27.02.2016 22:36

TrendumkehrMercedes setzt auf Menschen statt auf Roboter

Weil Roboter an individuellen Arbeiten scheitern, kündigt Mercedes an, wieder mehr Arbeitnehmer einzustellen. Ein Experte hält die News für einen PR-Gag.

von
J. Panknin

Während Forscher warnen, der Einsatz von Robotern würde den Menschen peu à peu Arbeit und damit Existenzgrundlage kosten, scheint sich im deutschen Sindelfingen ein gegenteiliger Trend abzuzeichnen. Im grössten Mercedes-Werk schicke man Fliessband-Roboter in Rente und stelle lieber wieder mehr Menschen ein, heisst es von Seiten des Automobilkonzerns.

Ihre neuen Jobs sollen die künftigen Mitarbeiter dem Individualisierungs-Programm von Mercedes verdanken: Wer sich eine neue Luxuskarosse zulegt, kann die Ausstattung in vielen Fällen nach eigenem Gusto zusammenstellen. Diese Arbeiten seien zu anspruchsvoll für die metallenen Fliessband-Arbeiter: «Roboter können mit dem hohen Individualisierungsgrad und den vielen Varianten, die wir heute haben, nicht umgehen», erklärt Markus Schäfer, Produktionschef von Mercedes Benz, gegenüber Bloomberg.

Roboter werden immer menschlicher

Futurist Gerd Leonhard hält die News für eine geschickte PR-Aktion von Mercedes: «Ich halte es für einen Mythos , dass wieder weniger Roboter eingesetzt werden.» Schliesslich würden Roboter und künstliche Intelligenz immer besser, smarter und menschlicher: «Humanoide Roboter wie Baxter oder Atlas können menschliche Bewegungen wie laufen oder einen Stift hochheben inzwischen perfekt kopieren.»

Er sieht die radikale Automatisierung kommen – auch in der Automobilbranche. Man könne bei der Individualisierung schliesslich nicht aus endlosen Varianten, sondern aus einer Palette an Angeboten wählen: «Alles was wiederholbar, programmierbar und vorhersehbar ist, wird durch Maschinen erledigt werden», so Leonhard. Das sei aber nicht unbedingt schlecht, denn es würden dafür neue Berufe entstehen.

Leonhard erklärt: «In der Automobilbranche braucht man dann vermehrt Datenwissenschaftler und Interface-Designer, die zwischen Roboter und Mensch vermitteln». Mercedes hingegen kommuniziert, Roboter sollen in Zukunft nicht mehr alleine, sondern an der Seite der Fliessband-Arbeiter eingesetzt werden. Dabei sollen die Robeter vor allem monotone Arbeiten wie Lackieren und Schweissen übernehmen.

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