Schweinegrippe: Mexiko sehnt sich nach normalem Alltag
Aktualisiert

SchweinegrippeMexiko sehnt sich nach normalem Alltag

Die mexikanische Regierung sieht die Schweinegrippe auf dem Rückzug. Die H1N1-Influenza habe ihren Höhepunkt erreicht, sagte Gesundheitsminister José Ángel Córdova. Die Epidemie befinde sich in der abklingenden Phase.

Trotzdem gaben die mexikanischen Behörden noch keine Entwarnung. Die Zahl der Schweinegrippe-Toten stieg weiter an. Das Influenza-Virus vom Typ A/H1N1 sei inzwischen in 22 Fällen als Todesursache und bei 590 Erkrankten nachgewiesen worden, sagte Córdova.

Bei den 22 Toten handelte es sich um 15 Frauen und sieben Männer. Die meisten der Opfer stammten aus der Hauptstadt Mexiko-Stadt. Zuletzt war von 19 Toten und 487 Erkrankten die Rede gewesen.

Sehnen nach Normalität

Mexiko hatte als Konsequenz aus der Schweinegrippe von Freitag an das öffentliche Leben ruhen lassen. Marcelo Ebrard, Bürgermeister von Mexiko-Stadt, sagte, dass die Einwohner voraussichtlich am Donnerstag wieder zu einem normalen Alltag übergehen könnten. Dabei müssten sie allerdings noch bestimmte Vorsichtsmassnahmen beachten.

Ganz Mexiko sehnt sich nach einem normalen Alltag. Zahlreiche Menschen gingen am Sonntag trotz abgesagter Messen zur Kirche. Mehrere Gottesdienste wurden im Freien gefeiert.

Das Fernsehen übertrug die Messe der Kathedrale von Mexiko-Stadt, die dort unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten wurde. Ein Pater organisierte in der Hauptstadt zudem Hausbesuche von Geistlichen bei Kranken und besorgten Familien.

Zuversicht in den USA

Die neue US-Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius zeigte sich ebenfalls «vorsichtig optimistisch» über eine Eindämmung der Schweinegrippe. Keinesfalls dürften die Anstrengungen zur Eindämmung der Epidemie aber nachlassen, sagte sie dem Sender CBS.

Nach Behördenangaben wurde das Virus in den USA inzwischen bei 226 Grippe-Patienten in 30 der 50 Bundesstaaten nachgewiesen. Am Samstag lag die Zahl der Krankheitsfälle noch bei 160, die Zahl der betroffenen Bundesstaaten bei 21.

«Man muss die Dinge ins Verhältnis setzen», sagte der Leiter des US-Zentrums für Krankheitsüberwachung und Vorbeugung, Richard Besser, dem TV-Sender Fox. An der jährlichen Grippewelle stürben in den USA 36 000 Menschen.

Verletzte in Ägypten

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde das Virus bisher in mindestens 18 Ländern nachgewiesen. Inzwischen bestätigte auch El Salvador erste Erkrankungsfälle. In Kanada, dem hinter Mexiko und den USA am drittstärksten betroffenen Land, stieg die Zahl der Infizierten auf 101.

Dort war am Samstag erstmals eine Übertragung von Mensch auf Tiere nachgewiesen worden. China setzte daraufhin den Import von Schweinefleisch aus der kanadischen Provinz Alberta aus.

In Ägypten kam es wegen einer umstrittenen Massenschlachtung zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Schweinezüchtern und Sicherheitskräften. Dabei wurden mindestens sieben Polizisten und acht Demonstranten verletzt.

Sehen Sie sich H1N1 Schweinegrippe auf einer grösseren Karte an Rosa: Verdachtsfälle / Lila: Bestätigte Fälle / Gelb: Negative FälleSymbole ohne Punkt: Todesfälle

(sda)

Pandemie-Warnstufen der WHO

Die Weltgesundheitsorganisation hat wegen der Schweinegrippe ihr Warnsystem auf die zweithöchste Alarmstufe fünf angehoben. Insgesamt gibt es sechs Pandemie-Stufen:

Stufe 1 - geringes Risiko: Keine neuen Influenzavirus-Subtypen.

Stufe 2 - höheres Risiko: Ein Subtyp zirkuliert im Tierreich.

Stufe 3 - pandemische Warnperiode: Die Tierkrankheit breitet sich aus. Vereinzelt stecken sich auch Menschen an.

Stufe 4: Kleinere Herde von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen werden festgestellt. Noch ist das Virus nicht sehr gut an den Menschen angepasst.

Stufe 5: Es kommt zu Mensch-zu-Mensch-Übertragungen in grösserer Zahl. In dieser Phase ist das Virus besser an den Menschen angepasst.

Stufe 6 - Pandemie-Periode: Ein Virus wird weltweit in der gesamten Bevölkerung von Mensch zu Mensch übertragen.

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