzvideo-Plattform, der die Community und Aussenstehende gleichermassen in Aufruhr bringt. So verhält es sich mit dem momentan trendenden Hashtag «#April24».

Dahinter steckt eine erschreckende Geschichte. Denn wer dem Hashtag folgt, wird mit einer Reihe von Videos konfrontiert, die sich rund um das Thema sexuelle Gewalt, und wie man sich davor schützt, drehen. Der Hintergrund dazu wird in den meisten der Clips erklärt – und zwar gehe augenblicklich ein Video im Internet herum, in welchem Männer dazu aufgerufen werden, am 24. April am «National Rape Day» («Nationaler Tag der Vergewaltigung») teilzunehmen.

Tipps und Hilfe

Woher dieses Video genau stammt und wie lange es bereits existiert, ist nicht abschliessend festzustellen. Darin sollen sechs Männer zu sehen sein, die gemeinsam zum «National Rape Day» aufrufen und auch Anweisungen geben, wie man rechtlichen Konsequenzen entgehen könne. Aufzufinden ist das Video jedoch nirgends – nicht einmal das Chefbüro von Tiktok selbst kann es lokalisieren, wie «NY Daily News» berichtet. Der besagte Hashtag hat jedoch aus unbekannten Gründen Aufschwung erhalten. Und eines scheint aus den Videoclips der Tiktokerinnen und Tiktoker klar herauszulesen zu sein: Sie nehmen die Sache ernst.

In vielen der hochgeladenen Videos teilen Frauen ihre Tipps und Tricks, wie man sich am besten gegen sexuelle Übergriffe wehren kann. Auch viele männliche Tiktoker haben Videos hochgeladen, in welchen sie versprechen, Frauen am 24. April beizustehen und ihnen in Notsituationen zu helfen. Laut «Bell Tower News» haben Videos mit dem Hashtag #April24 mittlerweile mehr als 50 Millionen Aufrufe.

Birgt viele Gefahren

Laut Thilo Manemann, Monitoring-Experte der Amadeu Antonio Stiftung, zu der «Bell Tower» gehört, kennt man den «National Rape Day» schon seit längerem: «Bereits seit 2010 wird das Gerücht von Trollen immer wieder aufbereitet und genau das ist es, was die Trolle wollen: Einschüchtern, Angst verbreiten und Menschen verletzen.»

Weniger gefährlich mache dies den erschreckenden Trend aber nicht. Denn auf sozialen Netzwerken im Internet besteht stehts die Gefahr, dass solche – wenn auch fiktive oder als Scherz gemeinte – Trends eine Eigendynamik entwickeln und sich einzelne Userinnen und User tatsächlich dazu angespornt fühlen, das, was sie online sehen, in Taten umzusetzen. Ausserdem besteht laut «Bell Tower» die Gefahr für Betroffene, durch das Aufkommen solcher Themen re-traumatisiert zu werden.

Auch bei Tiktok nimmt man die Sache ernst. So lässt das Unternehmen mitteilen: «Der vermeintliche ‹Nationaltag für sexuelle Übergriffe›-Trend, über den berichtet wird, ist abscheulich und wäre ein direkter Verstoss gegen unsere Community-Richtlinien. Obwohl wir keinen Hinweis auf diesen Trend auf unserer Plattform gefunden haben, bleibt unser Sicherheitsteam wachsam und würde solche Inhalte umgehend entfernen.»

Besteht in der Schweiz eine Gefahr?

Wirklich Sorgen machen müsse man sich zumindest in der aber Schweiz nicht, versichert Stefan Oberlin von der Kantonspolizei Zürich. «Uns ist die Thematik um den 24. April bekannt, aber hauptsächlich aufgrund der Häufungen der Videos, die zu diesem Hashtag in den sozialen Medien hochgeladen werden. Einen tatsächlichen Anstieg an sexuellen Übergriffen verzeichnen wir an diesem Tag nicht.» Daher würden auch dieses Jahr keine besonderen Massnahmen getroffen. «Von einer verstärkten Gefahr gehen wir also nicht aus», so Oberlin.

Ähnlich sieht dies Karin Moos Petersen vom Frauen-Nottelefon. Man habe bei der Beratungsstelle von diesem Tag noch nie gehört. «Tatsächlich schüren solche Videos und Aufrufe vor allem die Ängste der Frauen und schlimmstenfalls stacheln sie das Interesse von potentiellen Gefährdenden an», so Moos Petersen.

Leider sei es so, dass beinahe jede Frau Situationen kenne, in welchen sie blöd angemacht oder sexuell belästigt werde. «Der Besuch eines Selbstverteidigungskurses kann mehr Sicherheit im Auftreten und Umgang mit Bedrohungssituationen vermitteln», erklärt Moos Petersen. Natürlich gebe es leider keinen hundertprozentigen Schutz vor Übergriffen, wichtig sei aber, dass man sein Bauchgefühl niemals ignoriere, wenn es darum gehe, Situationen auszuweichen. Man solle auch nicht davor zurück schrecken, direkt jemanden anzusprechen und um Hilfe zu beten, falls man sich in Gefahr fühle.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

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