Aktualisiert 22.04.2014 12:36

Bewegende TrauerfeierMexiko erweist García Márquez die letzte Ehre

Vier Tage nach dem Tod von Gabriel García Márquez haben Zehntausende Abschied vom kolumbianischen Erfolgsautor genommen. Sie versammelten sich in Mexiko-Stadt beim Palast der Schönen Künste.

In einer bewegenden Zeremonie hat Mexiko am Montag Abschied genommen von Gabriel García Márquez. Die Urne des verstorbenen kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers wurde im Palacio de Bellas Artes (Palast der Schönen Künste) aufgestellt. Zur Trauerfeier für García Márquez wurden auch Präsident Enrique Peña Nieto und sein kolumbianischer Kollege Juan Manuel Santos erwartet. Während der Zeremonie erklangen klassische Musikstücke, die der Autor besonders schätzte.

«Wir kommen als Bewunderer und Freunde Gabos aus allen Ecken des Planeten», sagte Kolumbiens Staatschef Santos in seiner Grabrede über García Márquez. «Er wird in seinen Büchern und Schriften weiterleben. Aber vielmehr noch wird er ewig in den Hoffnungen der Menschheit weiterleben.» Sein Kollege Nieto bezeichnete den Tod des Autors als «einen grossen Verlust, nicht nur für die Literatur, sondern für die Menschheit». Unzählige Generationen hätten in seinen Geschichten Antworten auf die Fragen des Lebens gefunden.

Die gelbe Rose

Direkt neben der Urne lag eine einzelne gelbe Rose – die Lieblingsblume des Schriftstellers. García Márquez' Witwe Mercedes Barcha sowie seine Söhne Rodrigo und Gonzalo eröffneten die Ehrenwache im Foyer des Prachtbaus im historischen Zentrum der mexikanischen Hauptstadt. Die Familie wurde von rund 700 Bewunderern des Verstorbenen vor dem Gebäude erwartet.

Bereits Stunden vor Beginn der Trauerfeier hatten sich lange Schlangen vor dem Palast gebildet. Viele Verehrer des Schriftstellers brachten gelbe Blumen mit und sangen das Lied «Macondo» über das Dorf in seinem berühmten Roman «Hundert Jahre Einsamkeit».

Beisetzungsort unklar

García Márquez gilt als der meistgelesene Autor Lateinamerikas. Sein 1967 erschienenes bekanntestes Werk «Hundert Jahre Einsamkeit», eine Saga um eine Familie an der kolumbianischen Karibikküste im 19. und 20. Jahrhundert, wurde in 35 Sprachen übersetzt und mehr als 30 Millionen Mal verkauft. Den Literaturnobelpreis erhielt er 1982.

García Márquez war am vergangenen Donnerstag im Alter von 87 Jahren in Mexiko-Stadt gestorben. Seine Leiche wurde in einer privaten Zeremonie eingeäschert. Wo die Urne beigesetzt wird, war zunächst unklar. Am Dienstag ist eine Trauerfeier in der Kathedrale der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá geplant.

«Grosser Verlust für lateinamerikanische Kultur»

«Es ist ein komisches Gefühl», sagte der Kolumbianer Luis Alexander Bermúdez, der seit zwölf Jahren in Mexiko lebt. «Es ist Freude, weil er ein Mensch war, der unsere beiden Länder und ganz Lateinamerika verbunden hat. Und es ist Trauer, weil es ein grosser Verlust für die lateinamerikanische Kultur ist.»

Seit Jahrzehnten lebte García Márquez in seiner Wahlheimat Mexiko. In seinem kolumbianischen Geburtsort Aracataca fand eine symbolische Beerdigungsfeier für den Schriftsteller statt. In Kolumbien soll es diese Woche zudem einen Lesemarathon mit García Márquez' Werk «Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt» geben.

(sda)

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