Aktualisiert 25.05.2020 09:45

Eritreer erstochen

Messerstecher der Loco Bar will in Todesangst gehandelt haben

Vor dem Luzerner Kriminalgericht stand am Montag ein 39-jähriger Serbe, der 2017 in der Loco Bar an der Baselstrasse einen Eritreer tödlich mit einem Messer verletzte. Der Tatverdächtige sieht sich als Opfer und will in Notwehr gehandelt haben.

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In der Loco Bar an der Baselstrasse in Luzern ereignete sich im November 2017 eine tödliche Messerstecherei.

In der Loco Bar an der Baselstrasse in Luzern ereignete sich im November 2017 eine tödliche Messerstecherei.

20 Minuten/jas
Das Opfer war ein Eritreer, der von einem Serben erstochen worden sein soll.

Das Opfer war ein Eritreer, der von einem Serben erstochen worden sein soll.

20 Minuten/jas
Nun steht der 39-jährige Serbe wegen der Tat vor dem Luzerner Kriminalgericht.

Nun steht der 39-jährige Serbe wegen der Tat vor dem Luzerner Kriminalgericht.

Leser-Reporter

Darum gehts

  • Ein 39-jähriger Serbe steht am Montag vor dem Luzerner Kriminalgericht, weil er im November 2017 an der Baselstrasse einen Eritreer erstochen haben soll.
  • Die Staatsanwaltschaft möchte eine Freiheitsstrafe von elf Jahren und eine Landesverweisung von 12 Jahren beantragen.
  • Der Beschuldigte will in Todesangst gehandelt haben, sein Verteidiger plädierte auf Notwehr und einen Freispruch.
  • Der Täter sagte, er habe der Barangestellten geholfen, Feierabend zu machen.
  • Die Staatsanwältin liess seine Darstellung nicht gelten und verwies auf Zeugenaussagen und Spuren.
  • Das Urteil wird später schriftlich bekannt gegeben.

Im November 2017 ist in einer Bar in der Luzerner Baselstrasse ein Mann durch einen Messerstich getötet worden. Die Staatsanwältin forderte für den Beschuldigten wegen eventualvorsätzlicher Tötung eine Freiheitsstrafe von elf Jahren. Der Beschuldigte will in Todesangst gehandelt haben, sein Verteidiger plädierte auf Notwehr und einen Freispruch.

Wie die Staatsanwältin und der Beschuldigte am Montag vor dem Kriminalgericht die verhängnisvollen Ereignisse schilderten, konnten die Prozessbeobachter fast an zwei verschiedene Taten glauben. Sicher ist, dass in jener Nacht auf den 2. November, kurz nach Mitternacht ein 34-jähriger Mann aus Eritrea auf der Tanzfläche der «Loco-Bar» verblutete, nachdem ihm der Beschuldigte mit einem Survivalmesser eine tödliche Verletzung am Hals zugeführt hatte.

Der Beschuldigte sagte, er sei beleidigt, bedroht und gestossen worden

Er sehe sich als Opfer und nicht als Täter, sagte der Beschuldigte, ein 39-jähriger Serbe. Er habe der Bardame geholfen, Feierabend zu machen. Er habe die Gäste rausgeschickt und ihnen Plastikbecher gegeben, damit sie ihre Getränke umschütten konnten.

Das Opfer, das gemäss Staatsanwaltschaft mit 1,8 Promille alkoholisiert gewesen war, machte Probleme. Der Mann habe ihn beleidigt, bedroht und gestossen, sagte der Beschuldigte. Plötzlich seien ihm mehrere Afrikaner gegenübergestanden, er sei geschlagen worden, und dann habe das Opfer ein Messer hervorgeholt.

Der Beschuldigte gab an, ihm sei der Fluchtweg abgeschnitten worden und er habe Todesangst gehabt. Er habe dem Opfer das Messer abnehmen können und habe, um sich vor den Schlägen zu schützen, mit diesem herumgefuchtelt und das Opfer damit verletzt, ohne dies zu merken.

Das Messer habe dem Beschuldigten gehört und nicht dem Opfer

Die Staatsanwältin liess diese Darstellung jedoch nicht gelten und verwies auf Zeugenaussagen und Spuren. Es sei kein Herumfuchteln mit dem Messer gewesen, sondern ein Stich mit einem erheblichen Kraftaufwand. Zeugen hätten übereinstimmend gesagt, dass der Beschuldigte keiner Überzahl von Angreifern gegenübergestanden sei. Es sei eine Mann-gegen-Mann-Situation gewesen.

Das Opfer habe den Beschuldigten zwar zum Kampf aufgefordert, dieser hätte aber deeskalierend reagieren können, sagte die Staatsanwältin. Eine konkrete Bedrohung habe es für den Angeklagten nicht gegeben, dieser habe präventiv von seiner Waffe Gebrauch gemacht und sei bei der Auseinandersetzung ja auch nur leicht verletzt worden.

Dass das Messer dem Beschuldigten und nicht dem Opfer gehörte, stand für die Staatsanwältin fest. Zeugen hätten gesagt, dass der Angeklagte ein solches Messer besitze, bei ihm zu Hause sei auch ein passendes Holster gefunden worden. Auch die Spuren deuteten darauf hin, dass das Opfer das Messer nicht in der Hand gehalten habe.

Verteidigung liess kein gutes Haar an den Zeugenaussagen

Die Frage, wem das Messer gehörte, war für den Verteidiger zweitrangig. Sein Mandant habe sich in einer «klassischen Notwehrsituation» befunden. Er habe sich mit dem Messer wehren dürfen, denn er sei spät nachts bei einer aggressiven Stimmung in einer Bar von zwei kräftigen Männern geschlagen worden.

Die Verteidigung liess zudem an den Zeugenaussagen, die gegen die Darstellung des Beschuldigten sprachen, kein gutes Haar. Die Anklage unterschlage hier einiges, sagte er.

Die Staatsanwältin gestand dem Beschuldigten im Sinne von «im Zweifel für den Angeklagten» zu, dass er keine direkte Tötungsabsicht gehabt habe. Er habe aber den Tod seines Kontrahenten in Kauf genommen, als er den Stich ausgeführt habe, und sei deswegen wegen eventualvorsätzlicher Tötung zu verurteilen.

Anwältin fragte, wer ein so grosses Messer auf ein Bier mitnehme?

Die Anwältin der Opferfamilie sprach sogar von vorsätzlicher Tötung. Wer nehme schon ein so grosses Messer mit in den Ausgang, nur um ein Bier zu trinken, sagte sie. Es gebe auch Hinweise, dass der Beschuldigte das Opfer gekannt und Streit gesucht habe.

Der Beschuldigte ist auch wegen Drogendelikten sowie des Verstosses gegen das Waffengesetz angeklagt. Der Verteidiger forderte für diese Delikte, wenn es im Tötungsvorwurf zu einem Freispruch kommt, eine bedingte Geldstrafe und eine Busse.

Der Beschuldigte kam mit 14 Jahren in die Schweiz. Er arbeitet als Bauspengler, hat hohe Schulden und mehrere Vorstrafen. Er hat Kinder und ist geschieden. Die Staatsanwältin forderte, die obligatorische Landesverweisung auf 12 Jahre anzusetzen. Ein Härtefall liege nicht vor.

Das Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich bekannt gegeben.

(SDA)

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