Alejandro Sabella: «Messi ist heute, was Maradona 1986 war»
Aktualisiert

Alejandro Sabella«Messi ist heute, was Maradona 1986 war»

Argentiniens Nationaltrainer Alejandro Sabella stellt Lionel Messi auf die gleiche Stufe mit Diego Maradona.

von
Eva Tedesco
São Paulo
Argentiniens Nationaltrainer Alejandro Sabella stellt Messi auf die gleiche Stufe wie Diego Maradona 1986.

Argentiniens Nationaltrainer Alejandro Sabella stellt Messi auf die gleiche Stufe wie Diego Maradona 1986.

Alejandro Sabella, ab sofort gilt für die WM-Teilnehmer: alles oder nichts. Hat sich Ihre Vorbereitung im Hinblick auf den Achtelfinal gegen die Schweiz deshalb verändert?

Alejandro Sabella: Wir haben nun eine Etappe vor uns, die keinen Spielraum für Fehler erlaubt. In der ersten Phase der WM hatte man die Chance einen Fehler zu korrigieren. Ab sofort nicht mehr und deshalb müssen wir im Kopf fit sein - und das sind meine Spieler.

Lautet Ihre Marschroute gegen die Schweiz darum auch: Angriff ist die beste Verteidigung?

Ich mag Angriff, weil es bedeutet, dass man dem Gegner schaden kann. Aber entscheidend ist ein Gleichgewicht. Denn wenn man schlecht angreift, bedeutet das oft auch, dass man durch die entstehende Unordnung auch schlecht verteidigt. Eine gute Verteidigung bedeutet deshalb auch, dass man den Ball gut auffangen und nach vorne marschieren kann.

Brasiliens-Coach Scolari schwärmt von einem Modell wie es Atlético Madrid spielt. Wie sieht Ihr idealer Fussball aus?

Das ideale Modell hängt von den Spielern ab, die man zur Verfügung hat. Barcelona unter Pep Guardiola kam nahe an den perfekten Fussball heran. Die Bayern vor zwei Jahren waren eine Maschine, die alle zermalmt hat. Aber grundsätzlich kann man keine Mannschaft kopieren. Ich will eine «kurze» Mannschaft. Das heisst geringe Distanzen zwischen der Offensive und der Defensive. Eine Mannschaft, die es dem Gegner schwermacht, in unseren Strafraum zu kommen.

Dafür verfügen Sie mit Lionel Messi über einen Ausnahmekönner vor dem gegnerischen Strafraum. Ist es nicht schwierig, wenn eine Mannschaft dermassen von einer Einzelmaske abhängt?

Wir wissen, dass Messi speziell ist, und auch der Trainer muss da einen Unterschied machen. In erster Linie ist er aber ein Mensch mit Eigenheiten und die muss man so nehmen.

Messi hat an der WM bisher vier Tore erzielt und den Hauptanteil am Weiterkommen der Argentinier. Sehen Sie das auch so?

Er spielt bisher eine grossartige WM. Das habe ich von Messi und er von sich erwartet. Das haben seine Mitspieler erwartet. Das haben aber auch die Menschen in Argentinien erwartet. Ich bin glücklich, dass er die Erwartungen voll erfüllt.

Kann man Messi bereits mit dem Maradona von 1986 vergleichen?

Messi ist heute der entscheidende Mann, so wie es Maradona 1986 war.

Am Dienstag treffen Sie auf die Schweiz. Wie nehmen Sie den Gegner wahr?

Die Schweiz hat eine Mannschaft, die lange auf die gleiche Weise zusammenspielt. Sie hat einen Trainer, der ganz oben einzuordnen ist. Über die Stärken und Schwächen möchte ich hier nicht sprechen - schliesslich spielen wir gegeneinander ...

Haben Sie die Gruppenspiele der Schweiz auf Video gesehen?

Das haben wir. Es waren drei unterschiedliche Spiele, in denen die Schweiz versucht hat, ihr Spiel durchzuziehen. Die Mannschaft hat Potenzial. Aber wie gesagt, welches, will ich hier nicht sagen und über die Fehler, die ich gesehen habe, will ich auch nicht öffentlich sprechen.

In den Achtelfinals kam es bisher zweimal zum Penaltyschiessen. Welche Bedeutung kommt dem mentalen Faktor zu?

Im Hochleistungsfussball - und davon reden wir bei einer WM, der Champions League oder aber auch der Copa Libertadores - ist die mentale Ebene enorm wichtig. Wir wissen vor allem auch, wie schwierig hier die äusseren Bedingungen sind. Ich habe einmal gelesen: Ein Gramm Neuronen ist wichtiger als ein Kilogramm Muskel. Wenn also das Mentale ein Muskel wäre, dann ein ganz wichtiger.

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