24.06.2019 02:46

Hitzewelle

Meteorologen rechnen mit Juni-Temperaturrekord

Diese Woche wird es richtig heiss: Lokal gibt es Höchsttemperaturen von bis zu 39 Grad. Die Hitze könnte gar Rekorde brechen, sagt ein Meteorologe.

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mm
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Nach den Gewittern kehrt der Sommer in die Schweiz zurück.

Nach den Gewittern kehrt der Sommer in die Schweiz zurück.

Keystone/Walter Bieri
Auch in Wittenwil TG tobte der Sturm.

Auch in Wittenwil TG tobte der Sturm.

Leser-Reporter
Hier geriet etwa ein Baum in Schieflage.

Hier geriet etwa ein Baum in Schieflage.

Leser-Reporter

Im Verlauf dieser Woche klettert das Thermometer steil nach oben. MeteoSchweiz und das Bundesamt für Gesundheit warnen: Von Dienstag bis Donnerstag steigen die Temperaturen auf 33 bis 37 Grad Celsius. In Teilen des Flachlands, dem Wallis und dem Tessin klettert das Quecksilber sogar bis 39 Grad.

Auch in der Nacht sollen die Temperaturen ab Mittwoch nicht unter 20 Grad Celsius fallen. Insbesondere in den Städten müsse mit solchen Tropennächten gerechnet werden, warnt MeteoSchweiz. Der Grund für diese extreme Hitze: Das Hoch über Mittel- und Südeuropa verstärkt sich durch die Zufuhr heisser Luft aus Nordafrika und durch die langen Juni-Tage mit hohem Sonnenstand.

«Bis zur höchsten Warnstufe fehlt nicht mehr viel»

MeteoSchweiz sprach für den Zeitraum von Montag bis Sonntag eine Hitzewarnung der zweithöchsten Stufe 3 aus. «Das Ansetzen einer solch hohen Warnstufe ist ein seltenes Ereignis. Diese wird ausgesprochen, wenn die Hitze für einen grösseren Teil der Bevölkerung eine ernsthafte Gefahr bedeuten könnte», sagt der Meteorologe Daniel Murer zu 20 Minuten. Das letzte Mal geschah dies im letzten August für die Genferseeregion und das Wallis.

Beinahe hat MeteoSchweiz die höchste Warnstufe 4 angesetzt. Dies passierte das letzte Mal im Sommer 2015. «Es fehlt nicht mehr viel», sagt Murer. «Da es aber noch unsicher ist, ob die Temperaturen am Freitag und Samstag gleich hoch bleiben wie die Tage zuvor, wäre das ein wenig verfrüht», so Murer. Erst wenn solche hohen Temperaturen fünf Tage am Stück herrschten und der Heat-Index (siehe Box) entsprechend hoch bleibe, wäre dies möglich. Man werde die Entwicklungen gemäss Murer aber laufend beobachten und entsprechend reagieren.

Die magischen 40 Grad

Auch dass die magische Grenze von 40 Grad geknackt werde, sei nicht ausgeschlossen, sagt Murer. «Unsere Modelle sind ziemlich präzis. Einem solchen Höchstwert wirkt ebenfalls die momentane hohe Bodenfeuchtigkeit entgegen.» Prinzipiell gelte aber: Je tiefer eine Ortschaft liegt, desto höher die Temperaturen. «Sollte die Marke diese Woche geknackt werden, dann im süddeutschen Raum entlang des Rheingrabens.»

Die diesjährige Hitzewelle komme gemäss Murer zwar tendenziell früh, sei aber nicht aussergewöhnlich. Sie bewege sich im ähnlichen Rahmen wie 2015. «Damals gab es Anfang und Mitte Juli zwei Hitzewellen.» Noch sei es noch nicht ganz so extrem wie damals, aber weit davon entfernt seien wir nicht, so Murer. «Was dieser Monat aber mit sich bringen könnte, wäre für einige Orte ein neuer Juni-Temperaturrekord.»

Keine Vorzeichen akuter Trockenheit

Trotz der erwarteten Hitzewelle besteht laut dem Hydrologen Massimiliano Zappa von der Forschungsanstalt WSL wassertechnisch kein Grund zur Sorge: «Seit Anfang Mai erleben wir eine regenreiche Periode. Besonders unsere grossen Gewässer führen ausreichend Wasser. Auch die Schneeschmelze ist noch nicht vollständig abgeschlossen.»

Die Ausgangslage sei somit ganz anders als während der letztjährigen Hitzewelle. Dieser sei eine lange Trockenheit vorausgegangen, so Zappa. «Das ist dieses Jahr anders, weshalb es keine Vorzeichen akuter Trockenheit gibt. Daran wird sich auch mit dieser Hitzewelle nichts ändern.» So hätten sich die Regionen, die letztes Jahr von der Trockenheit betroffen gewesen seien, inzwischen weitestgehend erholt, so der Hydrologe. «Eine Ausnahme bleibt die Nordwestschweiz, besonders im Grossraum Olten. Sollte es nochmals zu einer solchen Hitzewelle kommen wie letztes Jahr, wäre diese Region am ehesten betroffen.»

Hitze-Tipps:

-Aktivitäten im Freien sollen auf die Morgen- und Abendstunden beschränkt werden. Dabei sollte man sich möglichst im Schatten aufhalten.

Körperliche Anstrengungen sollten vermieden werden.

-Schutz vor direkter Sonneinstrahlung durch Bekleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Sonnencreme.

-Luftige und helle Kleidung tragen.

Regelmässig und ausreichend Flüssigkeit einnehmen (mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag).

-Salzverlust während und nach sportlichen Betätigungen ausgleichen.

-Verpflegung mit erfrischenden, kühlen und leichten Speisen.

-Abkühlung durch eine Dusche oder ein Bad.

- Personen und Tiere nicht in abgestellten Autos zurücklassen

Heat-Index

Hitzewarnungen von MeteoSchweiz basieren auf dem Heat Index. Dieser beschreibt die gefühlte Temperatur und wird aus der Kombination von Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnet. Um eine Warnung der Stufe 3 (erhebliche Gefahr) auszusprechen, muss der Wert grösser als 90 sein. Für eine Warnung der Stufe 4 (grosse Gefahr) braucht es einen Wert von grösser als 93.

Wie warm wir 39 Grad Celsius wahrnehmen hängt laut MeteoSchweiz dementsprechend nicht nur von der Lufttemperatur- sondern auch von der Luftfeuchtigkeit ab. Trockene 39 Grad nehmen wir als weniger unangenehm war als feuchte 39 Grad. Das liegt daran, dass sich unser Körper bei schwüler Umgebung durch Schwitzen nicht mehr so gut abkühlen kann. So können sich 39 wie 43 Grad Celsius anfühlen.

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