Grosser Röhrentest: Miese Noten für Schweizer Tunnel
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Grosser RöhrentestMiese Noten für Schweizer Tunnel

Die Schweizer Tunnel schneiden im europäischen Tunneltest schlecht ab. Zwei der drei geprüften Röhren sind gerade mal «ausreichend». Das Schlusslicht ist der Isla-Bella-Tunnel im Graubünden.

von
rey

Der schlechteste Tunnel Europas steht im Graubünden. Zumindest derjenige, der im diesjährigen Tunneltest des Touring Club Schweiz (TCS) und seinen europäischen Partnerklubs am schlechtesten abgeschnitten hat: Der Tunnel Isla Bella auf der Autobahn A13 erhält gerade mal die Bewertung «ausreichend».

Immerhin konnte sich der 2,5 Kilometer lange Testverlierer nach dem Urteil «bedenklich» im Jahr 2000 verbessern. Gravierende Mängel seien aber immer noch die fehlenden zusätzlichen Flucht- und Rettungswege, da der Verkehr nach wie vor nur durch eine Röhre geleitet werde, teilt der TCS mit. Der Bau eines separaten Fluchtstollens ist jedoch für 2018/19 geplant.

Nicht viel besser steht der Gubrist-Tunnel auf der A1 in Zürich da: Auch er wird gerade mal mit «ausreichend» bewertet. Im Jahr 2002 wurde er noch mit «gut» eingestuft. Die dritte geprüfte Schweizer Röhre, der Schweizerhalle-Tunnel auf der A2 im Kanton Baselland, erhält das Prädikat «gut». Der pro Tag im Schnitt von mehr als 125 000 Fahrzeugen durchquerte Tunnel in der Nähe von Chemiefabriken ist mit einer Brandschutzvorrichtung und Notausgängen ausgestattet. Ein Pannenstreifen und Lautsprecher fehlen allerdings noch immer.

Ehemaliger österreichischer Horror-Tunnel ist Testsieger

Testsieger ist der bereits zum dritten Mal getestete Tauerntunnel in Österreich, international bekannt geworden durch den verheerenden Tunnelbrand im Jahr 1999 mit zwölf Toten und 42 Verletzten. Der Tunnel an der A10 von Salzburg nach Villach erreicht nach dem Urteil «bedenklich» im Katastrophenjahr jetzt ein «sehr gut». Wesentlicher Grund für die Top-Bewertung: die neue, erst im vergangenen Jahr eingeweihte zweite Röhre. Im Gegensatz zu früher fährt damit der Verkehr nur noch in jeweils eine Richtung, dazu kommt eine lückenlose Verkehrsüberwachung und geschultes Personal in der Leitzentrale, das im Notfall auf eine gut ausgestattete Feuerwehr zurückgreifen kann.

In Deutschland wurden zwei Tunnel getestet. Der Allacher Tunnel auf der A99 bei München erzielte die Note «gut». Der Wattkopf Tunnel auf der L562 bei Karlsruhe schnitt 2004 noch mit «mangelhaft» ab. Jetzt wurden die meisten Mängel beseitigt, die Röhre erzielte ein «gut».

Europas Tunnels werden immer sicherer

Die häufigsten Mängel im Test gab es in den Kategorien Verkehr und Verkehrsüberwachung, Flucht- und Rettungswege sowie Brandschutz. In jedem zweiten Tunnel fehlten Pannenbuchten oder Seitenstreifen sowie Lautsprecher an den Notausgängen und Portalen.

Die erfreuliche Tendenz beim diesjährigen Test bestätigt, dass Europas Röhren immer sicherer werden. Aber immer noch bedarf es hartnäckiger Anstrengungen, damit sich Autofahrer in ganz Europa im Tunnel sicher fühlen können. Deshalb fordert der am Test beteiligte Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC), weiter nachzurüsten, damit bis 2014 alle wichtigen Tunnel Europas dem einheitlichen Mindeststandard nach EU-Richtlinie entsprechen.

Der Test

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