Coronavirus Sars-CoV-2: Erstmals Menschen mit zwei Virusvarianten gleichzeitig infiziert
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Coronavirus Sars-CoV-2Erstmals Menschen mit zwei Virusvarianten gleichzeitig infiziert

Forschende haben erstmals Covid-19-Patienten entdeckt, die gleichzeitig mit zwei verschiedenen Varianten des Coronavirus infiziert waren. Obwohl deren Verläufe mild waren, zeigen sich die Wissenschaftler besorgt.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Die Statue Cristo Redentor auf dem Corcovado im Süden Rio de Janeiros dürfte derzeit mit Sorge auf das Land zu seinen Füssen schauen. Denn die Corona-Lage in Brasilien ist prekär. 

Die Statue Cristo Redentor auf dem Corcovado im Süden Rio de Janeiros dürfte derzeit mit Sorge auf das Land zu seinen Füssen schauen. Denn die Corona-Lage in Brasilien ist prekär.

imago images/microgen
Besonders besorgniserregend sind die Stadt Manaus (orange) im Norden des Landes sowie der Bundesstaat Rio Grande do Sul (lila). 

Besonders besorgniserregend sind die Stadt Manaus (orange) im Norden des Landes sowie der Bundesstaat Rio Grande do Sul (lila).

Screenshot MyGoogleMaps
In dem südlichsten Bundesstaat Brasiliens haben Forschende um den Virologen Fernando Spilki nun erstmals Covid-19-Patienten identifiziert, die gleichzeitig mit zwei verschiedenen Varianten des Coronavirus infiziert waren.

In dem südlichsten Bundesstaat Brasiliens haben Forschende um den Virologen Fernando Spilki nun erstmals Covid-19-Patienten identifiziert, die gleichzeitig mit zwei verschiedenen Varianten des Coronavirus infiziert waren.

imago images/ZUMA Wire

Darum gehts

  • Erst galten Re-Infektionen bei Sars-CoV-2 als ausgeschlossen, dann als selten.

  • Mit dem Aufkommen der Virusvarianten häufen sich solche Fälle.

  • Nun wurden erste Fälle bekannt, in denen sich Personen mit gleich zwei Virusstämmen gleichzeitig infizierten.

  • Forschende wie der Virologe Fernando Spilki beobachten die Entwicklung mit Sorge.

Nicht nur aus dem Norden Brasiliens gibt es schlechte Nachrichten punkto Coronavirus: Während dort in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, bereits das Gesundheitssystem komplett zusammengebrochen ist, haben sich im Süden des Landes erstmals Personen gleichzeitig mit zwei verschiedenen Sars-CoV-2-Varianten infiziert.

Die Patienten, beide dem Bericht zufolge in ihren Dreissigern, wurden Ende November im Bundesstaat Rio Grande do Sul positiv auf Corona getestet. Bei einer Sequenzierung der Proben fand man nicht nur die zuerst im Bundesstaat Amazonas entdeckte Mutation B.1.1.28 (P.1, siehe Box), sondern jeweils auch eine weitere Virus-Variante.

Die drei Varianten im Überblick

Sie ähneln sich, weisen aber auch Unterschiede auf. Das ist bislang zu den drei Corona-Mutanten bekannt, die Forschenden Sorge bereiten.

Britische Variante: Die als B.1.1.7 bezeichnete Variante tauchte erstmals im Dezember 2020 im Süden Grossbritanniens auf, von wo sie sich im ganzen Land und über die Landesgrenzen hinaus verbreitete. Auch in der Schweiz ist sie anzutreffen. Laut neusten Erkenntnissen weist B.1.1.7 insgesamt 17 Mutationen auf, von denen drei das Verhalten des Virus verändert haben könnten: die Mutation N501Y, die Löschung der Stellen 69 und 70, und die Mutation P681H. Darauf deuten laut Richard Neher, Epidemiologe an der Universität Basel, auch Beobachtungen aus Irland und Dänemark hin, so Zeit.de.

