Aktualisiert 18.05.2008 12:42

Merkel will Chávez nicht einladen

Trotz der versöhnlichen Begegnung mit Hugo Chávez auf dem EU-Lateinamerika-Gipfel will Bundeskanzlerin Angela Merkel den venezolanischen Präsidenten zunächst nicht wiedertreffen.

Nach der Mega-Konferenz mit Vertretern aus 60 Staaten im peruanischen Lima wies sie die Behauptung Chávez' zurück, sie habe ihn nach Deutschland eingeladen.

Chávez habe ihr in dem kurzen Gespräch über die guten Erinnerungen an seine bisher insgesamt vier Deutschland-Besuche berichtet, sagte Merkel. «Darüber hinaus ist das Gespräch nicht gegangen. Weitergehende Planungen habe ich im Augenblick nicht.» Merkel und Chávez waren sich beim Familienfoto zum Auftakt des Gipfels begegnet. Der venezolanische Präsident entschuldigte sich für seine Attacken während der letzten Tage. Er hatte die Kanzlerin in die Nähe von Adolf Hitler gestellt, ihr noch kurz vor seinem Abflug nach Lima jegliche Vernunft abgesprochen und sie ermahnt, sich wie eine Staatsfrau zu benehmen.

Chávez will Merkel geküsst haben

Innerhalb von 24 Stunden änderte er seine Meinung. Bei der Begegnung in Lima entschuldigte Chávez sich überraschend für seine Attacken. «Ich habe ihr gesagt: Wenn ich etwas Hartes gesagt habe, vergeben Sie mir. Hier ist meine Hand», beschrieb er die Situation später. Das war aber noch nicht alles. Er habe Merkel zur Begrüssung auch geküsst, fügte Chavez hinzu. «Sie hat mich sogar nach Deutschland eingeladen.» Im Umfeld Merkels war dagegen von einem Handschlag zur Begrüssung die Rede und die Einladung nach Deutschland wurde umgehend dementiert.

Ausgelöst worden war die Auseinandersetzung von einem Interview Merkels, in dem sie Chávez das Recht absprach, die Interessen anderer lateinamerikanischer Staaten zu vertreten. Daraufhin sagte Chávez, Merkels CDU gehöre zu «derselben Rechten, die Hitler und den Faschismus unterstützt hat».

Rückendeckung dafür bekam Chávez am Wochenende aus der deutschen Opposition. Die Sprecherin der Kommunistischen Plattform in der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, bezeichnete seine Äusserung in der «Welt am Sonntag» als «historisch korrekt».

Der Präsident habe nicht behauptet, dass Merkel eine «Wiedergängerin» von Adolf Hitler sei. Er habe vielmehr erklärt, «dass die Partei, in der Angela Merkel wirkt, aus einer Partei hervorgegangen ist, die seinerzeit mit den Nazis zumindest indirekt kooperiert hat», sagte Wagenknecht. «Das ist eine historisch zutreffende Darstellung.» (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.