Menschliche Antikörper schalten Vogelgrippe aus
Aktualisiert

Menschliche Antikörper schalten Vogelgrippe aus

Menschliche Antikörper können Mäuse gegen die tödliche Vogelgrippe immun machen. Wie Schweizer Forscher herausfanden, könnte aus den Antikörpern sogar ein Medikament gegen die Vogelgrippe erzeugt werden.

Dies geht aus einer Studie hervor, die das Schweizer Institut für biomedizinische Forschung in Bellinzona veröffentlicht hat.

Wie es in der am Dienstag veröffentlichten Studie heisst, wurden Antikörper von Menschen verwendet, die eine Infektion mit dem gefährlichen H5N1-Virus überlebt haben. Die Antikörper hätten bei den Mäusen «sofort eine kurzzeitige Immunität» erzeugt, sagte Studien-Ko-Autor Antonio Lanzavecchia der Nachrichtenagentur AFP.

Kampf gegen grosse Vogelgrippe-Epidemie

«Wir sind überzeugt, dass sich dies beim Menschen wiederholen lässt». Die Forscher hoffen, einen Weg gefunden zu haben, um eine grosse Vogelgrippen-Epidemie wirksam bekämpfen zu können.

In den Versuchen seien in Testgruppen alle Mäuse ohne Antikörper nach wenigen Tagen gestorben, sagte Lanzavecchia. Dagegen hätten von den 60 Tieren, die Antikörper gegen einen 2004 in Vietnam aufgetretenen H5N1-Stamm in unterschiedlich hohen Dosen erhalten hätten, 58 überlebt.

Wenn dies bei klinischen Versuchen bestätigt werde, könne sich der Einsatz von Antikörpern bei einer weltweiten Vogelgrippen- Epidemie als entscheidend erweisen, schrieb Anthony Fauci, Leiter des an der Untersuchung beteiligten US-Instituts für Allergien und ansteckende Krankheiten (NIAID).

Schneller Schutz durch Antikörper

Möglich sei dabei sowohl die Heilung von bereits Erkrankten als auch die Immunisierung von gesunden Menschen. Die Studienautoren verwiesen auf die Vorteile des Einsatzes von Antikörpern im Vergleich zu Impfstoffen: Letztere böten zwar einen lang anhaltenden Schutz, benötigten aber Monate, um wirksam zu werden.

Die Antikörper wirkten dagegen sofort und seien auch relativ einfach industriell herzustellen, sagte Lanzavecchia. Ihr Schutz halte dann nur für mehrere Monate. Dies sei aber genug, um gefährdete Teile der Bevölkerung und behandelndes medizinisches Personal zu schützen.

Zur Herstellung eines Medikaments würden trotz eines beschleunigten Zulassungsverfahrens in Europa und den USS allerdings noch drei bis vier Jahre benötigt.

Angst vor einer weltweiten Epidemie

Seit ihrem Auftauchen Ende der 90-er Jahre sind laut der Weltgesundheitsorganisaiton (WHO) 185 Menschen an der Vogelgrippe gestorben. Weitere 121 gemeldete H5N1-Infizierte, die sich mutmasslich bei Vögeln ansteckten, überlebten die Krankheit.

Experten fürchten, dass das Virus zu einer Form mutieren könnte, die sich direkt von Mensch zu Mensch überträgt. Dann könnte eine weltweite Epidemie ähnlich der Spanischen Grippe drohen, die 1918- 19 weltweit 20 bis 50 Millionen Menschen tötete. (sda)

Deine Meinung