Aktualisiert 24.06.2004 14:56

Miese Zahlungsmoral: Acht Milliarden futsch

Der Schweizer Volkswirtschaft gehen wegen der schlechten Zahlungsmoral jährlich Milliarden von Franken verloren. Zudem geraten immer mehr junge Menschen in die Schuldenfalle.

Im Durchschnitt beträgt die Summe der Schuld pro Teenager 500 Franken, wie die Inkassofirma Intrum Justitia am Donnerstag festhielt.

12- bis 18-Jährige geben gemäss Intrum Justitia pro Jahr rund 600 Mio. Franken aus. Ein Drittel der Jugendlichen hätten heute Schulden, sagte Thomas Hutter von Intrum Justitia. Es sei festzustellen, dass die Tendenz zunehmend sei, sagte Hutter.

Als Kreditfallen bezeichnete Hutter Natels, Kleidung, Kosmetika, Trend-Artikel und Ausgang. Aber auch Kundenkarten und das veränderte Einkaufsverhalten der Jugendlichen führe zu Schulden.

In der Schweiz ergebe sich ein durchschnittlicher Zahlungsverlust von 1,9 Prozent auf dem Geldfluss. Aufgerechnet auf das Bruttoinlandprodukt belief sich damit der volkswirtschaftliche Schaden im vergangenen Jahr auf über acht Milliarden Franken.

Die nackten Zahlen des am Donnerstag vom international tätigen Inkassounternehmen Intrum Justitia in Zürich vorgestellten European Payment Index (EPI) spiegeln keine vorbildliche Schweiz, was Zahlungsmoral und -unsicherheiten betrifft. 15 Tage lassen Schweizer Haushalte oder Unternehmen im Schnitt verstreichen, bis sie eine Rechnung nach Ablauf der Zahlungsfrist bezahlen. Unter den 22 untersuchten europäischen Ländern liegt die Schweiz damit im Mittelfeld. Musterknabe ist Finnland mit einer Verspätung von sechs Tagen, 38 Tage lassen die Portugiesen verstreichen. Insgesamt lasse sich bei der Zahlungsmoral ein Nord-Südgefälle feststellen, so Intrum Justitia.

Die schlechte Zahlungsmoral steht laut EPI-Studie im gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang mit der Wachstumsschwäche oder Arbeitslosigkeit. Neben kulturellen Einflüssen seien aber zwei Faktoren ausschlaggebend: Schlechtes Kreditmanagement sowie ineffiziente Betreibungsprozesse. Und gerade hier wird der Schweiz ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Ganze viereinhalb Jahre dauert es, bis ein Insolvenzprozess abgeschlossen ist. Nur in Tschechien dauert es noch länger.

Mit Blick auf die steigende Zahl von Betreibungen, Privat- und Firmenkonkursen, welche in der Schweiz neue Rekordwerte erreichen, zieht Intrum Justitia ein düsteres Fazit. Das Ausmass der Verschuldung werde in manchen Staaten gar als Zeitbombe einer kommenden Finanzkrise bezeichnet, hiess es.

Mit einer nationalen Präventionskampagne will Intrum Justitia das Problem bereits in den Schulen angehen. Auch hier sind die Finnen voraus, wo der Umgang mit Geld auf dem Lehrplan der Teenager steht. In der Schweiz seien die Teenager im Durchschnitt mit 500 Franken verschuldet. Immer mehr Jugendliche verfallen der Kauflust und -sucht. Innerhalb der nächsten zehn Jahre werde sich die Zahl der so genannten «Shopaholics» verdoppeln, zitiert Intrum Justitia eine weitere Studie. (dapd)

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