Aktualisiert 05.06.2014 16:24

Übung im Thurgau

Mess-Heli suchte nach radioaktivem Material

Am Donnerstag wurde bei einer Übung in Frauenfeld radioaktives Material geborgen. Eingesetzt wurde auch ein Armeehelikopter mit einer Spezialausrüstung.

von
jeh

Das Szenario der Übung mit dem Namen RadEx 14 sah den Absturz eines Transportflugzeugs vor, das auf dem Flughafen Zürich gestartet war. «Es stellte sich dann schnell heraus, dass niemand an Bord überlebte und das Flugzeug radioaktive Fracht geladen hatte», sagt Jan Bauke, Übungsbeobachter von Schutz und Rettung Zürich.

Aufgabe der Einsatzkräfte war es, die sechs beschädigten Behälter mit Kobalt und Cäsium auf dem Trümmerfeld aufzuspüren und möglichst rasch zu bergen. Das radioaktive Material wurde vom Paul-Scherrer-Institut in Villigen AG zur Verfügung gestellt.

Mit Tempo 100 über dem Boden

Zur Ortung des strahlenden Materials setzte die Nationale Alarmzentrale (NAZ) modernste Technik ein, die sogenannte Aeroradiometrie. Spezialisten bauten hochsensible Radioaktivitätsmessgeräte in einen Super-Puma-Helikopter der Armee ein. Im Tiefflug, rund 90 Meter über Grund, wurde das Gelände vermessen. Um eine möglichst genaue Radioaktivitätskarte zu bekommen, flog der Heli mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern in parallelen Bahnen von 250 Metern Abstand.

Wie Gerald Scharding, Leiter Aeroradiometrie bei der NAZ sagt, habe man das Gebiet, in dem man das radioaktive Material vermutete, drei Mal überflogen. «Während dem Flug können wir grob sehen, ob strahlendes Material vorhanden ist oder nicht.» Ob man mit solch einem Flug das radioaktive Material in Biel hätte entdecken können, wollte Scharding nicht sagen. «Es hängt immer davon ab, ob das Material offen an der Oberfläche liegt oder durch etwas bedeckt ist», sagte er.

Ein Mess-Helikopter kann innerhalb von drei Stunden ein Gebiet von rund 70 Quadratkilometern erkunden. Dies entspricht einer Fläche, die rund dreimal so gross ist wie die Stadt Frauenfeld. Die NAZ verfügt laut Scharding über zwei Messgeräte.

Sicherheit der Retter

«Wir haben hier vor allem die Zusammenarbeit geübt und hoffen, dass nie ein solches Ereignis eintritt», sagt Urs Alig, Stabschef des Kantonalen Führungsstabs Thurgau, auf dem Übungsgelände.

An der Übung beteiligten sich die NAZ, der kantonale Führungsstab Thurgau, die Feuerwehr Frauenfeld, der Rettungsdienst des Kantons Thurgau und Schutz und Rettung Zürich. Strahlenschutzexperten des Paul-Scherrer-Instituts überwachten die Übung und sorgten dafür, dass keiner der 50 Retter eine zu hohe Strahlendosis abbekam. (jeh/sda)

Fehler gefunden?Jetzt melden.