Alkohol am Steuer: Messwerte schwanken öfter als Fahrer
Aktualisiert

Alkohol am SteuerMesswerte schwanken öfter als Fahrer

Eine Studie zeigt: Alkoholtestgeräte zeigen bei Messungen zu viel oder zu wenig an. Und sind somit ein grösserer Unsicherheitsfaktor als die Fahrer. Für diese könnten solche Messfehler nämlich unterschiedliches Strafmass bedeuten.

Die von den Polizeikorps eingesetzten Alkoholmessgeräte zeigen den Alkoholwert im Blut falsch an. Zu diesem Schluss kommt eine unveröffentlichte Studie des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich, berichtet die «SonntagsZeitung».

Systematischer Fehler

«Alle in der Schweiz gebräuchlichen Messgeräte zeigen Blutalkoholwerte an, die mit einem systematischen Fehler behaftet sind», sagt Studienleiter Peter Iten. «Je höher der Alkoholspiegel im Blut der Probanden war, desto ungenauer die Messgeräte.» Im Durchschnitt lagen die angezeigten Werte um 20 Prozent zu tief.

Im tieferen Promillebereich Ausschläge nach oben

Die Forscher dokumentierten aber auch Fälle, bei denen der Blastest einen höheren Alkoholgehalt angab, als im Blut des Probanden vorhanden war: «Dies kam vor allem in den tieferen Promillebereichen vor», sagt Iten.

Zündstoff

Die Erkenntnisse der Zürcher Forscher bergen Zündstoff: Im Massnahmenpaket Via Sicura schlägt der Bundesrat vor, künftig auf eine Blutprobe bei Blaufahrern zu verzichten – und ganz auf die weniger genaue Messmethode abzustützen. So bliebe mehr Zeit für zusätzliche Kontrollen, hofft die Regierung. Auch Richter hegen Bedenken: Bei der Ahndung von Blaufahr-ten habe man heute klare Gesetzesnormen, sichere Beweismittel und eine gefestigte Strafpraxis, sagt Ueli Kölliker, leitender Amtsgerichtspräsident im Kanton Solothurn. «Die vorgeschlagene Ersetzung der Blutprobe durch den Atemlufttest als wichtigstes Beweismittel würde die Rechtssicherheit auf nicht absehbare Zeit gefährden.» Dies könne tendenziell zu milderen Strafen führen.

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