Futter für die Xbox-360: Microsoft enthüllt die Xbox-Games für 2012
Aktualisiert

Futter für die Xbox-360Microsoft enthüllt die Xbox-Games für 2012

Zur Präsentation seiner neusten Games lud Microsoft nach San Francisco. Vom Blockbuster «Halo 4» war wenig zu sehen, dafür überzeugten bislang unbekannte Spiele.

von
Michel Pescatore
San Francisco

Knapp 10 000 Kilometer war ich geflogen. Die Destination: San Francisco, das sogenannte Spring Showcase von Microsoft, an dem der Xbox-360-Hersteller seine neusten Spiele-Kracher vorstellt. Oder zumindest, was die Game-Hersteller dafür halten: Versprochen waren allererste Infos zum Ego-Shooter «Halo 4» und der Rennsimulation «Forza Horizon». Beide Spiele zählen zur Kategorie todsichere Blockbuster und ich freute mich auf erste vertiefte Einblicke. Aber ich freute mich zu früh.

Angesichts der rasch näher rückenden Game-Messe E3 Anfang Sommer in Los Angeles wurde fast nichts verraten. So präsentierte das «Forza Motorsport»-Team zwar ein ultrakurzes Teaser-Video zum Spin-off «Forza Horizon». Mehr als dass es vermutlich um illegale Strassenrennen in einer frei befahrbaren Welt geht, war allerdings nicht zu erfahren. Wer mehr wissen wollte, stiess auf eisernes Schweigen.

Trailer «Forza Horizon»

(Quelle: Gametrailers.com)

«Halo 4» kommt Ende Jahr

Demgegenüber zeigte sich die «Halo»-Crew beinahe gesprächig. Lang und breit wurde erläutert, dass «Halo 4» zu Weihnachten 2012 herauskommt und dass der Master Chief mit noch besserer Grafik seine Rückkehr zelebrieren wird. Darüber hinaus? Sendepause – wer nachbohren wollte, erhielt gleich reihenweise «no comments».

Trailer «Halo 4»

War meine Reise um die halbe Welt also eine Enttäuschung auf ganzer Linie? Nicht ganz, denn auf den Streifzügen durch die Ausstellungsräume entdeckte ich etwas viel Besseres: unterhaltsame Szenarien und unvorhergesehene Juwelen.

Indie-Perlen retten den Event

Zum Beispiel «Trails Evolution», ein faszinierendes Freestyle-Motocross für den Onlinedienst Xbox Live Arcade. Das Fahrverhalten der Bikes ist so täuschend echt umgesetzt, dass ich innerhalb von wenigen Minuten erfuhr, auf wie viele gefühlte tausend Arten mein Alter-Ego stürzen kann. Oder gleich daneben das Survival-Adventure «Deadlight», in dem mich Horden von Zombies in den Bann zogen – und wenn ich nicht aufpasste auch gnadenlos in den Tod. Trotz Zombie-Aufhänger ist dies kein Spiel für Freunde wilder Metzeleien. Es setzt nicht auf Blut- und Splattereffekte, sondern auf Grips und packende Atmosphäre.

Trailer «Trials Evolution»

PC-Klassiker erobern Windows-Phones

Erfreuliche News für Möchtegern-Piraten und Hobby-Strategen bot die «Games for Windows Phone»-Abteilung: Die legendären Strategie-Klassiker «Sid Meier's Pirates», «Civilization Revolution» und «Carcasonne» sind mit Liebe zum Detail portiert worden und entpuppten sich auch auf dem Smartphone als wahre Zeitfresser.

«Mass Effect 3» für Kinect

Wegen des Abstechers in der Handy-Game-Sektion hätte ich beinahe das grosse Unterhaltungskino verpasst: die Demonstration der Kinect-Version von «Mass Effect 3». Ich platzte in die Präsentation, als ein Kollege aus Australien gerade die neuen Sprachbefehle ausprobierte. Eine Anweisung wie «Liara: first aid» ist schneller gesagt, als mühsam per Hand ausgewählt. In der Hitze des Gefechts schrie der arme Aussie aber stets nur «Medic!» anstatt «Liara: first aid!». Und biss daher prompt ins Gras, weil die Spracherkennung nur vordefinierte Befehle erkennt. Zu seinem Pech hatte die Steuerung aber auch die helfenden Rufe des Demoteams stur ignoriert – die Spracherkennung war eben gerade auf einen nicht-US-englischen Dialekt eingestellt.

Peter Molyneux: Meister der Gestik

In spirituelle Stimmung wurden die Journalisten bei Peter Molyneux und seinem neuen «Fable Journey» versetzt. Wie stets, wenn der Game-Guru anwesend ist, predigte er seine Visionen höchstpersönlich und voller Inbrunst: Spiele sollten nicht mehr «nur gespielt», sondern erlebt und entdeckt werden. Konsequenterweise lässt sich seine neuste Kreation deshalb nur noch mit der Gestensteuerung-Kinect steuern. Ob gefühlvolle Gestik begleitet von besänftigendem Murmeln oder wilde Fuchtelei untermalt mit lautstarken Kraftausdrücken: Mit eigenen Augen konnte ich zusehen, wie jeder Tester seine persönliche Gestik entwickelte und zum Dirigenten mit eigener Theatralik mutierte.

Die Überraschung des Tages lieferte aber «Steel Battalion Heavy Armor». Machte die Mechwarrior-Simulation einst mit einem monströsen, realen Cockpit-Kontroller auf sich aufmerksam, genügt ihr im neusten Streich eine Mischung aus Gamepad und Kinect-Steuerung. Meine ersten Testfahrten damit erinnerten allerdings eher an eine hektische Diskussion eines Südländers als an einen abgeklärten Panzerfahrer. Prompt löste ich dabei auch noch den Selbstzerstörungsmechanismus aus. Für Unterhaltung auf dem Schlachtfeld sorgte diesmal ich.

Trailer «Steel Battalion: Heavy Armor»

Das Fazit

Die vermeintlichen Blockbuster hatten, zumindest was den Informationsgehalt betrifft, herb enttäuscht und die 10 000-Kilometer-Reise hätte ich mir sparen können, wenn nicht die unerwarteten Highlights dafür entschädigt hätten. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge trat ich die Heimreise an.

Mitarbeit an diesem Artikel: Jan Graber

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