Champions League: Messi erledigt Milan fast im Alleingang
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Champions LeagueMessi erledigt Milan fast im Alleingang

Barcelona gewinnt zuhause gegen Milan 4:0 und zieht ins Viertelfinal der Champions League ein. Überragender Mann war Lionel Messi mit 2 Toren vor der Pause. Schalke scheitert trotz guter Ausgangslage.

Der FC Barcelona zeigte wieder einmal, weshalb er eine Ausnahmemannschaft ist. Die Katalanen schafften es Ballsicherheit, Aggressivität und Zielstrebigkeit zu vereinen - und sie konnten sich auf ihren Ausnahmespieler Lionel Messi verlassen. Der Argentinier brachte sein Team nach fünf Minuten in Führung und doppelte sechs Minuten vor der Pause nach. Den dritten Treffer steuerte David Villa nach einem exzellenten Zuspiel von Xavi bei.

Nach 55 Minuten hatte Barça den Fehltritt in Mailand bereits mehr als wettgemacht. Daraufhin kontrollierte es die Partie gegen einen nun selbstredend offensiveren Gegner mehr oder weniger ohne Probleme. Die AC Milan, die sich mit einem Tor wieder in die Poleposition gebracht hätte, kam aber trotz der Alles-oder-Nichts-Taktik dem rettenden Auswärtstreffer nur selten nahe. In der 82. Minute konnte der eingewechselte Robinho aus guter Position schiessen. Sein Abschluss wurde aber geblockt. Das Schlusswort gehörte so sinnigerweise den Spaniern. Jordi Alba schoss nach einem Konter das 4:0.

Barcelona sehr zielstrebig

Der FC Barcelona benötigte keine Anlaufzeit für seinen Sturmlauf. Dass die Spanier den Ball mehrheitlich in ihren Reihen haben, ist nicht nur im heimischen Camp Nou Fussballgesetz. 66 Prozent Ballbesitz wie gestern Abend ist keine Seltenheit, doch was die Mehrheit der 98'000 Zuschauer im Stadion erfreute, war die Zielstrebigkeit, mit welcher der Leader der spanischen Meisterschaft agierte. Die Gemütlichkeit aus dem Hinspiel hatte Barça abgelegt. Es war keine monotone Dominanz, die Pässe wurden geschlagen, um etwas zu bewirken. Bei Ballverlust betrieb die Mannschaft von Jordi Roura, der auch gestern den kranken Tito Vilanova als Chefcoach vertrat, ein aufwendiges Pressing.

Mit diesem entschlossenen Auftreten schaffte der FC Barcelona, was ihm in Mailand so gut wie nie gelungen war: Er spielte die Defensive der Rossoneri immer wieder aus, kam zu diversen gefährlichen Abschlüssen. Meistens war Messi im Mittelpunkt. Der Argentinier, im Hinspiel noch nahezu wirkungslos, rieb sich nicht im Mittelfeld auf, sondern lauerte rund um den gegnerischen Strafraum auf die Bälle. Nach fünf Minuten ermöglichte ein Doppelpass mit Xavi, den Abschluss von der Strafraumgrenze. Mit einem wunderschönen Schlenzer überwand er Milans Keeper Christian Abbiati ein erstes Mal. In der 39. Minute sorgte er mit einem Flachschuss für den nächsten Coup. Es war der 51. Treffer des Weltfussballers in dieser Saison für Barcelona und der 58. in der Champions League.

Der Druck auf das Tor von Milan wurde konstant hoch gehalten. Angetrieben vom starken Xavi kontrollierte der FC Barcelona das Mittelfeld. Alle Stärken des technisch überragenden Ensembles kamen zur Geltung, auch weil jeder Spieler in kämpferischer Hinsicht das Maximum gab. Barcelona machte den entschlosseneren und sebstbewussteren Eindruck. Da fiel nicht weiter ins Gewicht, dass die Verteidigung einige Aussetzer hatte, die ohne Konsequenzen blieben.

