Am Tag zuvor Job verloren – Messerstecher im ICE soll im Wahn angegriffen haben

Publiziert

Am Tag zuvor Job verloren Messerstecher im ICE soll im Wahn angegriffen haben

Am Samstag attackierte ein 27-Jähriger mit einem Klappmesser wahllos Passagiere eines Zuges in Neumarkt in der Oberpfalz. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei leidet der Täter an einer paranoiden Schizophrenie.

1 / 6
Die Polizei konnte den mutmasslichen Täter, einen 27-jährigen Syrer, festnehmen.

Die Polizei konnte den mutmasslichen Täter, einen 27-jährigen Syrer, festnehmen.

dpa/Fabian Schreiner
Zuvor soll der Mann in einem ICE zwischen Regensburg und Nürnberg mehrere Personen mit einem Messer attackiert haben.

Zuvor soll der Mann in einem ICE zwischen Regensburg und Nürnberg mehrere Personen mit einem Messer attackiert haben.

dpa/Carsten Koall
Bei der Attacke wurden vier Personen verletzt; sie befinden sich ausser Lebensgefahr.

Bei der Attacke wurden vier Personen verletzt; sie befinden sich ausser Lebensgefahr.

dpa/Fabian Schreiner

Darum gehts

  • Bei der Messerattacke vom Samstag verletzte der Täter vier Personen.

  • Ein islamistisches oder terroristisches Motiv schliesst die deutsche Polizei zurzeit aus.

  • Der 27-Jährige verlor am Tag zuvor seinen Job; litt seit längerer Zeit an Wahnvorstellungen.

«Ich bin krank. Ich brauche Hilfe.» So hat sich der Mann bei seiner Festnahme sinngemäss geäussert. Zuvor hatte er Mitreisende in einem ICE nahe Neumarkt in der Oberpfalz mit einem Messer attackiert. Vier Menschen wurden bei dem Angriff am Samstag verletzt, offenbar hat sie der Täter völlig wahllos angegriffen. Einen Tag nach der Bluttat bleiben Fragen offen: Warum stach der 27-Jährige zu?

Islamistische oder terroristische Motive seien nicht zu erkennen, sagen die Ermittler und Ermittlerinnen am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Neumarkt in der Oberpfalz. Zumindest gebe es dafür bisher keine Anhaltspunkte. Der 27-Jährige soll laut einem Gutachter vielmehr unter einer «paranoiden Schizophrenie» leiden und wahnhafte Vorstellungen haben. Er könnte schuldunfähig sein.

«Von der Polizei verfolgt»

Nachdem der ICE ausserplanmässig in Seubersdorf gestoppt wurde, liess sich der Verdächtige widerstandslos festnehmen. Zuvor wurde der Täter von Passagieren des Zuges an einem Weiterkommen gehindert. Die Polizisten und Polizistinnen bemerkten da schon «psychische Auffälligkeiten» bei ihm; später wurde er laut Staatsanwaltschaft von einem psychiatrischen Sachverständigen befragt. Er fühle sich seit einiger Zeit von der Polizei verfolgt, erzählte er diesem.

Die Polizei schicke Männer, die ihn beobachteten und gegen ihn seien. «Das hat keinerlei realen Hintergrund», betonte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof. Es liefen keine polizeilichen Massnahmen gegen den Mann. Wegen eines «kleineren Betrugsdelikts» sei er 2020 der Polizei bekannt gewesen und auch verurteilt worden.

Angriffe wie im Traum begangen

Er habe sich vom ersten Opfer bedroht gefühlt, erzählte der Mann demnach dem Sachverständigen. Er sei der Meinung gewesen, dieser Mann wolle ihn töten. Deshalb habe er ihn angegriffen. Die anderen Taten habe er wie im Traum begangen. Die Staatsanwaltschaft gehe aufgrund der Einschätzung des Sachverständigen davon aus, dass die Schuldfähigkeit des Beschuldigten zur Tatzeit aufgehoben gewesen sei, sagt Neuhof.

Es seien bislang keine Hinweise aufgetaucht, dass der 27-jährige Tatverdächtige Mittäter oder Mitwisser hatte, sagt Kriminaldirektorin Sabine Nagel. Nach der Tat hätte es Durchsuchungen bei Familienangehörigen und Freunden gegeben: Am Wohnsitz des Beschuldigten in Passau, aber auch in Marl in Nordrhein-Westfalen und in Thüringen.

Der 27-Jährige wohnte nach Angaben der Behörden seit seiner Einreise im Jahr 2014 durchgehend in Niederbayern. Seine Eltern und Geschwister leben anderswo in Deutschland. Eine Abschiebung hat der in Damaskus geborene junge Mann nicht zu befürchten gehabt. 2016 wurde er als Flüchtling anerkannt. Einen Tag vor der Attacke habe er seinen Job verloren, hiess es von den Ermittlern und Ermittlerinnen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

(dpa/bho)

Deine Meinung