Aktualisiert 11.08.2016 09:45

Vorbild Wacken

Metal-Pfarrer für Seelsorge an Openairs

Der Schweizer Samuel Hug plant, an Festivals eine Seelsorge einzuführen. Am Wacken-Openair in Deutschland hat er jetzt Erfahrungen dafür gesammelt.

von
V. Fehlmann
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Der Schweizer Metal-Pfarrer Samuel Hug half am diesjährigen Wacken im Seelsorge-Team aus. So wollte er Erfahrungen sammeln, um in der Schweiz ein ähnliches Projekt zu starten.

Der Schweizer Metal-Pfarrer Samuel Hug half am diesjährigen Wacken im Seelsorge-Team aus. So wollte er Erfahrungen sammeln, um in der Schweiz ein ähnliches Projekt zu starten.

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Laut Hug hat die Anzahl Spital-Einlieferungen seit der Einführung der Seelsorge beim Wacken-Openair abgenommen.

Laut Hug hat die Anzahl Spital-Einlieferungen seit der Einführung der Seelsorge beim Wacken-Openair abgenommen.

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Landesjugendpastor Tilman Lautzas vom Seelsorge-Team am Wacken zieht eine positive Bilanz, wie er dem Portal Evangelisch.de verrät.

Landesjugendpastor Tilman Lautzas vom Seelsorge-Team am Wacken zieht eine positive Bilanz, wie er dem Portal Evangelisch.de verrät.

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Wo sich viele Menschen versammeln, gibt es auch zwischenmenschliche Probleme oder persönliche Krisen. Alkohol und Drogen können diese noch begünstigen. An einem der grössten Metal-Festivals der Welt, dem Wacken-Openair, wurde deshalb vor einigen Jahren ein Seelsorge-Team eingeführt. Mit dabei war dieses Jahr der Schweizer Pfarrer Samuel Hug.

Der als Metal-Pfarrer bekannte Hug plant, auch an Schweizer Festivals ein Seelsorge-Team bereitzustellen. «Viele nehmen ihre Probleme von zu Hause mit und werden dann von ihnen eingeholt», erklärt er. «Zu wenig Schlaf und Genussmittel verstärken diesen Effekt noch.» Und auch am Festival selbst kommt es immer wieder zu Problemen. «Plötzlich geht die Beziehung in die Brüche oder Freundschaften gehen auseinander. Auch Panikattacken, Sexualität und Suchtmittel sind ein Thema.»

«Ich will nicht bekehren»

Ziel sei, dass Festivalbesucher in einem anonymen Rahmen über ihre Probleme sprechen könnten. Auch die Kirche komme nicht zu kurz: «Meine Motivation ist, als Kirche präsent zu sein, wo die Leute sind und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.» Er sehe sich aber nicht als Missionar: «Ich will in keiner Art und Weise die Leute bekehren. Wir machen lediglich das Angebot. Was die Menschen damit machen, liegt in ihrer Verantwortung.»

Am Wacken bestand das Team aus rund 20 Helfern, die bis in die Nacht Ratschläge erteilten. Bei grösseren psychischen Problemen wurden Rettungssanitäter mit einbezogen. Das Konzept verspricht Erfolg: «Seit es das Seelsorge-Team am Wacken gibt, werden tatsächlich weniger Leute ins Spital eingeliefert», sagt Hug.

Berater sollen sich in der Szene auskennen

Auch in der Schweiz hätten die Menschen Probleme, ist der Metal-Pfarrer überzeugt. «Es gibt immer eine Fassade und das Dahinter.» Zwar habe er schon einige Festivals im Auge, an denen er sich ein Team vorstellen könne, Gespräche gab es aber bisher noch keine. «Ich wollte es zuerst selbst erlebt haben», so Hug.

Trotzdem will er auf die Saison 2017 an mindestens einem Open-Air eine Seelsorge-Station einführen. «Es gibt in der Schweiz Festivals, an denen das durchaus Sinn macht. Ich bin davon überzeugt, dass das Angebot genutzt wird.» Auch für sein Team hat er schon Vorstellungen: «Ich will es subkulturell einbetten.» Die Berater sollen sich auch in der entsprechenden Szene auskennen. So könnten sie besser auf die Probleme der Menschen eingehen.

Festivals zeigen sich interessiert

Am Openair Gampel kann man sich eine Zusammenarbeit mit dem Seelsorge-Team durchaus vorstellen, wie Sprecher Olivier Imboden bestätigt. Beim jungen Publikum gebe es jährlich einige zwischenmenschliche Dramen. «Bislang hat im Bedarfsfall unser professionelles Sanitätsteam teilweise psychologische Betreuungen übernommen», so Imboden. «In diesem Jahr wurde der Bereich noch ausgebaut: In jeder Schicht sind Psychiater und Pflegepersonal aus dem psychiatrischen Bereich aufgestellt.»

Auch am Greenfield Festival ist man grundsätzlich am Seelsorger-Angebot interessiert, sagt Sprecher Michael Andai. Man müsse sich zwar erst an einen Tisch setzen, er sehe aber keinen Grund, die Idee gleich zu verwerfen.

Das Openair St. Gallen arbeitet seit längerem mit einem Careteam zusammen, sagt Sprecherin Sabine Bianchi. «Sie betreuen einerseits Personen, die via Sanität, Sicherheit oder direkt den Kontakt zum Event-Careteam suchen, andererseits patrouillieren sie aber auch aktiv im Gelände und sprechen Leute direkt an.»

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