Milan nach vorne zu schwach

Milan konnte nicht mehr in gleichem Mass dagegenhalten wie im Hinspiel. Die Italiener standen kompakt, verteidigten bis lange Zeit mit acht, neun Feldspielern. Aber zu selten konnte die Passmaschinerie der Spanier gestoppt und der Verteidigung eine Verschnaufpause ermöglicht werden. In der Vorwärtsbewegung leisteten sie sich zu viele Ballverluste, etwa unmittelbar vor dem 0:2, als Captain Massimo Ambrosini in der eigenen Platzhälfte gestoppt wurde, und prompt den schnellen Gegenangriff ermöglichte.

Nichts verlief im Sinne der Gäste. Das frühe Gegentor verlieh dem FC Barcelona Flügel, während Milan ab diesem Moment schon fast ohne Sicherheitsnetz agierte. Etwas gar früh war ein Teil des Vorteils verspielt und die Überlegenheit von Messi und Co. war derart, dass ein positiver Ausgang wohl selbst für die Spieler des siebenfachen Champions-League-Sieger schwer vorstellbar war. Es hätte eine gute Portion Glück oder Effizienz gebraucht, um aus diesem Duell als Sieger hervorzugehen. Die beste Möglichkeit auf einen Treffer vergab M'Baye Niang, der Ersatz für den verletzten Giampaolo Pazzini in der Sturmspitze, Sekunden vor dem 0:2. Der französische Teenager lief alleine Richtung gegnerisches Tor, sah seinen Schuss aber vom Pfosten abprallen.

Wie im letzten Jahr scheiterte Milan damit an Barcelona. Es war aber gestern eine Pleite, die deutlich mehr schmerzte, weil die Ausgangslage vor dem Gang ins Camp Nou nahezu perfekt gewesen war, und sie weckte Erinnerungen an ein anderes Auswärtsspiel in Spanien. 2004 war Milan nach einem 4:1-Heimsieg im Viertelfinal noch an La Coruña gescheitert. Auch damals hatten die Italiener auswärts 0:4 verloren.

Schalke vergibt gute Ausgangslage - «Gala» weiter

Galatasaray Istanbul steht erstmals wieder seit 2001 in den Viertelfinals der Champions League. Die von Fatih Terim betreuten Türken gewannen auf Schalke mit 3:2, nachdem sie sich zuhause noch mit einem mageren 1:1 hatten begnügen müssen.

Die Euphorie auf Schalke war gross gewesen vor dem Rückspiel. Der Klub aus Gelsenkirchen hat zuletzt in der Bundesliga dreimal in Serie einen Sieg davongetragen. Am Samstag errang man einen prestigeträchtigen Erfolg im berüchtigten Derby gegen Borussia Dortmund. Plötzlich hatten in der Veltins-Arena alle den oft kritisierten Trainer Jens Keller lieb. Und man durfte auf Schalke im Duell mit Galatasaray nach der guten Ausgangslage aus dem Hinspiel zu Recht von einem Champions-League-Höhenflug träumen, wie ihn die «Knappen» schon im Frühjahr 2011 mit dem Halbfinal-Vorstoss erlebt hatten.

Ex-Schalker Hamit Altintop bringt Wende

Die königsblauen Hoffnungen auf einen weiteren Viertelfinal-Einzug in der Königsklasse erhielten noch mehr Nahrung, als Roman Neustädter Schalke vor dem Heimpublikum in der 17. Minute in Führung brachte. Der frühere Gladbacher stand nach einem Corner von Jefferson Farfan und einem Durcheinander in Galatasarays Strafraum goldrichtig, um zum 1:0 abzustauben. Doch die Schalker sollten sämtliche Vorteile noch vor der Pause verschenken. Dank einem Doppelschlag mit Toren in der 37. und in der 42. Minute gewann «Gala» die Oberhand. Und es war ausgerechnet Hamit Altintop, der zu Gunsten der Gäste die Wende herbeiführte. Der Mittelfeldspieler ist in Gelsenkirchen geboren und hat von 2003 bis 2007 das Schalke-Dress getragen. Zum Ausgleich traf Altintop mit einem satten Weitschuss aus knapp 30 Metern. Der Ball war noch an den Innenpfosten geprallt. Es war notabene Altintops allererstes Pflichtspiel-Tor für Galatasaray. Die Platzherren waren für einen Moment etwas unaufmerksam gewesen. Sie liessen sich von einem schnell ausgeführten Freistoss überraschen, weshalb Altintop genug Raum vorfand.

