Aktualisiert 10.09.2019 10:24

Kampf gegen Food Waste

Metzger schreibt Fleisch illegal mit zwei Daten an

Metzger müssen bei der Produktion entscheiden, ob sie ihre Produkte als Tiefkühlware verkaufen oder nicht. Dadurch wird die Planung schwierig, es kommt zu Food-Waste. Das soll sich ändern.

von
kom
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Er stellt ein nationales Gesetz in Frage: Metzger Christoph Jenzer.

Er stellt ein nationales Gesetz in Frage: Metzger Christoph Jenzer.

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Laut Gesetzgebung müssen Metzger von Anfang an entscheiden, ob sie ihre Ware frisch oder als Tiefkühlprodukt verkaufen. Das macht die Planung für die Betriebe schwierig und führt zu Food Waste.

Laut Gesetzgebung müssen Metzger von Anfang an entscheiden, ob sie ihre Ware frisch oder als Tiefkühlprodukt verkaufen. Das macht die Planung für die Betriebe schwierig und führt zu Food Waste.

AP/Ronald zak
Jenzer hat darum ein eigenes System entworfen. Statt nur zu mit «zu verbrauchen bis» kennzeichnet er seine Prodkute zusätzlich mit «gefroren bei – 20 Grad haltbar bis».

Jenzer hat darum ein eigenes System entworfen. Statt nur zu mit «zu verbrauchen bis» kennzeichnet er seine Prodkute zusätzlich mit «gefroren bei – 20 Grad haltbar bis».

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Es ist der Inhaber eines traditionellen Fleischverarbeitungsbetriebs in Arlesheim BL, der ein nationales Gesetz in Frage stellt. Dieses schreibt Metzger Christoph Jenzer und seinen Kollegen vor, dass sie direkt bei der Produktion entscheiden müssen, ob sie die Fleischwaren frisch oder tiefgekühlt verkaufen werden.

Gerade für kleinere Betriebe kann das schnell schwierig werden, berichtet «CH Media». Wenn Jenzer etwa für einen Sommeranlass Würstchen produziert, es an jenem Tag aber regnet, sitzt er auf einem Berg von Würstchen. Eigentlich müsste er die wegwerfen, sagt das Gesetz.

Gerade im Kontext des Klimaschutzes und des Food Wastes sieht es der Metzger nicht ein, massenweise Nahrungsmittel wegzuwerfen. Deshalb schreibt er seit einiger Zeit seine Produkte mit zwei Haltbarkeitsdaten an. Einmal «zu verbrauchen bis», wie es bei Fleischprodukten üblich ist. Das zweite Datum ist gekennzeichnet mit «gefroren bei – 20 Grad haltbar bis».

Das Prinzip des gesunden Menschenverstandes

Damit bekämpft er Food Waste gleich doppelt: Einmal betriebsintern, wenn die Ware nicht wie geplant verkauft werden und stattdessen eingefroren werden kann. Andererseits sei es eine Unterstützung für die Konsumenten, die die Produkte auch mit einem sichereren Gefühl einfrieren können, wenn sie sie nicht wie geplant essen.

Jenzer ist überzeugt, dass seine Lösung dem Prinzip des gesunden Menschenverstandes folgt. Aber er weiss auch: Wirklich legal ist seine Doppeldatierung nicht, denn sie widerspricht den Vorschriften zur Etikettierung und dem Grundsatz, dass entweder für Frisch- oder für Gefrorenverkauf produziert werden muss.

Bis jetzt kam Jenzer damit durch. Das Amt für Lebensmittelsicherheit rügte ihn in einer Verfügung wegen der Doppeldatierung und forderte eine Korrektur. «Aber man sagte mir, dass man eigentlich gut finde, was ich mache, und dass die jetzige Regelung unlogisch ist», sagt der Betroffene gegenüber der «Schweiz am Wochenende».

Amt begrüsst Einsprache gegen eigenen Entscheid

Das Amt zeigte ihm sogar einen Weg für eine Lösung des Problems auf. Rolf Wirz, Sprecher der kantonalen Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, sagt: «Herr Jenzer und unsere Kontrolleure haben unterschiedliche Interpretationen des Gesetzes betreffend Lebensmitteldeklaration.»

Man sei deshalb interessiert daran, dass mit einer Einsprache eine saubere juristische Klärung stattfinde und Rechtssicherheit hergestellt werde. «Das haben wir Herrn Jenzer auch so gesagt», so Wirz. Jenzer habe die entsprechende Einsprache inzwischen eingereicht.

Jenzers Idee wird nun sogar den Bundesrat beschäftigen. Nationalrätin Daniel Schneeberger (FDP) schauderte es ab der riesigen Bürokratie um die Sache, als sie den Zeitungsartikel dazu las. Wie die bz berichtete, wurde sie nun im nationalen Parlament aktiv: «Wie kann unbürokratisch und schnell eine Lösung gefunden werden, damit die Doppeletikettierung zum Standard wird?», will sie vom Bundesrat wissen.

«Bei Transparenz verstehe ich das Problem nicht»

Denn heute behindere die Bürokratie den Klimaschutz, fördere Food Waste und belaste die Bilanz von KMU-Metzgereien unnötig. «Natürlich erwartet frische Ware, wer zum Metzger geht», sagt Schneeberger gegenüber der «bz», «ist sie aber transparent ausgewiesen, verstehe ich das Problem nicht.»

Im Lebensmittelbereich gebe es wohl einige solche Fälle. Daher soll der Bundesrat nun umfassend entsprechende Regelungen im Nahrungsmittelbereich anschauen.

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