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Die grosse Xbox-360-ShowMicrosoft lässt Hardcore-Gamer hampeln

An der E3-Game-Show hat Microsoft neue Titel für die Bewegungssteuerung Kinect vorgestellt. Das Gros der Spiele soll Hardcore-Zocker erreichen. Ob dies gelingt, ist fraglich.

von
Jan Graber
Los Angeles

Die erste Pressekonferenz beginnt mit einem Sinnesrausch: Ohrenbetäubend und mit optischem Feuerwerk eröffnet der Ego-Shooter «Call of Duty: Modern Warfare 3» den diesjährigen Microsoft-Event an der Electronic Entertainment Expo E3 in Los Angeles. Der zweite Schlag folgt stehenden Fusses: die Weltpremiere vom neusten «Tomb Raider». Lara sieht so gut aus wie nie zuvor, zeigt sich verletzlicher als in den vergangenen Zeiten und kommentiert laufend ihre eigenen Aktionen – was sie menschlicher, aber auch nervender macht.

Die brillanten Bilder und Töne dienen indessen dazu, die über tausend Vertreter aus Presse und Handel in die richtige Stimmung für die kommenden Ankündigungen zu versetzen. Diese drehen sich in der Folge fast ausschliesslich um Kinect. Die Gamepad-freie Spielsteuerung hat sich im ersten Jahr mit Erfolg etabliert, zum Zielpublikum gehörten bisher aber vor allem Casual-Gamer.

Microsoft bewegt die Hardcore-Gamer

Das soll sich in den nächsten Monaten ändern: «Fifa», «Tiger Woods» und «Madden» integrieren Kinect zukünftig ebenso wie «Mass Effect 3», «Ghost Recon Future Soldier», Cryteks neuster Streich «Ryse», «Fable: The Journey» und «Forza 4», von dem allerdings nur ein extrem kurzer Ausschnitt gezeigt wurde. Überraschend ist zum Beispiel, wie sich mittels Stimme und Handbewegungen eine Waffe in «Ghost Recon» auseinandernehmen und den eigenen Ansprüchen entsprechend zusammensetzen lässt. Shortcut-Stimmbefehle verändern das Gewehr auf einen Schlag und passen es der gewünschten Situation an. Die Spielerei dürfte allerdings eine solche bleiben und bringt keinen wirklichen Nutzen.

Spiele per Sprache steuern

Besonders die Kontrolle der Games mit der Stimme stellt jedoch einen weiteren Schritt in Richtung interaktive Systeme dar, die in einer mittelfristigen Zukunft wohl vermehrt zum Unterhaltungs-Alltag gehören dürften. Wenig neu ist, dass sich die Menuführung der Xbox 360 komplett per Stimme kontrollieren lässt. Eine Sprechsequenz, die mit «Xbox» beginnt und mit den Befehlen endet, startet die Auswahl. «Xbox – Videos» ruft zum Beispiel die Filmoberfläche auf.

Die neu integrierte Suchmaschine Bing kann ebenfalls per Sprache gesteuert werden. Die Befehlskette «Xbox – Bing – X-men» zum Beispiel sucht nach Spielen und Filmen zu den Superhelden. Neu wird zudem der YouTube-Channel in die Xbox 360 integriert, und ebenfalls soll über die Game-Konsole bald auch schon Live-Fernsehen geschaut werden können. Wann dies in der Schweiz der Fall sein soll, ist offen.

Nicht nur Hardcore-Gamer kommen auf ihre Kosten. Für die Casual-Gamer erscheinen «Disneyland Adventures», «Sesamstrasse» und die Spielerei «Kinect Fun Labs». Mit Letzterem lässt sich ein Avatar erschaffen, der wie der Spieler aussieht: die Kamera nimmt die Details des Spielers auf und verwandelt sie in die entsprechenden virtuellen Pendants.

«Halo 4» und «Star Wars»

Den Abschluss der Konferenz bildeten zwei Core-Titel: «Star Wars Kinect», in dem Lichtschwerter und Force-Attacken mittels Handbewegung ausgeführt werden können, sowie die Ankündigung von «Halo: Combat Evolved Anniversary» und – was Halo-Fans besonders freut - «Halo 4» mit einem fantastischen Trailer.

Fazit: Offensichtlich will Microsoft mit Kinect vermehrt auch Hardcore-Gamer erreichen. Fraglich ist, ob es klappt. Geübte Spieler, die sich gewohnt sind, mittels Gamepad schnell und präzise zu spielen, dürften wohl kaum die im Vergleich dazu eher ungenaue Steuerung bevorzugen – egal wie cool die Spielereien sind. Kinect dürfte in Zukunft seine Stärken eher in der interaktiven Steuerung der Xbox-360-Oberfläche als in der tatsächlichen Steuerung von (Hardcore-)Spielen zeigen.

20 Minuten Online berichtet am Dienstagabend ab 18 Uhr live von der Nintendo-Show in Los Angeles.

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