Heizen mit Wärmepumpen - «Mich fasziniert die Technik»
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Heizen mit Wärmepumpen«Mich fasziniert die Technik»

Roland Zobrist installierte früher Ölheizungen, heute vermittelt er aus Überzeugung Wärmepumpen-Systeme. Der Wandel hat auch sonst sein Umweltbewusstsein geschärft.

von
Jan Graber
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Roland Zobrist leitet das KMU Vorburger AG in Aarau. 

Roland Zobrist leitet das KMU Vorburger AG in Aarau.

Jan Graber
Bei Wärmepumpen handelt es sich um komplexe Systeme, die auf die Gegebenheiten im Haus angepasst sein müssen.

Bei Wärmepumpen handelt es sich um komplexe Systeme, die auf die Gegebenheiten im Haus angepasst sein müssen.

Vorburger AG
Wärmepumpen-Systeme müssen deshalb gut geplant sein.

Wärmepumpen-Systeme müssen deshalb gut geplant sein.

Vorburger AG

Darum gehts

  • Wie aus einem Ölheizungsinstallateur ein überzeugter Wärmepumpen-Spezialist wurde.

  • Wärmepumpen brauchen eine gute Planung und sind am Anfang teuer.

  • Auf die Dauer werden sie bis zu einem Drittel billiger.

«Meine Arbeit hat sich grundlegend geändert», sagt Roland Zobrist mit einem Blick auf den Bildschirm. Darauf: Fotos von Wärmepumpen-Installationen. Früher habe eine Meldung an den Kaminfeger gereicht, danach sei die neue Ölheizung installiert worden. Das war günstig, schnell und einfach; deshalb sind fossile Heizungssysteme auch heute noch in der Überzahl. Laut Bundesamt für Statistik werden aktuell rund 60 Prozent der Häuser mit Öl oder Gas beheizt.

«Ein Wärmepumpensystem braucht dagegen mehr Planung», sagt Zobrist. Er ist Geschäftsleiter der Kurt Vorburger AG in Aarau-Rohr – einem KMU mit fünfzig Mitarbeitenden. Aus der Werkstatt im Parterre hört man Hämmern, im oberen Stockwerk erklärt Zobrist, wie er vom Installateur von Ölheizungen zum überzeugten Vermittler von Wärmepumpen wurde.

Höhere Kosten zu Beginn – rentabel danach

Sein Wandel sei vor rund fünfzehn Jahren gekommen. «Das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung nahm zu, auch bei mir», sagt der gelernte Heizungs- und Sanitärinstallateur. Ihm sei bewusst geworden, dass man fossile Energieträger für Sinnvolleres als fürs Heizen einsetzen sollte. Ihn faszinierte zudem die schnell fortschreitende Technik der Wärmepumpen und deren viele Möglichkeiten. Zobrist liess sich weiterbilden und wechselte auch beruflich die Tischseite: Statt selber Heizungen zu installieren, leitete er fortan Projekte, übernahm die Geschäftsleitung der Firma und kümmert sich um Beratung und Verkauf. «Früher benötigte man kaum eine Beratung», sagt er. Ölheizungen waren einfach zu planen und es war klar, dass man entweder mit Öl oder Gas heizte.

«Fossile Energieträger kann man für Sinnvolleres als fürs Heizen einsetzen.»

Bei Wärmepumpen handelt es sich hingegen um komplexe Systeme. «Wir schauen Sanierungen oder Neuinstallationen ganzheitlich an», sagt er. Ein falsch dimensioniertes System führe eher zu Problemen. Betreibt man zum Beispiel zusätzlich eine Photovoltaik-Anlage, muss diese intelligent integriert sein. Fragen stellt er auch zur Gebäudedämmung, geplanten Anbauten, Nachbarn. Geprüft werden zudem die Wärmequellen: Ist eine effiziente Erdsonden-Wärmepumpe möglich, oder wird die Wärme aus der Luft bezogen? «Ein Wärmepumpen-System ist bei der Installation deutlich teurer», sagt Zobrist. Nach 15 bis 20 Jahren Betriebsdauer sei sie aber um einen Drittel günstiger – auch weil deutlich weniger Unterhaltskosten anfallen.

Das eigene Bewusstsein wuchs

Nicht nur für Zobrist ist klar, dass Öl- und Gasheizungen Relikte einer alten Zeit sind. «80 Prozent unserer Kundinnen und Kunden wählen heute eine Wärmepumpen-Heizung», sagt er. Nur der kleine Rest entscheide sich für Öl oder Gas. «Vor allem Leute ab 50 und die ganz Jungen sind offen für das umweltschonendere System», sagt der 43-jährige. Die Generation dazwischen sei wegen finanziellen Aspekten weniger wählerisch.
Bei Zobrist führte der Wechsel vom Ölheizungsinstallateur zum Wärmepumpen-Berater aber auch sonst zu mehr Umweltbewusstsein. Zobrist: «Ich schaue heute viel genauer hin, woher ein Produkt stammt, welche Transportwege es hinter sich hat und wie es entsorgt wird.»

So funktioniert eine Wärmepumpe

Die Wärmepumpe ist im Grund ein umgekehrter Kühlschrank. Statt die warme Luft mit Strom herunter zu kühlen und Wärme an die Aussenwelt abzugeben, nutzt die Wärmepumpe die Wärme aus der Umgebung: Die Wärme wird verdampft (falls nicht schon als Luft vorhanden) und mit Hilfe elektrischer Energie und einem Kompressor ähnlich wie in einem Dampfkochtopf verdichtet und erhitzt. Die Wärme kann das System aus drei Quellen beziehen: aus der Luft, dem Grundwasser oder dem Erdreich. Die Wärmepumpe bezieht bis zu drei Viertel der Wärme aus natürlichen Quellen in der Umgebung. Nur ein kleiner Teil der Energie muss für den Antrieb zugeführt werden. Damit verursacht die Wärmepumpe 90 Prozent weniger CO2-Emissionen als eine Ölheizung.

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