Community - «Mich verletzte, dass mein Vater Fotos von mir postete, ohne mich zu fragen»
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Community«Mich verletzte, dass mein Vater Fotos von mir postete, ohne mich zu fragen»

Auch Kinder haben ein Recht am eigenen Bild. Prominentestes Beispiel dieses Disputs ist die Klage des ehemaligen «Nirvana-Babys». Der Umgang mit Kinderfotos in Zeiten von Social Media beschäftigt die 20-Minuten-Community.

von
Anja Zingg
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Bekannt wurde er als Baby auf dem Nirvana-Cover, jetzt verklagt er die Band. 

Bekannt wurde er als Baby auf dem Nirvana-Cover, jetzt verklagt er die Band.

20min/Celia Nogler
Wie sollen Eltern mit den Bildern ihres Nachwuchses umgehen?

Wie sollen Eltern mit den Bildern ihres Nachwuchses umgehen?

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«Eltern unterschätzen, wo die Bilder landen könnten, wenn sie auf Social Media geteilt werden», sagt Regula Bernhard Hug, Leiterin Geschäftsstelle von Kinderschutz Schweiz.

«Eltern unterschätzen, wo die Bilder landen könnten, wenn sie auf Social Media geteilt werden», sagt Regula Bernhard Hug, Leiterin Geschäftsstelle von Kinderschutz Schweiz.

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Darum gehts

  • Spencer Elden, der als Baby auf dem Nirvana-Cover war, verklagt die Band auf Schadenersatz.

  • Wie Eltern die Fotos ihrer Kinder nutzen sollen, beschäftigt auch die 20-Minuten-Community.

  • Der Vater von Leserin M. P.* (25) stellte Kinderbilder von ihr online. Für sie sei das verletzend gewesen.

  • Kinderschutz Schweiz warnt davor, unüberlegt Kinderfotos zu posten.

Spencer Elden ist eines der berühmtesten Babys der Welt. Vor 30 Jahren zierte er das Cover des Nirvana-Albums «Nevermind». Elden selbst sagt, dass er noch heute darunter leidet. Diese Woche wurde bekannt, dass er die Band auf Schadenersatz verklagt.

Eldens Geschichte ist wohl einmalig. Doch der Umgang mit Kinder- und Babyfotos beschäftigt im Zeitalter von Social Media viele. Für M. P.* (25) war es eine belastende Situation, als ihr Vater Fotos von ihr auf Facebook geladen hatte. «Als ich mit 15 Jahren ein Facebook-Profil anlegte, sah ich sie zum ersten Mal.» Sie sei überrascht und auch verletzt gewesen, sagt M. gegenüber 20 Minuten. «Er hat jeweils Fotos gepostet, ohne mich zu fragen. Ich fühlte mich übergangen.»

Einige Bilder seien ihr peinlich gewesen. «Da waren Fotos dabei, die ich nie veröffentlicht hätte. Und mein Vater hatte viele Freunde und Bekannte auf Facebook.» Mit 17 habe sie ihm gesagt, er solle die Bilder löschen. «Zuerst wollte er nicht, denn er fand es gar nicht schlimm.» Zum Glück habe er nachgegeben.

Schwachstelle Nutzer und Plattform

Regula Bernhard Hug, Leiterin Geschäftsstelle Kinderschutz Schweiz, findet klare Worte: «Ab der Sekunde, ab der ein Foto online gestellt wird, hat man keine Kontrolle mehr darüber.» Es brauche nur eine Person, die einen Screenshot mache und ihn an Freunde oder Freundinnen sende. «Das kann ein Gotti sein, das ein Bild besonders herzig findet. Und dies ohne böse Absichten an jemanden weitersendet.»

Nebst der Schwachstelle «Nutzer» kritisiert Bernhard Hug auch die Plattformen. «Es ist bekannt, dass bei vielen sozialen Medien die Datensicherheit nicht gewährleistet ist.»

Auch Leserin S. B.* ist gegen eine Veröffentlichung von Babyfotos: «Ich bin der Meinung, kein Kind gehört ins Internet. Eltern, sowie Verwandte und Freunde müssen ein Kind respektieren und nicht über dessen Kopf entscheiden, dass Fotos für alle öffentlich gemacht werden. Auch hat es für mich mit Verantwortung zu tun und um die Sicherheit des Kindes zu schützen.»

Instabilder auf Pädo-Plattformen

Bilder, die auf Social Media gepostet werden, können auf Plattformen für Pädokriminelle landen. Das zeigt die Recherche eines deutschen Magazins. Auf einer riesigen Foto-Plattform für Pädokriminelle stammte jedes vierte Foto ursprünglich von Facebook und Instagram.

«Viele Eltern sind sich nicht bewusst, dass sich Pädokriminelle an Bildern aus dem Internet, von Social Media oder auch von Websites bedienen, und diese auf solchen Seiten landen können», sagt Regula Bernhard Hug vom Kinderschutz Schweiz.

Ist das Bild im Interesse des Kindes?

Was auch oft unterschätzt werde: Was man online alles herausfinden kann. «Zum Beispiel wenn ein vermeintlich harmloses Foto einer Fussballmannschaft gepostet wird.» Daraus lasse sich viel Information herauslesen, zum Beispiel der Wohnort oder je nach Trikot oder Bildlegende gar der vollständige Name.

Bernhard Hug empfiehlt Eltern, sich vor dem Posten oder Versenden folgende Frage zu stellen: «Nützt es meinem Kind, wenn ich dieses Bild poste?» Meistens laute die Antwort nein. «Viele Personen posten für sich selbst, und nicht im Interesse der Kinder.»

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

Oder bist du oder ist jemand, den du kennst, von Cybercrime betroffen?

Meldestellen:

Aufklärung:

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