Südafrikanische Variante: B.1.351 ist vermutlich im August 2020 entstanden. Heute ist sie vor allem in der Kapregion die vorherrschende Variante – möglicherweise, weil sie ansteckender ist. Möglich ist aber auch, dass sie der Immunantwort von Menschen entgeht, die schon einmal mit Sars-Cov-2 infiziert waren, so Londoner Forscher. Wäre letzteres der Fall, könnte das dazu führen, dass sich einmal Infizierte erneut infizieren könnten und so zur Verbreitung beitragen können. Auch B.1.351 weist die N501Y-Mutation auf, plus weitere am Spike-Protein. Darunter auch solche, die B.1.1.7 nicht hat . Wie Zeit.de schreibt, beunruhigt insbesondere die Mutation E484K. Denn es gibt Hinweise darauf, dass Antikörper von Menschen, die eine Sars-CoV-2-Infektion überstanden haben, Viren mit dieser Mutation schlechter neutralisieren. «Deshalb wird diese Mutation insgesamt auch als kritischer eingeschätzt» als die britische Variante, so die deutsche Virologin Sandra Ciesek im NDR-Info-Podcast. Denn sollte die Hypothese stimmen, «wäre das natürlich eine ungünstige Kombination

Brasilianische Variante: Noch dünner als bei der B.1.351 ist die Datenlage aktuell bei P.1 (B.1.1.28), wie die brasilianische Variante genannt wird. Doch auch hier besteht Grund zur Besorgnis. Sie wurde erst vor kurzem in Manaus identifiziert, wo zuletzt ebenfalls ein rasanter Anstieg an Corona-Infektionen gemeldet wurde. Die Zahl der zu beatmenden Patienten war so hoch, dass der Region sogar der Sauerstoff ausging. Auch P.1 weist 17 Mutationen auf, von denen sich einige am Spike-Protein befinden – darunter N501Y, welche auch bei den anderen beiden Mutationen festgestellt wurde, und E484K, die auch bei der südafrikanischen Variante entdeckt wurde.

Zwei Patienten mit jeweils zwei Varianten

Ein Betroffener war zusätzlich mit der Corona-Variante B.1.1.248 infiziert, der andere mit B.1.91, berichtet das Team um den Virologen Fernando Spilki von der Feevale Universität im Bundesstaat Rio Grande do Sul auf dem Pre-Print-Server Medrxiv.org. Noch wurde die Arbeit noch nicht von unbeteiligten Experten geprüft. Bestätigen diese aber die Befunde, wäre dies die weltweit erste Studie, die von einer doppelten Infektion berichtet.

Dem Bericht zufolge erlebten beide Patienten milde Verläufe: Der eine Patient litt an trockenem Husten, der andere an Husten, Hals- und Kopfschmerzen. Ins Spital hätte keiner der beiden gemusst, so die Forschenden.

«Weiterer evolutionärer Weg für das Virus»

Trotzdem betrachten Spilki und seine Kollegen und Kolleginnen die Entdeckung mit Sorge. Einerseits deutet das Auftreten dieser Doppelinfektionen auf «die signifikante Viruslast hin, die in Brasilien zirkuliert.» Denn eine solche könnte auftreten, wenn verschiedene Viren in grosser Menge übertragen werden, so Hauptautor Spilki.

Andererseits könnte die Koexistenz von zwei Stämmen im selben Körper die Mutation neuer Varianten des Coronavirus beschleunigen – und das «noch schneller, als es bisher der Fall war», zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Wissenschaftler. «Es wäre ein weiterer evolutionärer Weg für das Virus.»

Dazu noch einer, der unsere bisherigen Errungenschaften im Kampf gegen Sars-CoV-2 gefährden könnte. Denn neue Varianten – so auch die britische und südafrikanische Mutante – bergen das Risiko einer grösseren Übertragbarkeit und einer möglichen Resistenz gegen Impfstoffe, die derzeit entwickelt werden.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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