Kometenhafter Aufstieg: «Meteorit»-Entdecker ist ein Star in Deutschland
Aktualisiert

Kometenhafter Aufstieg«Meteorit»-Entdecker ist ein Star in Deutschland

Leser-Reporter Alexander Bangert ist mit seinen Meteoriten-Fundstücken in ganz Deutschland bekannt. Doch jetzt will der Kanton Aargau seine Steine haben.

von
G. Brönnimann
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Nach dem ersten Bericht auf 20 Minuten trat Alexander Bangert beim Lokalsender Tele M1 auf und berichtete über seinen Fund im Garten nach dem Meteor am Schweizer Nachthimmel.

Nach dem ersten Bericht auf 20 Minuten trat Alexander Bangert beim Lokalsender Tele M1 auf und berichtete über seinen Fund im Garten nach dem Meteor am Schweizer Nachthimmel.

Screenshot Tele M1
Dieses Foto hat der Leser-Reporter Alexander Bangert aus Schöftland AG an 20 Minuten geschickt. Er hat die vermeintlichen Meteoriten-Stücke im Garten gefunden.

Dieses Foto hat der Leser-Reporter Alexander Bangert aus Schöftland AG an 20 Minuten geschickt. Er hat die vermeintlichen Meteoriten-Stücke im Garten gefunden.

Jetzt kennt man ihn auch in Deutschland: Die «Huffington Post» ...

Jetzt kennt man ihn auch in Deutschland: Die «Huffington Post» ...

Screenshot huffingtonpost.de

Nach dem Lichtspektakel mit Donnerknall vom letzten Sonntagabend freute sich Alexander Bangert (19) aus Schöftland im Kanton Aargau ganz besonders. Der angehende Zahntechniker will wenige Minuten nach dem himmlischen Feuerball Teile des Flugkörpers bei sich zu Hause gefunden haben: «Sie lagen auf der Terrasse und im Rasen», sagte er zu 20 Minuten. Auf Nachfrage am Montagmorgen sagte Bangert, er sei an die frische Luft gegangen, um sich eine Zigarette anzuzünden – da habe er die Stücke gesehen. Bangert: «Sie waren nicht mehr heiss. Aber vorher waren sie nicht da, da bin ich ganz sicher.»

Ob es sich bei den Steinen wirklich um Meteoriten-Stücke handelt, bezweifelten Experten sofort. Doch die Geschichte von Bangerts Fund ging fast so schnell um den Globus wie eine Sternschnuppe.

Von der Rauchpause zum rauchenden Krater im Garten

Und mit jedem Auftritt wurde die Geschichte etwas dramatischer. Beim Lokalsender Tele M1 war die Rede davon, dass auf dem Balkon beim Einschlag des Meteoriten zwei Platten zu Bruch gegangen seien. Dann kam das Newsportal Focus.de – und mit dem Video und dem dazugehörigen Bericht ging Alexander Bangerts Stern auch am deutschen Himmel auf: «Die Druckwelle war brutal und der Knall so laut wie eine Granate», soll Bangert da gesagt haben. Nach dem Big Bang «sah er die Energie», schreibt «Focus» – einige Meteoritenteile «steckten noch in der aufgewühlten Erde, wohin sie offensichtlich mit gewaltiger Wucht geschleudert worden waren», und der Lehrling habe vor der Terrasse «ein grosses Loch mit lauter verkohlten Steinen darin» gefunden.

Alles habe wegen der Druckwelle gebebt, denn: «Das Ding ist über unserem Haus explodiert und hat einige Stücke verloren. Der Rest ist noch weitergeflogen», wird der Finder im «Focus» zitiert. Auch die «Huffington Post» verbreitet den Bericht. Mit diesen Aussagen konfrontiert, schüttelt Bangert den Kopf und sagt: «Vermutlich hat man meinen Erlebnisbericht mit dem Meteoriten-Einschlag in Russland verwechselt.»

Bangerts Steine gehören dem Kanton Aargau

Das Video, das auf deutschen Medienportalen kursiert, zeigt Bangert bei Experimenten mit seinen Fundstücken. Er hält es in die Flammen eines Bunsenbrenners. «Ich wollte zeigen, dass es keine Kohle ist. Der Stein brennt auch bei 2500 Grad nicht!», sagt Bangert zu 20 Minuten.

Lange wird sich der Hobbyforscher nicht mehr selbst mit seinem Fund beschäftigen können: Im Kanton Aargau sind Meteoriten von Gesetzes wegen Eigentum des Kantons. «Es ist tatsächlich so, dass es sich bei Meteoriten um Naturkörper von erheblicher naturwissenschaftlicher Bedeutung handelt, und diese sind Eigentum des Kantons Aargau, auch wenn sie extraterrestrischen Ursprungs sind», erklärt Dr. Norbert Kräuchi, Abteilungsleiter Landschaft und Gewässer. Man werde den jungen Mann nun kontaktieren, «damit sein Fund wissenschaftlich geprüft werden kann», so Kräuchi.

Was die Forscher herausfinden werden, steht in den Sternen. Einer der weltweit bekanntesten Meteoritenjäger, Thomas Grau vom European Research Center for Fireballs and Meteorites (ERFM), äussert nach Betrachtung der Fotos grosse Zweifel: «Die Fundstücke aus Schöftland, so schätze ich mal, sind leider keine Meteoriten», sagt er zu 20 Minuten. «Schöftland liegt auch nicht im Fallgebiet des Meteors.»

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