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Amanda Knox vor GerichtMesser und Stichwunde stimmen nicht überein

Neue Zweifel im Mordfall Perugia: Ein italienischer Gerichtsmediziner glaubt nicht, dass das Messer mit den DNA-Spuren von Amanda Knox auch die Tatwaffe sei.

Der italienische Forensiker Francesco Introna schilderte vor dem Geschworenengericht in Perugia, dass das Messer, das bis jetzt als Tatwaffe gehandelt wurde, sehr wahrscheinlich beim Mord an der britischen Austauschstudentin nicht zur Anwendung kam. Die Schnittwunde am Hals sei dem Opfer Meredith Kercher mit einer 7,6 bis 8,9 Zentimeter langen Messerklinge zugefügt worden, behauptet der Mediziner, der von der Familie des Mitangeklagten Raffaele Sollecito beauftragt wurde. Das Messer, das von der Staatsanwaltschaft als Mordwaffe präsentiert wurde, hat eine 16,5 Zentimeter lange Klinge.

Die Thesen Intronas widersprechen jenen des Gerichtsmediziners Gianaristide Norelli, der bereits vor einem Monat in seiner Aussage behauptete, die Länge der Messerklinge stimme mit der Grösse der Stichwunde überein.

Eine weitere Unstimmigkeit ist die Anzahl Personen, die an der Tat verwickelt waren: Die Theorie von Staatsanwalt Giuliano Mignini spricht von drei Personen. Introna hingegen glaubt, dass nur eine einzige Person Meredith Kercher getötet haben kann. Er behauptet, es sei «physisch unmöglich», dass in ihrem kleinen Schlafzimmer drei oder vier Personen «interagiert» haben könnten, «so wie es die Staatsanwaltschaft vorschlägt».

Mama Knox sagt aus

Auch Edda Mellas, die Mutter der angeklagten Knox, durfte zum ersten Mal in den Zeugenstand treten. Dabei erzählte sie, wie aufgebracht und traumatisiert ihre Tochter nach dem Mord an Kercher gewesen sei. Mellas habe ihr bei ihrem ersten Telefongespräch wenige Stunden nach der Tat geraten, sofort in die USA zurückzukehren. Knox habe es aber vorgezogen, in Perugia zu bleiben. Vier Tage später sei sie festgenommen und des Mordes angeklagt worden. Knox und Kercher sollen sich nach Angaben Mellas' gut verstanden haben.

Die zwei Angeklagten, Knox und Sollecito, haben bisher verschiedene Versionen der Vorgänge in der Tatnacht zu Protokoll gegeben: Sollecito behauptet, die Nacht vom 1. zum 2. November 2007 in seiner Wohnung verbracht zu haben. Dabei habe er an seinem Computer gebastelt. Er wisse allerdings nicht mehr, ob seine damalige Freundin Amanda Knox die ganze Nacht oder nur einen Teil davon bei ihm verbracht habe. Knox hat bis jetzt immer behauptet, die ganze Nacht bei ihm gewesen zu sein. Sie hätten gekifft, einen Film angeschaut, E-Mails gelesen und miteinander geschlafen.

(kle)

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