Aktualisiert 01.04.2010 22:40

WestafrikaMeuterei in Guinea-Bissau

In Guinea-Bissau haben Soldaten Ministerpräsident Carlos Gomes Junior und den Chef der Streitkräfte, Zamora Induta, festgenommen.

Der stellvertretende Generalstabschef, Antonio Indjai, wurde von den Meuterern mit der Aufgabe betraut, «die Lage in den Griff zu bekommen». General Indjai sagte der Nachrichtenagentur AFP per Telefon, er wolle gegen Regierungschef Carlos Gomes Junior wegen dessen «Verbrechen» einen Prozess anstrengen.

Auch der bisherige Generalstabschef Induta müsse «für alle seine Verbrechen bezahlen». Der Regierungschef werde getötet, sollten die «Zusammenrottungen» der Regierungsanhänger auf den Strassen nicht aufhören, sagte er auf einer Pressekonferenz.

Soldaten hatten Gomes am frühen Morgen festgenommen und abgeführt, später aber in seine Residenz gebracht. In der Nähe der Residenz versammelten sich Anhänger des Ministerpräsidenten, die dessen Freilassung forderten. «Wir wollen keinen Putsch mehr» und «Wir sterben für dich», skandierten sie nach Augenzeugenberichten.

Die Demonstranten wurden von Soldaten auf Abstand gehalten. Der bisherige Generalstabschef und die 40 Offiziere wurden nach Militärangaben zu einem Luftwaffenstützpunkt in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt Bissau gebracht und dort festgehalten.

Streit um Ex-Marine-Chef

Der Putsch stand nach Angaben von Beobachtern in Zusammenhang mit einem Streit um Ex-Marine-Chef, José Américo Bubo Na Tchute, der als Verbündeter Indjais und als Gegner Indutas gilt. Bubo Na Tchute sei von bewaffneten Militärs aus dem Quartier der UNO-Friedensmission in Bissau geholt worden, wo er nach seiner Rückkehr aus dem Exil Zuflucht gefunden hatte.

Bubo Na Tchute wird eines Putschversuchs im Jahr 2008 bezichtigt. Er sagte nun, Gomes Junior und Induta müssten sich wegen Verbrechen gegen die Bevölkerung vor Gericht verantworten. Er sei bereit, für seine Sache «Grausamkeiten zu begehen».

Präsident Malam Bacai Sanhá relativierte in einer späten Reaktion die Ereignisse und sprach von einer «Meinungsverschiedenheit unter Militärs». «Wir werden arbeiten, um die Lage zu beruhigen und das bestehende Problem zu lösen».

Soldaten hatten Sanhás Vorgänger João Bernardo Vieira am 2. März 2009 ermordet, einen Tag nachdem der Armeechef des Landes, Indutas Vorgänger Tagmé Na Waié, von einer Bombe getötet worden war. Drei Monate später wurde Sanhá zum Präsidenten gewählt.

Zahlreiche Putschversuche

Die USA und Portugal forderten die «umgehende Rückkehr» zur verfassungsmässigen Ordnung in Guinea-Bissau. Der französische Aussenminister Bernard Kouchner verurteilte die Meuterei als «Staatsstreich».

Auch die Afrikanische Union (AU) zeigte sich «tief besorgt». Alle Kräfte in Guinea-Bissau müssten sich an die Verfassung halten, forderte die Gemeinschaft in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba.

Der afrikanische Kleinstaat gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Seit seiner Unabhängigkeit von Portugal 1973 hat Guinea-Bissau zahlreiche Umsturzversuche durch das Militär erlebt. Auch die Drogenmafia trägt zur Destabilisierung bei. Die UNO sieht in Guinea- Bissau eines der wichtigsten Transitländer für den Drogenhandel von Südamerika nach Europa. (sda)

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