26.07.2018 15:33

Marvel-Heldin spricht Klartext

«MeToo zeigte mir, dass ich eine Sexistin bin»

Evangeline Lilly spielt in «Ant-Man and the Wasp» die erste gleichberechtigte Marvel-Titelheldin. Sie selbst hadert noch mit der Selbstermächtigung.

von
mel

Evangeline, deine Figur Wasp ist stark, sexy und mutig. So wie du?

Ich versuche mutig zu sein. Wie sehr man es wirklich ist, weiss man ja immer erst, wenn man in Situationen gerät, die tatsächlich Mut erfordern. Bisher ist mir gottlob nichts ernsthaft Schlimmes passiert. Beim Thema Sexy-Sein habe ich sehr gemischte Gefühle.

Inwiefern?

Ich bin mit dem Verständnis aufgewachsen, dass ich nicht sexy sein und gleichzeitig respektiert werden kann. Schön ist okay, attraktiv und süss auch. Zu sagen, ich will sexy sein, fällt mir bis heute schwer.

Das ist traurig.

Ja, ist es. Es ist mir peinlich, das zuzugeben, aber ich bin eine Sexistin.

Was bringt dich auf die Idee?

Ich habe mir diese Werte von früh auf einverleibt. Ich dachte, wenn ich cool sein will, muss ich ein Tomboy sein, stark, ein bisschen rau. Ja nicht hübsch oder girly, weil das in den Augen von Männern langweilig ist. Genau wie Rom-Coms und Gefühle. Natürlich ist das Bullshit, aber erst die Weinstein-Affäre konfrontierte mich damit, dass ich diesen Bullshit in mir trage.

Wasp zeigt jetzt ja aber ein anderes Bild. Das sollte doch eine gute Richtung sein, oder?

Ja, ich bin stolz, dass es mir – glaube ich – gelungen ist, die Figur stark und gleichzeitig sexy darzustellen. Aber ich hinterfrage trotzdem, ob uns diese Richtung wirklich vorwärtsbringt.

Was wäre die richtige Richtung?

Sollen wir uns zensieren oder komplett öffnen? Ich weiss es nicht, und das ist der Punkt: Niemand weiss es. Ich glaube, der wichtigste Schritt wäre es, gnädiger mit dem Feminismus zu sein. Es wird so schnell kritisiert und an Fehlern herumgemäkelt. Aber wir versuchen hier eine neue Welt zu erschaffen, natürlich kennen wir den Weg dahin nicht. Und natürlich werden Fehler passieren.

Glaubst du denn, es tut sich etwas in Hollywood?

Ja, aufrichtig. Während der 14 Jahre, die ich in der Branche arbeite, sass ich kein einziges Mal einer weiblichen Regie gegenüber. Als ich das letzte Mal in L.A. war, habe ich mich mit vier Regisseurinnen getroffen. Das ist eine ziemlich grossartige Statistik für so eine junge Bewegung.

Wer macht das möglich?

Unerschrockene, intelligente Frauen im Hintergrund, die sehr fokussiert und praktisch denken und sich nicht um einen Social-Media-Hype scheren. MeToo ist kein Eitelkeitsprojekt, der Aufwand ist sehr viel grösser und formaler. America Ferrera, Brie Larson oder Rashida Jones sind unter den Schauspielerinnen federführend, aber es sind eben auch Autorinnen, Produzentinnen, Agentinnen und Politikerinnen bis nach Washington involviert.

Bereust du rückblickend, immer den Tomboy gespielt zu haben?

Nein. Weil ich auch gemerkt habe, dass ein Wandel nur möglich ist, wenn du Teil des Clubs bist. Und um Teil davon zu werden, musst du nach dessen Regeln spielen. Das Problem ist, dass wir uns weisgemacht haben, dass es reicht, diese männlichen Werte zu verkörpern, um Selbstermächtigung und Gleichberechtigung zu erreichen. Aber das ist erst Schritt eins.

Was kommt danach?

Jetzt geht es darum, die mächtigen Männer zu überzeugen, dass unsere Perspektive nicht langweilig und wertlos ist, sondern einzigartig und durchaus relevant. Dass es ein Publikum gibt, das diese Geschichten hören und sehen möchte.

«Ant-Man and the Wasp» läuft aktuell im Kino.

Der Film: Mitten in seinem Hausarrest hat Scott Lang (Paul Rudd) eine Vision von Hank Pyms totgeglaubter Frau Janet (Michelle Pfeiffer) und findet Mittel und Wege in die vielen Formate seines Superhelden-Alter-Egos Ant-Man zu schlüpfen. Hilfe kommt von Hank (Michael Douglas), vor allem aber von dessen Tochter Hope (Evangeline Lily), die als Wasp dem früheren Superhelden-Selbst ihrer Mum ein Reboot verpasst. Während der Wort-Humor manchmal zu gewollt daherkommt, halten Action, Cast und Special Effects die Film-Qualität hoch. Nicht das beste, aber durchaus ein weiteres sehenswertes Stück Marvel-Geschichte.

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