Aktualisiert 19.06.2012 06:29

«Surface»

Microsoft bringt eigenen Tablet-PC raus

Mit Spannung war auf die neuste Enthüllung aus dem Hause Microsoft gewartet worden. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: «Surface» soll dem iPad Konkurrenz machen. Der Name hat eine lange Vorgeschichte.

Der US-Softwarekonzern Microsoft stösst mit «Surface» in den Tablet-Markt vor. Das mobile Gerät wurde am Montag (Ortszeit) in einer kurzfristig angekündigten Pressekonferenz in Los Angeles vorgestellt. «Surface» kommt in zwei Versionen: Eine ist für den Heimgebrauch gedacht und wird von Windows RT betrieben, die andere für den professionellen Gebrauch mit dem gleichen Betriebssystem wie PCs.

Beide Geräte haben ein 10-Zoll-HD-Display. Das Gerät für den Heimgebrauch ist mit 9,33 Millimetern einen Hauch dünner als das iPad von Apple und wiegt mit rund 680 Gramm ein bisschen mehr. Die Pro-Variante ist 13,5 Millimeter dick und wiegt gut 900 Gramm. «Doch es ist wie ein richtiger PC», sagte Microsoft-Manager Michael Anguilo bei der Präsentation.

Aber Microsoft konzentriert sich vor allem auf zwei Features im Marketing, wie ein am Montag veröffentlichtes Video zeigt. «Surface» verfügt über einen «Kickstand», der das Gerät aufrecht halten soll. Er kann an der Rückseite des Tablets ausgeklappt werden. Die zweite Besonderheit ist ein sogenanntes «TouchCover», das nicht nur das Display schützt, sondern ausgeklappt funktioniert wie eine Tastatur. Die Pro-Version kann nicht nur mit Berührungen von Fingern, sondern auch mit einem elektronischen Stift bedient werden.

Die Preisfrage

Microsoft sieht das Tablet als «Bühne für Windows 8». Das neue Betriebssystem wurde radikal verändert, und kommt diesen Herbst auf den Markt. «Microsoft ist es gelungen, die optimale Verwendung des neuen Betriebssystem zu demonstrieren», sagte Carolina Milanesi, Mobil-Analystin des Marktforschers Gartner, der Nachrichtenagentur dapd.

Microsoft biete somit nicht nur ein Vorbild für andere Hardware, die unter Windows 8 läuft. «Es ist auch eine High-End-Variante eines Windows-Tablets», sagte Milanesi. Auch Kollege Tom Mainelli der Marktforschungsfirma IDC war nach eigenen Worten beeindruckt von den Innovationen. Microsoft «nimmt sein Schicksal selbst in die Hand», sagte er.

«Surface» wird noch in diesem Jahr erwartet. Wann genau die Geräte auf den Markt kommen und wie viel sie kosten, wurde nicht bekannt gegeben. Windows-Chef Steven Sinofsky sagte bei der Vorstellung lediglich, dass die Preise mit denen der Konkurrenz mithalten könnten.

«Um ernst genommen zu werden, muss es («Surface») günstiger als 499 Dollar sein», sagte Analyst Mainelli der dapd. 499 Dollar ist der Preis des günstigsten iPads der neuesten Generation von Apple. Anders sehe das bei der Pro-Variante aus, die Ähnliches wie ein Ultrabook leiste. «Das wird mehr kosten und darf es auch», sagte Mainelli.

Microsoft greift vor allem Android an

Grundsätzlich waren sich Analysten und Presse einig, dass Microsoft mit «Surface» zu einem Gewicht im Tablet-Markt werden könnte. «Das ist der erste glaubwürdige Konkurrent zu Android-Produkten und dem 'Kindle Fire' von Amazon», sagte Analystin Milanesi. Dass Microsoft Apple Kunden abjagen könnte, glaube sie jedoch nicht.

Der Tablet-Markt ist Forschungsfirmen zufolge dieses Jahr stark gewachsen. 107 Millionen Tablets würden 2012 verkauft, sagt die Marktforschungsfirma IDC voraus. Mehr als 62 Prozent davon gehen der Studie zufolge an Apple. Gut 36 Prozent der verkauften Tablets werden mit Googles Android-System betrieben. Doch diese Rechnung wurde vor der heutigen Präsentation von Microsoft gemacht.

Bekannter Name

Microsofts Produktebezeichnung «Surface» dürfe einigen bekannt vorkommen. Bereits 2007 hatte der US-Konzern einen Tisch-Computer mit 30-Zoll-Touchscreen unter dem gleichem Namen vorgestellt. Das Gerät, das zu Beginn 12 500 Dollar kostete, wurde ab 2008 ausschliesslich an Firmenkunden wie Restaurants, Hotels und andere Unternehmen verkauft. Dieser ursprüngliche Surface-Computer funktioniert nicht wie moderne Touchscreens. Die Fingerbewegungen werden von Kameras am Rand des Geräts aufgezeichnet und in entsprechende Steuerbefehle umgesetzt.

(Quelle: youtube.com/GerbilGod7)

2011 stellte Microsoft die zweite Surface-Generation vor, die zusammen mit Samsung entwickelt wurde. Nun basierte das Gerät auf Windows 7 und wurde über die sogenannte PixelSense-Technologie mit der Hand gesteuert.

Wie nun «CNet» berichtet, ist dieser bisherige Surface-Computer umgetauft worden. Er heisst neu PixelSense. (dapd)

Die fünf grössten Hersteller von Tablets im vergangenen Jahr:

- Apple, Hersteller des iPad, weltweit 40,5 Millionen ausgelieferte Exemplare, 62 Prozent Marktanteil.

- Samsung, Hersteller des Galaxy line, 6,1 Millionen, neun Prozent.

- Amazon, Hersteller des Kindle Fire, 3,9 Millionen, sechs Prozent.

- Barnes & Noble, Hersteller des Nook, 3,3 Millionen, fünf Prozent.

- AsusTek, Hersteller des Transformer, 2,1 Millionen, drei Prozent.

- Andere, 9,4 Millionen, 14 Prozent.

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