Wef 2009: Merkel will Wirtschaftscharta - Brown warnt
Aktualisiert

Wef 2009Merkel will Wirtschaftscharta - Brown warnt

Am WEF in Davos suchen die Polit- und Wirtschaftsführer nach einem Gleichgewicht zwischen freier Marktwirtschaft und staatlicher Regulierung. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte am Freitag eine internationale Wirtschaftscharta.

Darin sollen verbindliche Prinzipien festgelegt werden, um eine Wiederholung der jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise zu verhindern. Es gehe einerseits um ein Bekenntnis zur freien Marktwirtschaft, sagte Merkel. Andererseits müssten die Exzesse der Märkte ohne soziales Verantwortungsbewusstsein verhindert werden.

Merkel will ihre Vorschläge im April beim Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) in London unterbreiten. Gastgeber ist dort Gordown Brown. Der britische Premier forderte in Davos ein gemeinsames Vorgehen der Staaten gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise: Wenn man jetzt nicht handle, drohe die Rückkehr des Protektionismus.

Klimagipfel

Ein zweites grosses Thema vom Freitag war die Umweltpolitik. Der dänische Premier Anders Fogh Rasmussen und ex-US-Vize Al Gore waren die prominentesten Teilnehmer einer Veranstaltung, die sich mit dem kommenden UNO-Klimagipfel in Kopenhagen befasste.

«Es ist unabdingbar, dass sich die Staatschefs mehr daran beteiligen», sagte Rasmussen. Die Staaten, die am UNO-Gipfel teilnehmen, müssten sich auf die Ziele, auf die Mittel um diese zu finanzieren, und auf die Überprüfung einigen, fügte er an.

Mehrere Gesprächsteilnehmer unterstrichen die Bedeutung des Gipfels vom kommenden Dezember. «Haben Sie nicht den Eindruck, dass Kopenhagen nur eine Etappe von vielen sein wird. Wir brauchen ein Abkommen in diesem Jahr, die Zeit drängt», erklärte Friedensnobelpreisträger Al Gore.

Misstöne

Auch am Freitag gab es Misstöne rund um das Weltwirtschaftsforum. So störten sich die Palästinenser in der Schweiz an der «Parteilichkeit» der WEF-Organisatoren, die eine Gaza-Debatte ohne Palästinenser, aber mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres durchgeführt hatten.

Die Debatte vom Donnerstagabend hatte auch für Aufsehen gesorgt, weil der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan das Podium wutentbrannt verlassen hatte. Zurück in Istanbul verwahrte sich Erdogan gegen den Vorwurf des Antisemitismus; er habe lediglich Israels Regierung kritisiert.

Schimon Peres rief noch in der Nacht zum Freitag Erdogan an. Die beiden hätten eine «freundschaftliche Unterhaltung» geführt, hiess es. Peres habe betont, er betrachte sich weiter als Freund der Türkei und ihres Regierungschefs.

(sda)

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