Milliarden-Übernahme von Nuance - «Microsofts Kauf setzt Apple unter Druck»
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Milliarden-Übernahme von Nuance«Microsofts Kauf setzt Apple unter Druck»

Fast 20 Milliarden Dollar für Sprachtechnologie: Alle wichtigen Fragen und Antworten zum Microsofts Kauf von Nuance und warum du jetzt keine Aktien kaufen solltest.

von
Barbara Scherer
Fabian Pöschl
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Microsoft will seinen Sprachassistenten verbessern.

Microsoft will seinen Sprachassistenten verbessern.

imago images/ZUMA Wire
Denn Microsofts Cortana ist zurzeit nur die Nummer Vier der Sprachassistentinnen – weit abgeschlagen hinter Google, Amazon und Apple.

Denn Microsofts Cortana ist zurzeit nur die Nummer Vier der Sprachassistentinnen – weit abgeschlagen hinter Google, Amazon und Apple.

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Der IT-Hersteller will darum Nuance kaufen, den Marktführer für Sprachtechnologie.

Der IT-Hersteller will darum Nuance kaufen, den Marktführer für Sprachtechnologie.

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Darum gehts

  • Microsoft plant für 19,7 Milliarden Dollar die zweitgrösste Übernahme seiner Geschichte.

  • So will der Software-Konzern seine Sprachassistentin verbessern.

  • Der Mega-Kauf hat Folgen für die Konkurrenz.

  • Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist passiert?

Microsoft hat am Montag die Übernahme der US-Firma Nuance für 19,7 Milliarden Dollar angekündigt. Das wäre der zweitgrösste Kauf in der Microsoft-Firmengeschichte. Die grösste Übernahme bleibt der Kauf von Linkedin für 26 Milliarden Dollar im Jahr 2016.

Die Firma Nuance ist auf Spracherkennung und künstliche Intelligenz spezialisiert. So entwickelte Nuance etwa Apples Sprachassistentin Siri mit. Auch Microsoft arbeitete schon 2019 bereits mit Nuance zusammen. Die beiden Firmen entwickelten eine Technologie, mit der Ärzte Patientengespräche digitalisieren können.

Warum ist Nuance so viel wert?

Die Aktie von Nuance Communications hat sich in der Corona-Krise von 18 auf 45 Dollar fast verdreifacht. «Nuance hat als Tech-Unternehmen von der Pandemie profitiert», erklärt Matthias Geissbühler, Investment-Chef von Raiffeisen Schweiz. Denn die Firma verfügt über interessante Technologien, wie Sprachassistenten. Davon wolle Microsoft profitieren.

Das sieht auch Comparis-Digitalexperte Jean-Claude Frick so: «Die Sprache wird in Zukunft das Hauptsteuermedium sein, mit dem wir Geräte bedienen.» Deshalb sei es wichtig, dass die Sprachassistentin auch praktisch alles versteht. «Nuance ist der absolute Profi dafür und gilt auch im Geschäftsumfeld mit seinen Diktierlösungen als führend», so Frick.

Was plant Microsoft damit?

«Microsofts Cortana ist die Nummer vier der Sprachassistentinnen, weit abgeschlagen hinter Google, Amazon und Apple», sagt Comparis-Experte Frick. Cortana ist aber auf Windows-Rechnern vorinstalliert und damit weit verbreitet.

Deshalb glaubt Frick, dass Microsoft an der eigenen Sprachassistentin Cortana festhält und mit Hilfe der Profis von Nuance so verbessert, dass die Firma im Kampf um den besten Sprachassistenten mithalten kann. Die Akquisition ergibt laut Frick auch deshalb Sinn, weil Nuance im Business-Bereich führend bei Sprachsystemen ist und Microsoft zwei Drittel seines Umsatzes im Business-Umfeld verdient.

Was bedeutet das für Apple?

Nuance war Mitentwicklerin von Apples Sprachassistentin Siri. Der Kauf von Nuance setzt nun Apple «weiter unter Druck, seinen Sprachassistenten zu verbessern», sagt Frick. «Microsoft nimmt nun richtig viel Geld in die Finger, um beim eigenen Sprachassistenten aufholen zu können. Apple war mal führend, als es Siri im Jahr 2011 auf dem iPhone 4S erstmals vorstellte. Doch mittlerweile sind die Asistentinnen von Amazon und Google deutlich besser», so Frick.

Was heisst der Mega-Kauf für Aktionäre?

Der Aktienkurs von Nuance Communications ist am Montag von 46 auf 53 Dollar gestiegen. Die Microsoft-Aktien haben sich kaum verändert. Das ist laut Anlagechef Geissbühler nicht überraschend. Denn für das Unternehmen Microsoft mit einer Marktkapitalisierung von fast zwei Billionen Dollar sei eine Übernahme von 16 Milliarden Peanuts.

«Darum verändert sich der Aktienkurs auch nicht gross.» Anders sehe es für Nuance aus. Schliesslich habe Microsoft pro Aktie 56 Dollar geboten: «Das entspricht einem Aufschlag von 23 Prozent zum Schlusskurs von letztem Freitag.»

Soll ich jetzt Aktien kaufen?

Davon ist laut Geissbühler abzuraten. Zwar könnte der Preis einer Nuance-Aktie noch über 56 Dollar steigen, dabei handle es sich aber um einen kurzfristigen Effekt. «Bis vor der Übernahme dürfte sich der Aktienkurs zwischen 53 und 56 Dollar einpendeln.» Gewinn könne man hier also keinen mehr machen.

Kommt der Deal nicht zustande, wird auch die Nuance-Aktie wieder auf ihren alten Wert von rund 45 Dollar sinken. «Microsoft-Aktien kann man natürlich kaufen, diese werden aber durch den Kauf von Nuance nicht wesentlich beeinflusst», so Geissbühler.

Könnte der Deal noch platzen?

«Ja, die Aktionäre beider Firmen müssen noch zustimmen», sagt Frick. Aber Microsoft habe mit der Kaufabsicht klar gemacht, dass die Firma bei Sprachsteuerung gerade im Business-Umfeld noch zu wenig Know-how hat. «Sollte der Deal platzen, dann hätte Microsoft in diesem wichtigen Zukunftsmarkt ein echtes Problem», so Frick.

Zehn Milliarden Dollar für Discord

Microsoft hat immer wieder Übernahmen getätigt. So kaufte die IT-Firma etwa für 7,5 Milliarden Dollar das Gaming-Studio ZeniMax Media Inc., welches beispielsweise das Online-Spiel «The Elder Scrolls Online» herausgibt. Aktuell hat Microsoft auch ein Auge auf den bei Gamern beliebten Kommunikations-Dienst Discord geworfen. Microsoft soll bereit sein, zehn Milliarden Dollar für die Übernahme aufzuwenden.

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