Foxconn: Mieser Job, aber alle wollen ihn
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FoxconnMieser Job, aber alle wollen ihn

Die Arbeitsbedingungen beim Apple-Zulieferer Foxconn sind derart mies, dass es zu Aufständen und Suiziden gekommen ist. Trotzdem stehen junge Chinesen Schlange, um in den Fabriken arbeiten zu dürfen.

von
ahi

Der Job als Fabrikarbeiter beim taiwanesischen Hardwarehersteller Foxconn ist wahrlich kein Zuckerschlecken: Täglich 12 Stunden lang bauen die chinesischen Männer und Frauen iPhones, iPads und Drucker zusammen – und das ist bloss die offizielle Darstellung. Die Arbeitnehmerorganisation Fair Labor Association berichtet, dass die Fabrikarbeiter oft mehr als 60 Stunden pro Woche ackern müssen – für gerade mal rund 480 Dollar pro Monat.

Auch die Freizeit sei alles andere als erholsam: Das Leben der jungen Arbeiter spiele sich fast ausschliesslich innerhalb der Werksmauern ab. Sie lebten zusammengepfercht in Wohnheimen, in Zimmern mit acht bis zwölf Betten. Hinzu komme die ständige und strenge Kontrolle: Allein im Ostchinesischen Werk Tayun sorgen 1500 Sicherheitsleute dafür, dass die fast 80 000 Arbeiter keine Faxen machen.

Arbeiter kommen trotzdem

Dennoch schrecken die miesen Arbeitsbedingungen nur wenige Chinesen ab: Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass bereits gestern wieder Tausende von ungelernten Chinesen Schlange gestanden sind, um bei Foxconn arbeiten zu dürfen. Mit Bussen wurden sie vor die Werksgelände gefahren, wo sie sich wie im Militär einreihen mussten. Die meisten sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Die Wanderarbeiter haben in der Heimat kaum Perspektiven.

Die Bewerber sind gern gesehen. Denn der Bedarf von Foxconn ist nach wie vor riesig: Trotz seiner insgesamt 1,2 Millionen Angestellten in 25 Fabriken – Foxconn ist Chinas grösster Arbeitgeber – ist das Unternehmen bei der Produktion ins Hintertreffen gekommen. Und weil der Westen ungeduldig auf die vorbestellten iPhone 5 wartet, müssen frische Arbeitskräfte her – und zwar schnell.

Wut treibt Arbeiter auf die Strassen

Kritik hagelt es schon länger – besonders gross war der Aufschrei 2010, als mindestens 13 Angestellte Selbstmord begingen, weil sie die Verhältnisse nicht mehr aushielten. Und immer wieder kommt an die Öffentlichkeit, dass es zu Aufständen und Prügeleien in und ausserhalb der Fabrikanlagen kommt.

Am vergangenen Wochenende ist es in Tayun erneut zu Ausschreitungen gekommen: 2000 Fabrikarbeiter sollen an einer Massen-Ausschreitung teilgenommen haben, nachdem Sicherheitsleute einen ihrer Kollegen brutal verprügelt haben, berichten Blogger. 5000 Polizisten mussten einschreiten, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Autos brannten aus, Fenster wurden zerschmettert. «In einem Umfeld wie bei Foxconn, wo Arbeiter als Produktionseinheiten behandelt werden – wie Roboter, nicht Menschen – ist Gewalt manchmal der einzige Ausweg. Kleinere Streitigkeiten eskalieren», kommentierte Geoffrey Crothall, Sprecher der Arbeitsrechtsorganisation China Labour die Geschehnisse.

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