Aktualisiert 09.10.2012 19:35

In der Höhle der LöwenMerkel in Athen – 7000 Polizisten beschützen sie

Angela Merkel ist in Athen eingetroffen. Sie wurde vom Präsidenten Samaras empfangen - und von wütenden Demonstranten in der Innenstadt. In Teilen Athens herrscht Ausnahmezustand.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat Griechenland weitere Hilfe bei der Bewältigung der Schuldenkrise versprochen. Bei ihrem ersten Athen-Besuch seit Beginn der Euro-Krise äusserte sie sich am Dienstag zuversichtlich, dass das schwer angeschlagene Land die gemeinsame Währung behalten kann.

«Ich wünsche mir, dass Griechenland in der Eurozone bleibt», sagte Merkel vor den Medien nach einem Treffen mit Ministerpräsident Antonis Samaras. Sie verlangte aber auch weitere Anstrengungen von der griechischen Regierung.

Merkel äusserte grosses Verständnis für die Nöte der Griechen, denen viel abverlangt werde. Inzwischen sei jedoch ein grosses Stück des Weges zurückgelegt: «Es gibt jeden Tag Fortschritte», sagte die Kanzlerin. «Ich glaube, dass sich dieser Weg - obwohl er sehr schwierig ist - für Griechenland lohnen wird.»

Konkret gab Merkel bekannt, dass zwei unter deutscher Betreuung stehende EU-Projekte mit einem Volumen von 30 Mio. Euro starten können. Dabei geht es um den Aufbau der regionalen Verwaltung und Verbesserungen im Gesundheitswesen.

Opfer der Griechen anerkannt

Samaras sagte zu, dass sein Land die Reformzusagen erfüllen werde. «Alle, die gewettet haben, dass Griechenland untergeht, werden diese Wette verlieren.»

Auf die Frage, ob er eine Garantie für den Verbleib seines Landes in der Eurozone erhalten habe, antwortete er ausweichend. Allgemein werde anerkannt, welche Opfer das griechische Volk erbringe und was die Regierung zur Bekämpfung der Krise tue.

Merkel fügte hinzu, sie sei «nicht als Lehrerin oder Notengeberin» gekommen. «Wir wissen aus Deutschland, wie lange es dauert, eine Reform umzusetzen.» Wörtlich sagte sie: «Es wird ein längerer Weg sein. Aber ich glaube, dass wir Licht sehen werden am Ende des Tunnels.»

Weiterhin nannte sie keinen genauen Termin für die Veröffentlichung des Troika-Berichts. «Der Troika-Bericht kommt dann, wenn er fertiggestellt ist. Auch hier gilt, dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht.»

Die Troika überwacht im Auftrag von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die Reformbemühungen in dem Krisenland. Merkel sagte: «Wir arbeiten mit Nachdruck daran. Aber wir müssen auch alle Probleme lösen. Deswegen dauert es etwas länger als vielleicht manch einer denkt.»

Demonstrationen und Zusammenstösse

Merkel war von Ministerpräsident Samaras auf dem Athener Flughafen mit militärischen Ehren begrüsst worden. Das Regierungsviertel war grossräumig abgesperrt worden. Auf dem Programm stand auch ein Gespräch mit Staatspräsident Karolos Papoulias und mit Unternehmern aus beiden Ländern.

Am Rande des Besuchs gab es massive Proteste gegen das Spardiktat aus Europa. In Athen waren nach unterschiedlichen Angaben bis zu 50'000 Menschen auf den Strassen. Zugleich waren 7000 Polizisten im Einsatz. Die Kanzlerin wurde von vielen persönlich für die Krise verantwortlich gemacht. Erneut gab es Plakate, auf denen Vergleiche zur deutschen Nazi-Vergangenheit gezogen wurden.

Die Demonstrationen wurden am Nachmittag zwar aufgelöst, dennoch kam es zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Polizei. Kleine Gruppen teils vermummter Demonstranten warfen Steine auf Polizisten. Diese setzten Schlagstöcke und Blendgranaten gegen die Angreifer ein. Die Polizei meldete rund 50 Festnahmen. (sda)

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