Aktualisiert 02.10.2012 15:19

Karrierenende

Michael Ballack zieht einen Schlussstrich

Lange hat er sich nach seinem Aus bei Bayer Leverkusen Zeit zum Überlegen gelassen. Nun hat Michael Ballack eine definitive Entscheidung getroffen: Der Ex-Captain der deutschen Nationalelf tritt zurück.

von
mon

Michael Ballack hat genug. Er zieht sich mit 36 Jahren aus dem Fussballgeschäft zurück. Zumindest als aktiver Spieler. Wie «Bild.de» berichtet, liess der ehemalige Captain der deutschen Nationalmannschaft über seinen Anwalt ausrichten, dass er seine Karriere beendet.

Bis zum Sommer stand der Mittelfeldspieler bei Bayer Leverkusen unter Vertrag, kam dort aber seit seiner Rückkehr aus England 2010 nie so richtig in Fahrt. Nach dem Aus beim Bundesligisten überlegte sich Ballack, seine Karriere in Übersee ausklingen zu lassen. Zuletzt wurde er mit den Western Sydney Wanderers aus der australischen A-League in Verbindung gebracht.

Nun aber hat sich der torgefährlichste Mittelfeldspieler einer deutschen Auswahl (42 Tore in 98 Länderspielen) also entschieden, einen Schlussstrich zu ziehen. Ballack: «Mit 36 Jahren blicke ich auf eine lange und wunderbare Zeit im Profifussball zurück, von der ich als Kind nie zu träumen gewagt hätte. Es war ein Privileg, mit erstklassigen Trainern und fantastischen Mitspielern zusammenzuarbeiten. Sicher wird es mir fehlen, nicht mehr vor 80 000 Fans zu spielen oder ein Tor zu schiessen.» Die letzten Monate ohne aktiven Fussball hätten ihm aber gezeigt, dass die Zeit reif sei, aufzuhören. «Ich freue mich jetzt auf ein neues Kapitel in meinem Leben und danke meiner Familie und all den grossartigen Menschen, die mich gefördert, gefordert, begleitet und unterstützt haben. Sie alle haben grossen Anteil an meinem Erfolg.»

Zum Einstieg ein Meistertitel

Ballack lancierte seine Karriere in der Saison 1997/98 beim 1. FC Kaiserslautern - und gewann in seiner Debütsaison prompt den Meistertitel. Zwei Jahre später wechselte er zu Bayer Leverkusen, wo er endgültig den Durchbruch schaffte. Der Mittelfeldspieler war während drei Jahren der Kreativakteur des Bundesligisten, schoss 27 Liga-Tore und 9 weitere in europäischen Wettbewerben.

Hier begann Ballack aber auch mit dem Sammeln von Vize-Meistertiteln, bis heute haftet ihm der Ruf des ewigen Zweiten an: Zweimal wurde Ballack mit Leverkusen Vize-Meister, einmal verschuldete er gar mit einem entscheidenden Eigentor den Verlust der Meisterschaft. 2002 war er mit Leverkusen im Champions-League-Final - doch für den grossen Coup reichte es nicht.

Titel mit Bayern und Wechsel auf die Insel

Im selben Jahr wechselte Ballack zu Liga-Konkurrent Bayern München, wo er mehr Erfolg hatte: In vier Jahren holte er mit dem Rekordmeister dreimal das Double. 2006 zog es den damaligen Captain der deutschen Nationalmannschaft dann auf die Insel. Der FC Chelsea hatte angeklopft. Mit den «Blues» schaffte es der Mittelfeld-Akteur 2008 zum zweiten Mal in den Final der Königsklasse - doch wieder hatte Ballack das Nachsehen. Manchester United gewann im Penaltyschiessen. Immerhin holte der Deutsche in seiner letzten Saison bei Chelsea 2010 noch den Meistertitel – bevor er den Klub verlassen musste. Es folgte die Rückkehr nach Leverkusen.

Kein Titel mit der Nationalelf

In der Nationalmannschaft debütierte Ballack am 28. April 1999 gegen Schottland. Es folgten insgesamt 98-Einsätze für die DFB-Elf, in welchen er 42 Tore erzielte. Ballack bestritt drei Europa- und zwei Weltmeisterschaften, nach der Euro 2004 wurde er zum Captain des Nationalteams ernannt. Eine Bilderbuchkarriere - mit einem Manko: Auch - oder besonders - mit dem Nationalteam schrammte Ballack an den Titeln vorbei. 2002 Vize-Weltmeister (bitter: im Final war der Leitwolf der Deutschen gesperrt), 2008 Vize-Europameister. Dazu der 3. Platz an der WM 2006 im eigenen Land.

Hart war das Verpassen der WM 2010 in Südafrika: Ballack zog sich kurz vor dem Turnier einen Bänderris zu. Nachdem er sich wenig später erneut verletzte, verkündete Bundestrainer Joggi Löw Mitte Juni 2011, dass er künftig ohne den Routinier plane. Als der Coach Ballack ein Abschiedsspiel offerierte, warf dieser Löw Scheinheilligkeit vor und lehnte ab.

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