Mit 222 km/h auf A3: Mercedes-Raser (30) will Freispruch – Gericht erhöht Strafe
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Mit 222 km/h auf A3Mercedes-Raser (30) will Freispruch – Gericht erhöht Strafe

Ein Zürcher hat sich mit einem getunten Mercedes auf der Autobahn A3 mit einem Kollegen ein Rennen geliefert. Nun wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

von
Stefan Hohler
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Der 30-jährige Schweizer wollte sich am Dienstag vor dem Obergericht gegen eine Freiheitsstrafe wehren.

Der 30-jährige Schweizer wollte sich am Dienstag vor dem Obergericht gegen eine Freiheitsstrafe wehren.

20min/Stefan Hohler
Doch das Gericht erhöhte die Strafe um vier Monate auf zwei Jahre.

Doch das Gericht erhöhte die Strafe um vier Monate auf zwei Jahre.

20min/Stefan Hohler

Darum gehts

  • Bei einem Rennen auf der A3 ist ein Zürcher mit 222 km/h gerast.

  • Der Mann bestreitet, den Mercedes gefahren zu haben.

  • Das Obergericht hat ihn dennoch verurteilt und die Freiheitsstrafe auf zwei Jahre erhöht.

Den Gang vor das Obergericht hätte sich der 30-jährige Zürcher sparen können. Statt seinem geforderten Freispruch erhöhte das Gericht seine Freiheitsstrafe um vier Monate auf zwei Jahre. Der Schweizer, der im Transportwesen tätig ist, hatte laut Anklageschrift an einem Abend im Mai 2015 mit einem Kollegen auf der Autobahn A3 bei Thalwil ein Rennen abgemacht. Dabei lenkte der Beschuldigte einen Mercedes Sportwagen, sein Kollege einen BMW Coupé.

Die beiden Männer sollen auf der Normal- und Überholspur nach dem Herunterzählen per Handy von drei bis eins maximal beschleunigt haben. Dabei konnte der Beschuldigte mit Tempo 222 km/h seinen Kontrahenten abhängen – dieser brachte es auf 214 km/h. Das Rennen wurde vom Beifahrer des BMW-Fahrers mit dem Handy gefilmt. Er und der BMW-Fahrer waren in separaten Verfahren verurteilt worden.

«Ich war nicht der Fahrer»

Am Prozess vom Dienstag vor dem Obergericht behauptete der Mann: «Ich war nicht der Fahrer.» Er gab zwar zu, den teuren und leistungsstarken Mercedes SLS AMG für ein Wochenende für 1600 Franken gemietet zu haben, will aber nicht am Rennen teilgenommen haben. «Ich habe den Wagen damals an drei oder vier Kollegen für eine Rundfahrt ausgeliehen. Wer von ihnen am Rennen beteiligt war, weiss ich nicht.»

Die Richterin erwähnte sein Geständnis, das er nach seiner Verhaftung abgegeben hatte. Seine Begründung: «Ich wollte um jeden Preis eine Untersuchungshaft vermeiden.» Warum er das Geständnis im November 2019 vor dem Bezirksgericht Horgen widerrufen hatte, konnte er der Richterin nicht überzeugend erklären.

Zweites Rennen in Adliswil

Direkt nach dem Rennen hätten die beiden Lenker die Autobahn in Adliswil verlassen und sich innerorts auf der Albisstrasse das nächste Rennen geliefert, heisst es in der Anklageschrift weiter. Hier rasten sie demnach mit 115 km/h statt den erlaubten 60 km/h. Die beiden Raserdelikte kamen nach einem Unfall im November 2017 in Zürich-Wiedikon ans Licht – der dritte Anklagepunkt. Der Beschuldigte soll einem Fuchs ausgewichen und mit seinem Wagen heftig in ein parkiertes Auto geprallt sein. Statt die Polizei zu benachrichtigen, habe er seinen Wagen durch einen Kollegen abschleppen lassen. Nach diesem Vorfall wurde der Beschuldigte verhaftet.

Der Mann ist mit sechs Vorstrafen kein unbeschriebenes Blatt. «Quer durch das ganze Strafgesetzbuch», wie die Staatsanwältin sagte. Auch jetzt befindet er sich in Halbgefangenschaft und muss noch bis Ende Mai nach der Arbeit die Nächte und die Wochenenden im Gefängnis verbringen. Die Staatsanwältin verlangte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten. «Er kann keinen Namen eines Kollegen als Fahrer nennen, weil er selber am Steuer sass.»

«Er wollte U-Haft vermeiden»

Demgegenüber forderte sein Anwalt einen Freispruch bezüglich der beiden Raserdelikte. Sein Mandant sei nach der Verhaftung unter starkem Druck gestanden und habe auf jeden Fall eine mehrwöchige Untersuchungshaft vermeiden wollen. «Am Verhaftungstag kam seine schwangere Freundin aus dem Ausland zu Besuch und seiner Mutter ging es damals psychisch sehr schlecht.»

Er erwähnt, dass sein Mandant den Führerausweis aufgrund des positiven verkehrspsychologischen Gutachtens seit letztem Frühjahr wieder habe. Auch der Beschuldigte sagte in seinem Schlusswort, dass er sein Umfeld komplett gewechselt habe und sich positiv entwickle. «Eine Gefängnisstrafe würde all meine Zukunftspläne vernichten.»

«Widerruf des Geständnisses wirkt nicht glaubhaft»

Für das Obergericht kam ein Freispruch nicht in Frage. Es verurteilte den 30-Jährigen wegen qualifizierter grober Verkehrsregelverletzung und weiterer Delikte zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten. «Der Widerruf des Geständnisses wirkt nicht glaubhaft», begründete die Vorsitzende. Das Bezirksgericht hatte den Mann zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt.

Video: 20min/Frrok Boqaj, Salvatore Iuliano

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