«Guide Michelin 2021» während Corona: «Michelin» verteilt Sterne für geschlossene Restaurants
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«Guide Michelin 2021» während Corona«Michelin» verteilt Sterne für geschlossene Restaurants

Der französische «Guide Michelin» hat die Sterne für das Jahr 2021 vergeben. Das, obwohl kaum ein Restaurant je wirklich kochen konnte. Neu im 3-Sterne-Olymp ist auch ein Foodtruck.

von
Lucien Esseiva

Der Lockdown in Frankreich ist hart. Es gelten Ausgangssperren von 20 Uhr bis 6 Uhr morgens, pro Tag darf man zum Spazieren, Sporttreiben oder Gassigehen nur wenige Stunden auf die Strasse und sich nur in einem kleinen Radius von zu Hause bewegen.

Paris wirkte auch schon einmal einladender als jetzt im Lockdown. 

Paris wirkte auch schon einmal einladender als jetzt im Lockdown.

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Zwischen 20 Uhr und 6 Uhr gilt eine Ausgangssperre, die von Polizeileuten kontrolliert wird. 

Zwischen 20 Uhr und 6 Uhr gilt eine Ausgangssperre, die von Polizeileuten kontrolliert wird.

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Shops sind geschlossen, genauso wie Restaurants. 

Shops sind geschlossen, genauso wie Restaurants.

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Restaurants sind seit März 2020 (mit Unterbrechungen) geschlossen. Trotzdem liess es sich der renommierte Gourmet-Führer «Guide Michelin» nicht nehmen, Sterne für die besten Gastro-Betriebe des Landes zu vergeben. Das erstaunt, zumal kein Lokal 2020 wirklich zeigen konnte, was es kann.

«Wir wollten keinen weissen Michelinführer nach einem schwarzen Jahr.»

Für Gwendal Poullennec, internationaler «Michelin»-Chef, ist die Ausgabe 2021 ein Zeichen der Hoffnung für die Gastronomie. «Wir wollten keinen weissen, leeren Michelinführer nach einem schwarzen Jahr», sagte Poullennec gegenüber der deutschen «Tagesschau». Die Inspektoren hätten zwar nur wenige Monate zum Testen gehabt, die Qualität der Küche habe dennoch überzeugt.

Aber reichen ein paar Monate für eine fundierte Bewertung im wichtigsten Gastro-Führer der Welt? «Unsere Inspektoren haben dieselben Kriterien angewandt wie immer und damit hat der neue ‹Guide Michelin› denselben Wert wie seine Vorgänger», betont Poullennec in der «Tagesschau». Mehr noch: es sei «ein sehr gutes Jahr. Mit Vielfalt, Talent und Jugend in allen französischen Regionen.»

Foodtruck aus Marseille neu mit 3 Sternen

Spitzenkoch Alexandre Mazzia und sein Foodtruck vom Restaurant AM in Marseille sind neu mit drei «Michelin»-Sternen ausgezeichnet. Die Ehre rührte den Koch zu Tränen. 

Spitzenkoch Alexandre Mazzia und sein Foodtruck vom Restaurant AM in Marseille sind neu mit drei «Michelin»-Sternen ausgezeichnet. Die Ehre rührte den Koch zu Tränen.

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54 Restaurants tragen neu einen «Michelin»-Stern, 30 Lokale sind mit der Höchstwertung von drei Sternen ausgezeichnet. Neuster Zugang ist das AM von Alexandre Mazzia in Marseille. Weil auch sein Restaurant im Lockdown schliessen musste, kochte er seine Spitzenmenüs einfach auf der Strasse in einem Foodtruck. Bei der Verkündung brach der Koch in Tränen aus.

Als bester junger Chefkoch des Landes wurde der 28-jährige Mory Sacko ausgezeichnet, der sein Restaurant Mosuke in Paris erst im September letzten Jahres eröffnet hat. Der Franko-Senegalese überzeugte die Tester mit afrikanischer Küche mit japanischem Einschlag.

Wenige Sterne gingen verloren

Als das Restaurant L’ Auberge du Pont de Collonges in Collonges-au-Mont-d'Or in der Nähe von Lyon letztes Jahr auf zwei Sterne heruntergestuft wurde, ging ein Aufschrei durchs Land. Immerhin handelt es sich um das einstige Lokal von Paul Bocuse – dem wohl bekanntesten französischen Koch aller Zeiten. 

Als das Restaurant L’ Auberge du Pont de Collonges in Collonges-au-Mont-d'Or in der Nähe von Lyon letztes Jahr auf zwei Sterne heruntergestuft wurde, ging ein Aufschrei durchs Land. Immerhin handelt es sich um das einstige Lokal von Paul Bocuse – dem wohl bekanntesten französischen Koch aller Zeiten.

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«Michelin»-Chef Gwendal Poullennec gilt als harter Hund. So hat er letztes Jahr den französischen Jahrhundertkoch Paul Bocuse von drei auf zwei Sterne heruntergestuft. Die Krise schien Poullennec dieses Jahr aber etwas milde zu stimmen – nur wenige Lokale verloren einen Stern. Gleichzeitig nahm «Michelin» die Krise zum Anlass für Neuerungen. In der aktuellen Ausgabe sind 33 Lokale gelistet, die für ihre nachhaltige Bioküche ausgezeichnet sind.

«Michelin»-Chef Gwendal Poullennec schaut sich unter dem Eiffelturm sein aktuellstes Werk an.

«Michelin»-Chef Gwendal Poullennec schaut sich unter dem Eiffelturm sein aktuellstes Werk an.

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Mit der Sterne-Vergabe zeichnet sich für die französische Gastronomie ein Licht am Ende des Tunnels ab. Staatspräsident Emmanuel Macron liess verlauten, dass die Lokale voraussichtlich am 20. Januar wieder öffnen dürfen.

Deine Meinung

19 Kommentare
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Alik Heiri

20.01.2021, 12:54

Also ich sehe nur Sterne nach der Sperrstunde. hicks.

Brückenstein

20.01.2021, 09:32

Michelin zeigt Sein wahres Gesicht, Restaurants sind geschlossen und es werden Sterne verteilt. Profit lässt grüssen! Teuer heisst nicht = Gut, das merkt man bei Restaurants und Reifen!

TukTuk

20.01.2021, 04:50

Wer am längsten schliesst, bekommt drei Sterne???