Merkel bietet China die Stirn
Aktualisiert

Merkel bietet China die Stirn

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat trotz massiver Kritik aus China den Dalai Lama erstmals im Bundeskanzleramt empfangen. Reaktionen blieben nicht aus.

Das geistliche Oberhaupt der Tibeter wurde am Portal von einigen Dutzend Anhängern mit Jubel und Beifall begrüsst. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) verteidigte Merkel (CDU) gegen Kritik aus China und lobte, dass sich die Kanzlerin nicht habe beirren lassen.

Bereits am Freitag hatte sich die Krise zwischen China und Deutschland wegen des Besuchs zugespitzt, den Merkel als privaten Gedankenaustausch im Rahmen ihrer Gespräche mit Religionsführern verstanden wissen will. China sagte «aus technischen Gründen» ein Treffen mit Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ab, das zeitgleich in München stattfinden sollte. Eine Justizsprecherin in Berlin bestätigte eine entsprechende Meldung von «spiegel-online». Davor hatte Peking den deutschen Botschafter aus Protest gegen das Treffen einbestellt. Die Bundesregierung machte mehrfach deutlich, dass das Treffen keine Änderung ihrer China-Politik bedeute.

In der Absage des Münchner Treffens wurde der Besuch des Dalai Lama nicht erwähnt, war zu erfahren. Davor hatte Peking dem Dalai Lama allerdings in ungewöhnlich scharfer Form «Abspaltungsaktivitäten» vorgeworfen.

In München hätte eine Unterredung deutsch-chinesischer Regierungsvertreter im Rahmen des Rechtsstaatsdialogs beider Länder beginnen sollen. Bis Dienstag wollten Deutsche und Chinesen über das Thema «Schutz des geistigen Eigentums» sprechen. Auch eine Rede von Zypries war vorgesehen.

«Standhaftes Eintreten»

Der Dalai Lama lobte in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» Merkels «standhaftes Eintreten für Menschenrechtsfragen und Religionsfreiheit und ihr Engagement für die Umwelt». China warf dem Religionsführer eine «Arroganz der Macht» vor, weil er überall dort, wo er auftrete, protestiere und sich damit in die inneren Angelegenheiten der Länder einmische. Der Dalai Lama bekräftigte, dass die Tibeter keine Unabhängigkeit von der Volksrepublik China wollten, sondern kulturelle und religiöse Autonomie.

Koch, der den Dalai Lama am Samstag empfangen hatte, sagte in «Bild am Sonntag»: «Es ist gut, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht hat beirren lassen.» Der CDU-Politiker betonte, Deutschland könne froh sein, «dass Menschenrechtsfragen für Angela Merkel einen so hohen Stellenwert haben und sie in aller Welt Klartext redet und danach handelt.» (dapd)

Deine Meinung