Aktualisiert 01.06.2011 13:31

Vom Saulus zum Paulus

Merz erteilt Griechenland Ratschläge

Die «Weltwoche» bezeichnete ihn einst als «Risiko für die Schweiz». In der jüngsten Ausgabe des Blattes hat Ex-Bundesrat Hans-Rudolf Merz nun einen grossen Auftritt.

von
bb
Hans-Rudolf Merz wird für die «Weltwoche» vom «Pirouetten-Minister» zum «besten Kenner» der Materie.

Hans-Rudolf Merz wird für die «Weltwoche» vom «Pirouetten-Minister» zum «besten Kenner» der Materie.

Er war Finanzminister, sie gehörte zu seinen grössten Kritikern. Während der Amtszeit von Hans-Rudolf Merz liess die «Weltwoche» kaum ein gutes Haar an dem Appenzeller: Er wurde als «Appenzeller Sponti» und als «Pirouetten-Minister» bezeichnet. «Merz, lass nach!», titelte das Blatt 2005.

Nun, ein gutes halbes Jahr nach Merz' Rücktritt, hat der Wind gedreht: Der 68-Jährige wird in der «Weltwoche» nicht nur als «erfolgreicher Finanzminister und Haushaltsanierer» gelobt. In einem «exklusiv auf Wunsch der Weltwoche» verfassten Essay erhält Merz gar Gelegenheit, erstmals Stellung zur europäischen Schuldenkrise zu nehmen. Vorgestellt wird er als «einer der besten Kenner» der Materie.

Merz empfiehlt die Schuldenbremse

Es möge zwar anmassend sein, einem ehemaligen Kollegen Ratschläge zu erteilen, schreibt Merz. Aber das Problem des griechischen Finanzministers sei grenzüberschreitend. Merz vergleicht die Lage Griechenlands mit jener Argentiniens, das schliesslich auf eigene Faust umgeschuldet habe und mit einem blauen Auge davongekommen sei. «Die Griechen werden um den gleichen chirurgischen Eingriff nicht herumkommen», schreibt Merz. Parallel dazu sollte die nachhaltige Sanierung des Haushalts eingeleitet werden, und zwar mit einer echten Schuldenbremse.

Dem von EU und IWF aufgespannten Rettungsschirm zur Bewältigung der europäischen Schuldenkrise traut Merz offensichtlich nicht. Es sei unsicher, ob dieser alle Unwägbarkeiten der Finanz- und Währungspolitik abdecken könne. «Bei Seitenwind und Hagel versagt meist auch der Schirm», weiss der Ausserrhoder alt Bundesrat.

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