Aktualisiert 22.01.2015 16:33

HololensMicrosofts Computer der Zukunft ist eine Holo-Brille

3-D-«Minecraft» in der Stube und holografische Anrufe: Dieses Szenario soll die Microsoft-Datenbrille möglich machen. Doch viele Fragen zur Hololens bleiben offen.

von
T. Bolzern
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An der Entwicklerkonferenz Build zeigte Microsoft Ende April, was mit Hologrammen alles möglich ist. So gab es eine Demonstration mit einem realen Mini-Roboter, der um ein Hologramm erweitert wurde.

An der Entwicklerkonferenz Build zeigte Microsoft Ende April, was mit Hologrammen alles möglich ist. So gab es eine Demonstration mit einem realen Mini-Roboter, der um ein Hologramm erweitert wurde.

Mit der Cyberbrille Hololens lässt sich jedes Windows-10-Programm frei im Raum platzieren, etwa ein Videoplayer an der Wand oder der Kalender auf dem Pult.

Mit der Cyberbrille Hololens lässt sich jedes Windows-10-Programm frei im Raum platzieren, etwa ein Videoplayer an der Wand oder der Kalender auf dem Pult.

Die Hololens soll Ärzten helfen, den menschlichen Körper besser zu verstehen, oder Architekten die Begehung eines Gebäudes ermöglichen, bevor dieses gebaut wird.

Die Hololens soll Ärzten helfen, den menschlichen Körper besser zu verstehen, oder Architekten die Begehung eines Gebäudes ermöglichen, bevor dieses gebaut wird.

Die Zukunft tragen wir auf der Nase. Davon sind die Entwickler bei Microsoft überzeugt. Überraschend hat der Software-Gigant diese Woche seine Vision künftiger Computer gezeigt: die Datenbrille Hololens. Doch die Version aus Redmond unterscheidet sich von Cyberbrillen wie Oculus Rift oder Samsungs Gear VR. Hololens-Träger werden nicht komplett in eine virtuelle Welt entführt. Die Gläser vor den Augen sind durchlässig. Virtuelle Objekte werden im realen Umfeld platziert, «Augmented Reality» heisst das im Fachjargon. Gesteuert wird die Brille mit Sprache und Gesten.

Doch was will Microsoft mit der Datenbrille? Solche Geräte haben im Moment keinen einfachen Stand. Google hat den Verkauf von Glass jüngst erst eingestellt. Die Oculus ist zwar vielversprechend, doch eine Killer-App, das Hauptverkaufsargument fehlt bis anhin.

Die ersten Tester der Hololens sind sich indes einig, dass die Brille von Microsoft genau das liefert: Das Programm, vielmehr das Spiel, heisst «Holobuilder» und ist eine Weiterentwicklung von «Minecraft», dessen Entwicklerstudio Microsoft letztes Jahr für 2,3 Milliarden Franken gekauft hat. «Und plötzlich macht diese riesige Investition absolut Sinn», schreibt etwa Kif Leswing von Gigaom.com.

Klötzchenwelt wird zur Killer-App

Wieso die Hololens ein Erfolg wird?, fragt Chris Plante von «The Verge» rhetorisch: «weil Microsoft den Fans des beliebtesten Games aller Zeiten ermöglichen wird, ganz in die Klötzchenwelt einzutauchen». Das Spiel «Holobuilder» sei die perfekte Killer-App für Microsofts Brille. Damit kann man sich durch den Couchtisch graben und virtuell Wände in die Luft sprengen.

Holografische Anrufe und dreidimensionale Spiele in der Stube: Das Werbe-Video für Hololens. (Video: Youtube/Microsoft)

«Eine magische Brille»

Sicher ist: Microsoft hat konkrete Pläne für Hololens – vor allem aber hat der Konzern schon eine klare Vorstellung, wie die Brille zum Einsatz kommen soll (siehe Bildstrecke). Die ersten Tester sind begeistert. «2015: das Jahr, in dem Science-Fiction Realität wird», titelt der Techblog «Ars Technica». Peter Bright, der die Brille bereits ausprobieren konnte, beschreibt das Erlebnis als «pure Magie». Auch auf Cnet ist man begeistert: «Hololens lässt selbst Virtual-Reality-Skeptiker mit offener Kinnlade zurück», so das Resüme.

Doch Microsoft bekommt nicht nur Lorbeeren. «Die Version, die ich getestet habe, war ein kompletter Prototyp», berichtet Leswing von Gigaom. Die gesamte Hardware war auf einen Helm montiert, die Holographic Processing Unit, etwa gleich gross wie ein Mac Mini, trug er wie eine Kette um den Hals. Auch hatte sein Modell keinen Akku. So schön die Microsoft-Zukunft im Werbe-Video auch klingen mag, viele Fragen bleiben unbeantwortet. Technische Daten für die Brille? Die sucht man vergebens. Akkulaufzeit? Negativ. Preis? Unbekannt. Erscheinungsdatum – ebenfalls.

Trotzdem: Die Überraschung ist Microsoft mit der Hololens auf jeden Fall gelungen. Bleibt abzuwarten, ob die Salamitaktik aufgeht. Denn Gerüchten zufolge arbeitet auch Google an einer ähnlichen Brille. Der Suchkonzern investierte letzten Herbst eine halbe Milliarde Dollar in die Firma Magic Leap. Das Start-up soll ebenfalls an einem holografischen Projekt arbeiten. Entsprechende Hardware wurde aber noch nicht gezeigt.

Magic Leap bringt Elefanten das Fliegen bei. Die Technik soll ebenfalls auf Holografie basieren. (Video: Youtube)

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