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Vor Urteil im Fall Knox«Meredith wurde vergessen»

Die Angehörige von Mordopfer Meredith Kercher haben sich kurz vor der Urteilsverkündigung in Perugia zu Wort gemeldet. Sie gehen mit den Medien hart ins Gericht. Das Urteil wird für 21.45 Uhr erwartet.

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Die internationale Presse kam in Scharen: Die Angehörige von Mordopfer Meredith Kercher haben wenige Stunden vor der Urteilsverkündigung zu einer Pressekonferenz in ihrem Hotel einberufen. Begleitet wurde sie vom britischen Konsul in Perugia.

Stephanie Kercher, Merediths Schwester, griff bereits in ihrer ersten Antwort die Medien an: Die Familie fühle sich von der Presse vernachlässigt. Vier Jahre seien vergangen und der Fokus der Berichterstattung habe sich vollkommen verschoben, sagte sie. Es gehe heute kaum mehr darum, was an jenem Abend geschah. «Wir können keine Gerechtigkeit für Meredith finden. Meredith wurde vergessen.» Vor allem werde kaum mehr über die Brutalität geredet, mit der sie umgebracht wurde und «die sie nicht verdient hat».

«Wir wollen die Wahrheit wissen»

Lob hingegen fanden die Kerchers für die italienische Justiz: «Ich fand es gut, wie sie bis jetzt gearbeitet haben. Nach dem ersten Prozess bekamen wir ein 400-seitiges Dossier mit einer klaren Begründung des Urteils. Das würde in Grossbritannien nie passieren», sagte Mutter Arline. Dort erhalte man einen Bescheid und wisse manchmal nicht, wieso so entschieden worden sei.

Ob sie jemals vergeben könnten, wollte ein britischer Journalist von der Kerchers wissen. «Es ist schwierig von Vergebung zu sprechen», sagte Bruder Lyle Kercher. «Meine Schwester war erst zwei Monate in Perugia und sie liebte diese Stadt», so Stephanie. Es sei sehr schwierig zu verstehen, was in jener Nacht geschah, ohne die Wahrheit gefunden zu haben.

Auch die Frage nach dem Warum plage sie konstant: «Ich kann keinen Grund für eine solche Tat finden. Meredith war ein liebes Mädchen, immer hilfsbereit und eine gute Freundin zu allen.»

«Auch wir wollen Gerechtigkeit für Meredith»

Was eine gerechte Strafe für Amanda Knox wäre, fragte ein Reporter. Das erste Urteil sei in ihren Augen richtig gewesen, meinte Mutter Arline klar und deutlich. «Es gibt genug Beweismaterial», sagte sie und deutete darauf, dass die DNA-Spuren auf der mutmasslichen Tatwaffe richtig interpretiert worden seien. «Es gibt kein neues Material und wir müssen uns an das halten, was wir haben.» Dennoch gab Lyle Kercher zu, dass «nur ein kleiner Teil der Beweise berücksichtigt wurde.»

Die angebliche Freundschaft, die Meredith und Amanda pflegten, relativierte Mutter Arline: «Sie waren sich nicht so nahe. Sie gingen an verschiedene Schulen. Meredith war an der Uni, Amanda besuchte einen Anfängerkurs. Amanda wollte nicht mit Englischsprachigen zu tun haben. Sie waren freundlich zueinander, aber nicht mehr als das.»

Dass Knox in ihrer Rede am Montagmorgen «Gerechtigkeit für Amanda» plädiert habe, findet Arline Kercher sehr treffend. «Das wollen wir auch. Wir sind in diesem Punkt mit ihr vollkommen einverstanden. Hoffentlich wird heute Gerechtigkeit gefunden.»

Das Urteil wird für 21.45 Uhr erwartet.

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