Sinkende Verkäufe: Miese Zahlen – wer eine GoPro wollte, hat sie schon
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Sinkende VerkäufeMiese Zahlen – wer eine GoPro wollte, hat sie schon

Nach schlechten Quartalszahlen sinkt der Kurs der GoPro-Aktie. Die Aussichten für die Zukunft sind düster. Der Markt ist übersättigt, neue Produkte in der Pipeline fehlen.

von
K. Wolfensberger

GoPro-Actionkameras sind bei Schweizer Skifahrern beliebt, um ihre Abfahrten und Sprünge zu filmen. Trotzdem läuft das Geschäft des Kameraherstellers schlecht. Er lieferte diese Woche miese Zahlen für das vierte Quartal 2015 und kündigte die Entlassung von sieben Prozent der Mitarbeiter an.

Konkret erwirtschaftete GoPro in dem Quartal einen Umsatz von 435 Millionen Dollar. Analysten hatten deutlich mehr, nämlich etwa 510 Millionen Dollar erwartet. Im gesamten 2015 schaffte es der Kamerabauer auf einen Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar. Die Aktie sauste daraufhin in den Keller. Seit dem Börsengang 2014 hat sie nun schon fast 80 Prozent verloren und liegt derzeit bei noch etwa 11 Dollar.

Ein Pionier mit Actionkameras

Weshalb verkaufen sich die GoPro-Kameras plötzlich schlechter? Schliesslich ist GoPro der Pionier im Geschäft mit Actionkameras für Sportler oder Abenteurer. Und aus der einst winzigen Firma wurde schnell ein Grossunternehmen. «Das Wachstum ging vielleicht etwas zu schnell», meint Urs Tillmanns, Fachpublizist und Betreiber des Portals fotointern.ch. Dass nach einem fulminanten Start nun eine Phase der Redimensionierung folge, sei durchaus zu erwarten gewesen.

Mit seinen aktuellen Produkten habe der Hersteller das Marktpotenzial weitgehend ausgeschöpft. Anders ausgedrückt: «Wer eine solche Kamera haben will, hat bereits eine», so Tillmanns. Dass die Kameras sehr stabil sind und somit kaum je ersetzt werden müssen, sei auch nicht eben hilfreich.

Ausserdem gebe es inzwischen starke Konkurrenten: «Es haben sich verschiedene vergleichbare Produkte von Marken wie Panasonic oder Sony im Markt etabliert, die mindestens ebenbürtig, wenn nicht, vor allem in optischer Hinsicht, besser sind», so Tillmanns.

Verkäufe in der Schweiz

Auch in der Schweiz sanken die GoPro-Verkäufe. Stefanie Hynek von Digitec Galaxus erklärt auf Anfrage, dass die Verkaufszahlen sowohl im Vergleich zum dritten Quartal als auch im Vergleich zum Vorjahr merklich gesunken seien. Möglicher Grund hierfür sei auch der warme November und das dadurch später angelaufene Weihnachtsgeschäft, so Hynek.

Besonders belastend haben sich für GoPro laut Analysten ausserdem erzwungene Preissenkungen beim neuen Modell «Hero 4 Session» ausgewirkt. Dieses war technisch schwächer als das Vorgängermodell Hero 4 Black, erklärt Hans Fischer, Elektroingenieur und Betreiber des Portals technikblog.ch. Das habe es zuvor noch nie gegeben. «Die Vorteile der noch kompakteren Bauform, einer wasserdichten Bauweise ohne Zusatzgehäuse und vereinfachter Bedienung wurde von der Käuferschaft nie richtig geschätzt und haben diese eher verwirrt, sodass Besitzer nicht auf das neue Modell umstiegen», so der Experte zu 20 Minuten.

Die Frage bleibt, wie GoPro den Turnaround schaffen soll. Laut eigenen Angaben möchte das Unternehmen noch 2016 den Einstieg ins Geschäft mit Multicoptern wagen. Fischer sagt: «Der Schritt macht insofern Sinn, da ja bereits zahlreiche Drohnen-Hersteller auf die GoPro Kameras setzen.» Ein weiteres vielversprechendes Geschäftsfeld seien 360-Grad-Videos. «Hier ist GoPro zwar mit dabei, hinkt der Konkurrenz aber hinterher, da die Hardware sperrig und teuer ist.»

Aus einem Hobby entstanden

Entstanden ist GoPro aus einem Hobby von Gründer Nick Woodman, der als Surfer Kamera-Prototypen für sich selber bastelte. Quasi über Nacht wurde Woodman mit GoPro nicht nur reich, sondern sogar zum Milliardär. Wie das Magazin «Forbes» schreibt, sind diese Zeiten jetzt aber vorbei. Mit einem Aktienpreis, der nur noch etwa elf Dollar pro Schein beträgt, hat Woodman neu ein Vermögen von etwa 995 Millionen Dollar. Noch im September, drei Monate nach dem Börsengang, waren es 3,3 Milliarden. (kwo)

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