Aktualisiert 15.05.2007 10:24

Microsoft prügelt auf Linux ein

Der US-Softwarekonzern Microsoft sieht durch freie Software wie das Betriebssystem Linux 235 seiner Patente verletzt.

Linux verstosse dabei gegen 42 Patente, erklärten Anwälte des Unternehmens. Grafische Benutzeroberflächen, die das Aussehen der Bildschirmoberfläche bestimmen, verletzten 65 Patente, freie E-Mail-Programme 15, andere Programme weitere 68 Patente. Auch das Büroprogrammpaket Openoffice, das von Sun Microsystems unterstützt wird, verstosse gegen 45 Patente. Sun lehnte eine Stellungnahme zunächst ab.

Microsoft strebe statt juristischer Schritte Lizenzabkommen mit Open-Source-Entwicklern, Distributoren und Nutzern an, erklärte am Montag Horacio Gutierrez, Vizepräsident bei Microsoft für geistiges Eigentum und Lizenzen. «Es gibt kein Grund, warum ein Bereich der Industrie von den Regeln des geistigen Eigentums ausgenommen werden sollte», betonte er.

Microsoft ist zwar das führende Unternehmen bei Betriebssystemen für PCs und Server, das Unternehmen betrachte die kostenlose Alternative Linux aber «mit grosser Sorge», erklärte Al Gillen, Analyst des Marktbeobachtungsunternehmens IDC. «Es ist eines der wenigen Betriebssysteme, die eine echte Bedrohung sind und bei denen Microsoft Schwierigkeiten hat, es einzudämmen.» Da die Entwickler den Programmcode frei verteilten, könne Microsoft nicht einfach ein Unternehmen vom Markt verdrängen und Linux so verschwinden lassen.

Vertreter der Open-Source-Bewegung reagierten verärgert auf die Vorwürfe von Microsoft. Der Konzern sagte «nie, welches Patent verletzt wurde», lege «nie einen Beweis vor», erklärte Larry Augustin, ein Technologieinvestor, der 1999 SourceForge.net gründete, eine wichtige Website für Entwickler. Aber das sei wohl auch nicht das Interesse von Microsoft, da die Entwickler schnell ihre Programme umschreiben könnten oder ein Gericht feststellen könnte, dass Microsofts Patent ungültig sei.

Eine Klage von Microsoft könnte auch schnell zu einem regelrechten Patentkrieg führen. Die Organisation Open Innovation Network (OIN), hinter der unter anderem IBM und das Linux-Unternehmen Red Hat stehen, hat inzwischen zahlreiche Softwarepatente gesammelt. Sollte Microsoft klagen, dann würde OIN wohl Vergeltung üben, erklärte OIN-Chef Jerry Rosenthal. «Wird sind uns ziemlich sicher, dass Microsoft einige unserer Patente verletzt.» (dapd)

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