Argentinien im Elend: Messi von den eigenen Fans verhöhnt

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Argentinien im ElendMessi von den eigenen Fans verhöhnt

Er hätte Argentinien den ersten grossen Titel seit 1993 bescheren sollen. Nach dem Viertelfinal-Aus bei der Copa America bleibt Lionel Messi jedoch nur die Enttäuschung und der Spott der eigenen Fans.

von
pre

45 Minuten lang lenkte Lionel Messi im Viertelfinal gegen Uruguay das Spiel Argentiniens, wie man es sich von seinen Auftritten beim FC Barcelona gewohnt ist. Der beste Fussballer der Welt dribbelte, trickste, legte zum Ausgleich auf. Doch nach der Pause war von Messi plötzlich nichts mehr zu sehen. Der grosse Hoffnungsträger tauchte ab, die argentinischen Fans warteten einmal mehr vergeblich auf den grossen Geniestreichs ihres Lieblings.

Während Messi nach dem Aus im Penaltyschiessen das Spielfeld mit hängendem Kopf verliess und wortlos an den Reportern vorbeizog, sangen die Fans: «Messi ist ein Spanier» und streuten damit noch mehr Salz in die Wunde des schwierigen Verhältnisses zwischen dem Superstar des FC Barcelona und den argentinischen Fans. Diese trösteten sich nach dem Viertelfinal-Aus wie schon nach den schwachen Auftritten beim 1:1 gegen Bolivien und beim 0:0 gegen Kolumbien mit ihrem Lieblingslied «Olé, Olé, Olé - Diego, Diego».

Messi in Erklärungsnot

Seit 16 Pflichtspielen oder seit zwei Jahren und drei Monaten ist der «Floh» nun schon ohne einen Treffer im Nationaltrikot. Und mit jedem Nuller gerät Messi mehr in Erklärungsnot: Im Vereinstrikot des FC Barcelona erzielte er in der Saison 2010/11 in 50 Spielen unglaubliche 53 Tore. Die Diskrepanz zwischen Messis Leistungen im Klub und der Nationalmannschaft ist aber riesieg. Während er für die «Blaugrana» trifft und trifft, ist bei der Albiceleste der Wurm drin. In 60 Länderspielen schoss Messi nur 17 Treffer.

Argentinien's Knock-Out vom Elfmeterpunkt

Warum es dem Superstar mit der Nationalmannschaft einfach nicht zu einem grossen Titel reicht, beschäftigt ganz Argentinien bei jedem Turnier von Neuem. Das Spielsystem sei Schuld, Messi kenne den argentinischen Fussball zu wenig, weil er in Barcelona gross wurde, oder die Erwartungshaltung sei schlicht und einfach zu hoch, lauten die häufigsten Erklärungsversuche. Und so wird das Verhältnis zwischen Messi und den Fans von Misserfolg zu Misserfolg zwiespältiger.

Neuanfang gefordert

In den nächsten Tagen wird der Spott der Fans in harte Kritik umschlagen. Nicht nur für Messi, sondern für alle Beteiligten. Einen Vorgeschmack, was die Spieler und Trainer Sergio Batista erwarten könnte, gab TV-Moderator Fernando Niembro bereits kurz nach Spielschluss. «Basta! Es ist jetzt genug», forderte der Reporter mit aufgeregter Stimme: «Wir brauchen einen radikalen Neuanfang mit Spielern die hungrig sind und nicht nur in ihr Heimatland kommen, weil sie finanzielle Abmachungen zu erfüllen haben. All diese Stars von Manchester United, von Real Madrid und Barcelona sind satt und träge. Sie kommen, weil sie die Zeit mit ihren Familien verbringen wollen und nicht weil sie für ihr Land spielen wollen. Warum nehmen wir nicht einfach mal eine Pause von all diesen Muchachos, die uns so enttäuscht haben.»

Batista hat schon kurz nach dem Aus angekündigt, dass er seinen Vertrag erfüllen und bis zur WM 2014 in Brasilien weitermachen wolle. Dieses Szenario scheint nach der erneuten Enttäuschung eher unrealistisch. Bei den Fans klar, wer die Nachfolge von Batista übernehmen soll: Sein Vorgänger Diego Maradona. Doch die «Hand Gottes» steht seit seiner Entlassung auf Kriegsfuss mit dem allmächtigen Verbandsboss Julio Grondona. Um Maradona zurück ins Traineramt zu hieven, wäre eine Revolution im argentinischen Fussball-Verband nötig. Dieses Szenario scheint in Anbetracht der immer grösser werdenden Verzweiflung nicht mehr ganz so unrealistisch.

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