Burak Yilmaz treffsicher

Für das zweite Goal von «Gala» war Burak Yilmaz zuständig. Nach einem Prellball setzte er sich im Laufduell mit Benedikt Höwedes kraftvoll durch, ehe er auch den aus dem Gehäuse geeilten Keeper Timo Hildebrand überwand. Mit diesem 2:1 zog Yilmaz in der Champions-League-Torschützenliste mit Statistik-Leader Cristiano Ronaldo gleich. Beide haben nun acht Treffer auf ihrem Konto. Yilmaz stiehlt bei den Istanbulern den prominenten Neuzuzügen Didier Drogba und Wesley Sneijder die Show.

Die Schalker wussten zur Pause, dass sie nun mindestens zwei Plus-Tore benötigen. Mit dem Mute der Verzweiflung und unter der Regie eines bärenstarken Julian Draxler bestürmten sie in der zweiten Hälfte das Tor von Uruguays Nationalgoalie Fernando Muslera. Das 2:2 von Michel Bastos aus der 63. Minute sollte in der Endabrechnung aber zu wenig sein. Für Schalke fiel wohl doch negativ ins Gewicht, dass es in der Offensive nicht auf seine besten Kräfte zählen konnte. Klaas-Jan Huntelaar ist seit dem Wochenende verletzt. Jermaine Jones, Torschütze im Hinspiel, war gesperrt. Der St. Galler Tranquillo Barnetta kam nicht zum Einsatz, er blieb auf der Ersatzbank. Die Türken retteten das Resultat über die Zeit, obwohl sie am Schluss gar nicht mehr frisch wirkten. Erst mit dem 3:2 von «Joker» Umut Bulut in der 95. Minute konnte sich Galatasaray seiner Sache sicher sein.

FC BARCELONA - AC Milan 4:0 (2:0)

Camp Nou. - 98'000 Zuschauer. - SR Kassai (Un).

Tore: 5. Messi 1:0. 39. Messi 2:0. 55. Villa 3:0. 92. Jordi Alba 4:0.

Barcelona: Victor Valdes; Dani Alves, Piqué, Mascherano (77. Puyol), Jordi Alba; Busquets; Xavi, Iniesta; Pedro (83. Adriano), Messi, Villa (74. Sanchez).

Milan: Abbiati; Abate, Mexès, Zapata, Constant; Montolivo, Ambrosini (60. Muntari), Flamini (74. Bojan); Boateng, El Shaarawy; Niang (60. Robinho).

Bemerkungen: Barcelona ohne Bartra (verletzt). Milan ohne Balotelli, Pazzini, De Jong (beide verletzt). 13. Abbiati lenkt Schuss von Iniesta an die Latte. 38. Niang trifft den Pfosten. Verwarnungen: 22. Boateng (Foul). 41. Pedro (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 45. Flamini (Foul). 54. Mexès (Foul).

Schalke 04 - GALATASARAY ISTANBUL 2:3 (1:2)

Veltins-Arena. - 54'000 Zuschauer. - SR Eriksson (Sd).

Tore: 17. Neustädter 1:0. 37. Hamit Altintop 1:1. 42. Burak Yilmaz 1:2. 63. Bastos 2:2. 95. Umut Bulut 2:3.

Schalke 04: Hildebrand; Uchida, Höwedes, Matip, Kolasinac; Höger (85. Meyer), Neustädter (46. Fuchs); Farfan, Draxler, Bastos; Pukki (85. Obasi).

Galatasaray Istanbul: Muslera; Eboué, Semih Kaya (79. Gökhan Zan), Nounkeu, Riera; Felipe Melo; Hamit Altintop, Sneijder (70. Amrabat), Selcuk Inan; Drogba, Burak Yilmaz (86. Umut Bulut).

Bemerkungen: Schalke 04 ohne Huntelaar, Afellay, Papadopoulos, Unnerstall, Marica (alle verletzt), Jones (gesperrt) und Barnetta (Ersatz). Galatasaray Istanbul ohne Elmander (verletzt). 63. Lattenschuss Höger (vor 2:2). - Verwarnungen: 14. Höger (Foul). 85. Drogba (taktisches Foul). (si)

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