Testbericht: Microsoft gibt Einblick ins nächste Windows
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TestberichtMicrosoft gibt Einblick ins nächste Windows

Wer das zukünftige Betriebssystem mit dem Codenamen Windows 8 ausprobiert, stellt fest: Für die Microsoft-Entwickler sind Tablet-PCs der neue Massstab. Aber wo versteckt sich der Start-Knopf?

von
Klaus Gürtler
ap
Statt von einem weitgehend freien Desktop wird der Nutzer bei Windows 8 (so der vorläufige Codename des neuen Betriebssystems) von einem grünen Bildschirm mit vielen bunten Würfeln begrüsst.

Statt von einem weitgehend freien Desktop wird der Nutzer bei Windows 8 (so der vorläufige Codename des neuen Betriebssystems) von einem grünen Bildschirm mit vielen bunten Würfeln begrüsst.

Es ist schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig, was Microsoft da als frühe Testversion des nächsten Windows-Betriebssystems vorgestellt hat. Zumindest wenn man die bisherigen Bildschirmoberflächen (Desktops) von Windows auf dem PC gewohnt ist. Wer hingegen das Mobilfunk-Betriebssystem von Microsoft kennt, Windows Phone 7, oder sonst ein Smartphone benutzt, dem dürfte alles schon etwas vertrauter vorkommen.

Virtuelle Maschine

Statt von einem weitgehend freien Desktop wird der Nutzer bei Windows 8 (so der vorläufige Codename des neuen Betriebssystems) von einem grünen Bildschirm mit vielen bunten Würfeln begrüsst. Das erinnert sofort an die Oberfläche eines Smartphones oder Tablet-Rechners mit vielen Apps darauf. Und auch wenn das System in einer virtuellen Maschine auf dem PC installiert ist, kann man sich sofort vorstellen, dass sich das Ganze wunderbar auf dem Touchscreen nutzen lässt, wenn man mit dem Finger die Apps hin und her wischt, sie startet und beendet.

Wo ist der Start-Knopf?

Den vertrauten Windows-Start-Knopf sucht der eingefleischte PC-Nutzer hingegen zunächst vergebens. Der sieht sich nur mit lauter Würfeln konfrontiert, hinter denen verschiedene Apps stecken, also das, was früher einmal Programme waren. Und Apps gibt es für alles: für den Weg ins Internet, in die sozialen Netzwerke, fürs Arbeiten und Spielen. Und es fehlt auch nicht der App-Store, der Laden, in dem man dann in Zukunft wohl weitere Apps kaufen darf.

Benutzerfreundlichkeit mit dem Metro-Stil

Die Würfel kann man beliebig verschieben, verkleinern, vergrössern und löschen. Mit den Pfeiltasten oder der Maus kann man zwar auch auf dem PC schnell zwischen den Anwendungen wechseln, aber den Blick hat Microsoft hier vor allem auf Tablets mit einem Touchscreen gerichtet. Metro-Stil heisst die neue Benutzeroberfläche bei Microsoft.

Beim Spielen mit der Maus auf der Oberfläche taucht dann unten links aber plötzlich etwas auf, das so ähnlich aussieht wie das vertraute Startmenü. Zudem erscheinen gross in der Mitte des Bildschirms Datum und Uhrzeit. Über dem Startsymbol gibt es aber nur noch vier Dinge: Search, Share, Devices und Settings.

Interessant erscheinen hier vor allem Search, das die ganze riesige Vielfalt an Apps zeigt. Neben direkten Zugängen zu Twitter und Facebook sind auch vertraute Programme wie der Internet Explorer (hier aber schon in der Version 10), der Mediaplayer und Wordpad hier zu finden.

Der Desktop ist nur noch eine App

Auch der klassische Desktop mit einem Windows-typischen blauen Hintergrund findet sich dann doch noch - als App. Vom alten Windows ist nicht viel übrig geblieben. Aber das war auch die Absicht. «Wir haben Windows neu erfunden», erklärte Steven Sinofsky, Präsident des Geschäftsbereichs Windows and Windows Live bei Microsoft, an der Entwicklerkonferenz in den USA.

Klar ist, dass Microsoft nicht länger nur den PC im Blick hat, sondern auch Tablet-PCs und Smartphones. Windows könnte sich dann auf allen Geräten ziemlich gleich «anfühlen». Dazu wurden in Windows 8 die technischen Grundlagen gelegt. So unterstützt Windows 8 auch ARM-basierte Chipsätze, die häufig auf Tablets eingesetzt werden.

Windows 8 noch nicht mal im Beta-Status

Ob das so bleibt, oder ob der Nutzer Auswahlmöglichkeiten für den Desktop bekommt, ob es vielleicht verschiedene Versionen für verschiedene Gerätetypen geben wird, das muss man noch sehen. Bedenken muss man auch immer, dass das jetzt öffentlich gemachte System eine Developer Preview ist, eine Vorschau für Entwickler, die noch nicht einmal Beta-Status erreicht hat.

Mit dieser Vorschau will Microsoft aber sicher auch die Reaktionen der Nutzer testen und sehen, wie das neue Konzept ankommt. Das Interesse scheint vorhanden zu sein. 500 000 Mal wurde die Preview innerhalb der ersten 24 Stunden von der Microsoft-Website heruntergeladen, wie Microsoft-Chef Steve Ballmer erklärte.

Die eine oder andere Änderung wird es bestimmt noch geben. Mit dem Erscheinen von Windows 8 - oder wie immer es dann heissen mag - wird erst Mitte nächsten Jahres gerechnet, vielleicht auch später.

Windows 8 in «VirtualBox» installieren

Die Entwicklerversion von Windows 8, die Microsoft jetzt veröffentlicht hat, kann sich jeder ansehen, der will. Dazu braucht man keinen eigenen Rechner, sondern nur eine sogenannte virtuelle Maschine. Das sind Programme, die einem Betriebssystem vorgaukeln, er haben einen richtigen Computer vor sich. Das ist ideal für Testzwecke. Für Privatnutzer empfehlenswert ist das kostenlose VirtualBox von Oracle. Dazu braucht man dann nur noch die iso-Datei von Microsoft mit der Developer Preview.

Bei der Einrichtung eines virtuellen Windows-8-Systems kann man zunächst weitgehend dem Assistenten von «Virtualbox» folgen. Der legt erstmal nur die Rahmenbedingungen fest, wie zum Beispiel die Größe des virtuellen Systems. 20 Gigabyte, die dynamisch angepasst werden können, sind eine gute Wahl. Bei der Frage nach dem Betriebssystem, das installiert werden soll, kann man «other Windows» oder «Windows 7» (beides ganz unten) wählen.

Aber es gibt noch ein paar kleine Dinge zu beachten, damit Windows 8 auch läuft. So muss im BIOS des Rechners (des richtigen) die Hardware-Virtualisierung aktiviert sein, sonst bricht die Installation unter Umständen ab. Noch bevor man damit beginnt, sollten auch einige Änderungen in den virtuellen Systemeinstellungen vorgenommen werden. Im Bereich Hauptplatine muss ein Häkchen bei «IO-APIC» sein, beim Prozessor muss «VT-x» und «Nested Paging» und bei der Anzeige die «3D-Beschleunigung» aktiviert sein.

Nach dem Start zur eigentlichen Installation des virtuellen Systems muss man nur noch den Link zur heruntergeladenen iso-Datei angeben. Und dann braucht man viel Zeit, denn die Installation kann je nach Rechner schon etwas dauern.

(dapd)

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