Marco Schättin spricht über seinen Podcast «Mis COMING-OUT».
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Marco Schättin über «Mis COMING-OUT»«Menschen haben aufgrund meines Podcasts ihr Coming-out»

Er gibt schwulen Männern, Lesben, bisexuellen Personen, Transmenschen und non-binären Personen in seinem Podcast Gehör – und will damit dabei helfen, endlich Vorurteile abzubauen.

von
Katrin Ofner
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«Mit dem Podcast will ich informieren, Mut machen und Wunden heilen», sagt «Mis COMING-OUT»-Stimme Marco Schättin.

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Gabriel Spalluto
Für Staffel 2 holte sich der Kommunikationsexperte professionelle Verstärkung an Bord: RTR-Journalistin und Podcasterin Sabrina Bundi wird mit viel Humor und Empathie durch Gespräche führen. Ebenfalls neu an Bord ist der ehemalige SRF-Moderator Gabriel Crucitti.

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Marco Schättin
Neu hat er auch sein erstes Buch «Lockdown-Liebe» veröffentlicht.

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Gabriel Spalluto

Darum gehts

  • Marco Schättin (32) ist die Stimme hinter «Mis COMING-OUT».

  • In seinem Podcast sind die spannenden und emotionalen Geschichten von schwulen Männern, Lesben, bisexuellen Personen, Transmenschen und non-binären Personen zu hören.

  • Mittlerweile hat er seine zweite Staffel gelauncht – und zwar nicht nur in Schweizerdeutsch, sondern auch je eine Folge in Italienisch und Rätoromanisch.

  • Im Gespräch mit 20 Minuten erzählt der Kommunikationsexperte, warum so ein Podcast für die Gesellschaft wichtig ist und warum ihm die Abstimmung zur «Ehe für alle» Bauchschmerzen bereitet.

Warum denkst du, ist ein weiterer Podcast wie deiner mit Geschichten von schwulen Männern, Lesben, bisexuellen Personen, Transmenschen und non-binären Personen noch notwendig?

Wenn du mich nach Krimi-Serien fragst, kommen mir spontan mehrere in den Sinn. Wie viele Podcasts mit Coming-out-Geschichten aus der Schweiz kennst du? Die LGBTIQ-Community wird zwar immer sichtbarer, findet in den Medien aber häufig noch in einer Nische statt.

Warum denkst du, ist ein Coming-out heutzutage noch wichtig?

Jeder der sein Coming-out hat, kann befreiter durchs Leben gehen und zu sich stehen. Schliesslich ist die sexuelle Orientierung nicht ein Modetrend, sondern ein Teil der Identität einer Person. Damit verbunden hilft jede Person mit ihrem Coming-out, anderen Menschen diese Freiheit zu erlangen und Vorurteile abzubauen.

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Unsere Gesellschaft ist scheinbar immer noch nicht da angekommen, wo wir im Jahr 2021 im Bezug auf Homosexualität sein sollten. Wo liegt hier das Problem?

Als Kommunikationsexperte ist mir klar: Was von oben nach unten kommuniziert wird, wirkt nachhaltig. Definiert ein Land auf nationaler Ebene gleiche Rechte für alle, hat das dieselbe Wirkung, wie wenn ein CEO sich hinstellt und sich gegen Diskriminierung einsetzt. In Ländern wie Holland gibt es die Ehe für alle seit Jahren, dadurch ist die Akzeptanz gestiegen.

Erst Anfang Jahr haben sich 185 Schauspielerinnen und Schauspieler als LGBTIQ geoutet und von ihren Erfahrungen im Job gesprochen. Da hiess es dann teilweise: Die sollen sich nicht so anstellen, es gehe schliesslich nicht um Leben und Tod. Sind Queers zu empfindlich?

Solch eine Aussage kommt ziemlich sicher von Personen, die nicht zu einer Minderheit gehören und täglich diskriminiert werden. Ich zum Beispiel wurde in meinem Leben schon zig-mal «Schwuchtel» genannt, man hat mich bespuckt oder in Business-Meetings homophobe Sprüche fallen lassen. Andere werden verprügelt, gemobbt und getötet. Wenn da also jemanden von «empfindlich» spricht, muss er wohl ein Psychopath oder eine Psychopathin sein.

Dein Podcast «Mis COMING-OUT» ist nun in mehreren Landessprachen erhältlich. Was war der Grund für diese Weiterentwicklung?

Die LGBTIQ-Community – mit Schwulen, Lesben, Transmenschen, non-binären Personen, etc. - ist ein sehr gutes Beispiel, wie unterschiedlich wir Menschen sind. Und wir sollten Diversität feiern. Vielfalt haben wir in der Schweiz eben auch durch unsere vier Landessprachen. Daran wollte ich erinnern. Ausserdem wollte ich vor der Abstimmung zur «Ehe für alle» für mehr Reichweite sorgen.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von (Cyber-)Mobbing betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Fachstelle Mobbing (kostenpflichtig)

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Hilfe bei Mobbing, Fachstelle für Schulen und Eltern (kostenpflichtig)

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Wie sind deine Gefühle zur Abstimmung? Was erwartest du?

Vor einer Woche hatte ich einen Moment, in dem ich merkte, wie mich die ganze Abstimmung emotional erschöpft: Jede Person, die Nein zur «Ehe für alle» stimmt, hat meine Identität nicht verstanden oder hat sogar ein Problem damit. Am Sonntag werde ich schwarz auf weiss wissen, wie viel Prozent in der Schweiz das sind. Das macht mir Bauchschmerzen.

Wie ist das bisherige Feedback zu deinem Podcast?

Überwältigend. Bereits Staffel 1 erzielte Tausende von Streams. Menschen haben aufgrund des Podcasts ihr Coming-out. Eltern meldeten sich via Social Media und betonten, sie würden ihre Kinder nun noch einmal anders erziehen. Staffel 2 ist seit gut zwei Wochen gestartet und verzeichnet jetzt schon die meisten Hörerinnen und Hörer seit Beginn.

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