«Lieber Putin!»: Merkel wehrt sich gegen Pfiffe und Buhrufe
Aktualisiert

«Lieber Putin!»Merkel wehrt sich gegen Pfiffe und Buhrufe

Mit Trillerpfeifen haben AfD-Anhänger einen Wahlkampfauftritt der deutschen Bundeskanzlerin gestört. «Lieber Putin statt Merkel», hiess es auf einem Transparent.

von
mch

«Hau ab!»: Merkel wird ausgepfiffen und beschimpft. (26. August 2017) Video: Twitter/Marinella Maier

Bei einem Wahlkampfauftritt der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Stadt Quedlinburg in Sachsen-Anhalt ist es zu einer lautstarken Störaktion durch Sympathisanten der rechtspopulistischen Partei «Alternative für Deutschland» (AfD) gekommen. Die Demonstranten störten die Rede der Kanzerlin mit Buhrufen sowie Trillerpfeifen und skandierten «Hau ab».

Die Kanzlerin sah sich gezwungen, die Gegendemonstration zu thematisieren. Manche würden glauben, dass man die Probleme in Deutschland mit Schreien bewältigen und lösen könne, leitete die Kanzlerin ihren Konter ein. «Ich glaube das nicht – und ich glaube, die Mehrheit auf diesem Platz glaubt das auch nicht.» Ihre Parteikollegen – nach Angaben des CDU-Landesverbandes Sachsen-Anhalt rund 3000 an der Zahl – unterstrichen die Aussage ihrer Kanzlerin mit spontanem Applaus.

1 / 5
Störaktion von AfD Sympathisanten: Mit Trillerpfeifen und Buhrufen störten Demonstranten die Rede der Kanzlerin. (26. August 2017) Bild: Sean Gallup/Getty

Störaktion von AfD Sympathisanten: Mit Trillerpfeifen und Buhrufen störten Demonstranten die Rede der Kanzlerin. (26. August 2017) Bild: Sean Gallup/Getty

kein Anbieter
Die Kanzlerin sah sich gezwungen, die Gegendemonstration zu thematisieren: Die Kanzlerin bei der Ankunft in Quedlinburg. (26. August 2017) Bild: Sean Gallup/Getty

Die Kanzlerin sah sich gezwungen, die Gegendemonstration zu thematisieren: Die Kanzlerin bei der Ankunft in Quedlinburg. (26. August 2017) Bild: Sean Gallup/Getty

kein Anbieter
Manche würden glauben, dass man die Probleme in Deutschland mit Schreien bewältigen und lösen könne, leitete die Kanzlerin ihren Konter ein. «Ich glaube das nicht – und ich glaube, die Mehrheit auf diesem Platz glaub das auch nicht.» (26. August 2017) Bild: Sean Gallup/Getty

Manche würden glauben, dass man die Probleme in Deutschland mit Schreien bewältigen und lösen könne, leitete die Kanzlerin ihren Konter ein. «Ich glaube das nicht – und ich glaube, die Mehrheit auf diesem Platz glaub das auch nicht.» (26. August 2017) Bild: Sean Gallup/Getty

kein Anbieter

Die Rede Merkels drehte sich hauptsächlich um den Dieselskandal. Um die Arbeitsplätze in der Autoindustrie zu erhalten, sei es wichtig, dass die Fehler der Konzerne rasch aufgearbeitet würden. Es dürfe nicht sein, dass letztlich die Käufer von Dieselautos die Zeche für den Skandal bezahlen müssen. «Wir werden alles tun, um zu versuchen, Fahrverbote zu verhindern», betonte die Kanzlerin.

Auch auf die «grosse Herausforderung» des islamistischen Terrorismus kam Merkel zu sprechen. «Wir allen haben gesehen, was in Barcelona passiert ist», so die Kanzlerin. Fast alle Länder der Welt liefen Gefahr, getroffen zu werden. Und deswegen könne diese Art des Terrorismus, gerade in Europa, nur mit internationaler Zusammenarbeit bekämpft werden.

«2015 darf sich nicht wiederholen»

Ein grosser Teil der Transparente der AfD-Sympathisanten richtete sich gegen die Person der Kanzlerin. «Merkel muss weg!» und «Das Grundgesetz vor Merkel schützen!» war zum Beispiel zu lesen. Ein Demonstrant schrieb auf sein Transparent bloss: «Lieber Putin als Merkel!»

Das inhaltlich dominante Thema der Gegendemonstration war indes Merkels Flüchtlingspolitik. Die Transparente reichten von zugespitzten Kritiken an der Willkommenspolitik der Kanzlerin, zum Beispiel ein Wegweiser zum Bundeskanzleramt in Berlin mit der Überschrift «Refugees welcome», bis zu anti-islamischen Parolen. Zu lesen war beispielsweise: «Der Islam gehört nicht zu Deutschland.» Ein anderes Transparent zeigte ein Foto eines Schweins mit der Überschrift: «Der Islam? Passt nicht zu unserer Küche.»

Auch die Kanzlerin kam in ihrer Rede auf die Flüchtlingspolitik zu sprechen. Sie dankte den Menschen, die auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise «in einer humanitären Notlage» geholfen hätten. «Aber wir wissen auch, dass sich ein Jahr 2015 nicht wiederholen darf.»

Erzwungener Entscheid

In jenem Jahr kamen 890'000 Migranten nach Deutschland, nachdem Merkel entschieden hatte, die Grenze für die in Ungarn gestrandeten Flüchtlinge zu öffnen. Der folgenschwere Entscheid der Kanzlerin fiel, nachdem der ungarische Präsident Viktor Orban am Abend des 4. September 2015 praktisch ohne Vorwarnung Tausende von Flüchtlingen mit Bussen an die österreichische Grenze gebracht hatte.

Um die Lage zu entschärfen, sagte Merkel dem österreichischen Regierungschef zu, «ausnahmsweise» Flüchtlinge nach Deutschland einreisen zu lassen. Die «Ausnahme» soll ein halbes Jahr währen.

Deine Meinung